Samstag, 27. Oktober 2012

"[LOST], i hope that somebody does for you, what you just did for me." Season 6. The End.

Vor einem knappen halben Jahr habe ich entschlossen mit der Serie "Lost" anzufangen. Ich kannte sie schon, habe vor einer langen Zeit bereits die 3te oder 4te Staffel im TV gesehen, zufällig versteht sich. Jedoch wollte ich sie beenden, überhaupt richtig anfangen, um endlich das Ganze zu sehen, das Ganze von dem so viele schwärmen und über das so viele lästern. Vor allem hat mich wohl das Ende interessiert, ich wollte nicht wahrhaben das es so schlecht sein soll, dass eine Serie, die durchgehend auf hohem bis extrem hohem Niveau spielt, ein flaches Finale zugeschnitten bekommt. Ja, man muss zugeben dass man von Staffel zu Staffel einen (kleinen) Qualitätsabbau spürt, jedoch wird die Serie nie schlecht, nie wirkt sie wild dahingeschissen nur damit man etwas hat das man verkaufen kann.

Ich weiss nicht so recht wo ich anfangen soll, während ich mich zu den offenen Fragen belese, um die auch in diesem Text irgendwie anzugehen, kommen schon wieder die Tränen hoch. Wieso? Wegen dem, was immer geschieht wenn man mit etwas zum ersten Mal fertig ist. Man weiss das es wieder passieren kann, das Gefühl wird jedoch nicht das Gleiche sein. In solchen Situationen wünsche ich mir das Blitzdings aus "Men in Black". Was ich jedoch gleich sagen möchte ist, dass das Finale auch für mich keine Erfüllung war. In seiner Komplexität wird es der restlichen Serie einfach nicht gerecht. Man geht zwar immer schön knifflig vor, so das es nach hoher Quantenphysik und Doktorarbeit aussieht, doch kommt man für sich persönlich sehr schnell auf eine Lösung. An der Stelle verteil ich aber auch gleich mal einen Pluspunkt: Die Lösung. Besser gesagt: Die Lösungen. Es gibt mehrere Wege wie man das Finale bzw. die Serie für sich definieren möchte, ich für meinen Teil bin dazu gekommen das Jack, nachdem er die Wasserstoffbombe gezündet hat, eine Parallelwelt eröffnet hat in der das Flugzeug eben nicht abstürzt. In diese switchen die aktuellen Charaktere, welche man in der derzeitigen Welt bereits ganze Zeit verfolgt, indem sich die Parallelpersönlichkeiten berühren (dabei werden die "Insel"-Erinnerungen ausgetauscht). So sterben unsere geliebten Freunde auf der Insel also nicht nur, sondern werden gleich "neugeboren" (oder auch nicht, vielleicht gehen sie von ihrem Treffpunkt aus gemeinsam in das Jenseits). Könnte man alles religiös betrachten, die ganze Serie ist darauf ausgelegt auch eine religiöse Lösung zu finden, doch da ich kein großer Fan von Jesus und Co. bin überlasse ich das mal anderen Menschen. Schön fande ich jedoch die Versinnbildlichung am Ende als sie sich in einer Kirchen getroffen haben, in der Symbole von so gut wie jeder Religion zu erkennen waren.

Das wohl absolut Beste in meinen Augen waren die schon oben angesprochenen "Berührungen". Wenn dann noch einmal die ganzen Erlebnisse der jeweiligen Charaktere abgespielt wurden...wow, einfach nur wow. Ich hatte selten solch eine Gänsehaut. Vergessene Figuren werden wieder in den Vordergrund gedrängt, erlebtes noch einmal auf wunderbare Weise mitgeteilt. Das ist wie gesagt dank der Parallelwelt möglich. Sie bringt wohl die interessantesten Aspekte in der gesamten letzten Staffel. Dazu gehört auch die Erzählung der alternativen Geschichte, der alternativen Welt in denen alle "Gestrandeten" auch ohne Insel glücklich werden können. Die Nebengeschichte ist für mich der Kampf gegen den Mann in Schwarz (was eigentlich die Hauptgeschichte darstellen soll), irgendwann habe ich mir eben einfach gedacht "Man, die Story hat doch ein viel weniger schönes Ende in petto, konzentrieren wir uns lieber auf diesen Zeitstrang." Der Kampf um die Insel war für mich einfach schon abgeschlossen, ich wusste das egal was noch passiert, ich würde mein ideales Ende haben.
"Will you help me? I could really use someone with Experience."
Und dann ist es so weit. Jack Shephard liegt am Boden. Er ist der Erlöser. Nicht weniger hat er getan, er hat sich, seine Freunde und die Insel erlöst. Ein letztes mal schwenkt die Kamera über seinem Kopf hinweg, fängt sein letztes Lächeln, seinen letzten Atemzug ein, zoomt ran und die Augen schließen sich. Vor genau 6 Jahren, nach dem Absturz, lag er genau an der gleichen Stelle, die Kamera filmte sein Auge wie es sich öffnete. Nun ist es jedoch vorbei. Die Geschichte um Jack und Co. wurde erzählt. Die der Insel jedoch leider nicht vollkommen. Zu viele Fragen sind offen geblieben, man hat sich im Finale zwar darum bemüht emotional zu werden, jedoch nicht darum die losen Enden logisch aneinanderzunähen.


So weiß man immer noch nicht wer den Tempel gebaut hat, was die Insel genau darstellen soll und wieso man grade die Zahlenfolge 4 8 15 16 23 42 verwenden musste. Auf die Mysterien an sich möchte ich aber nochmal in einem extra Beitrag eingehen, sonst sprengt das hier jegliche Grenzen. Ebenso gehe ich die Charaktere im einzelnen nochmal schön und gründlich durch, so das ich auch für mich ein vorübergehendes Ende mit "Lost" gefunden habe.
"I have some Things that I still need to work out. I think I`ll stay here a while."


Kommentare:

  1. Sehe ich ähnlich. Emotional durchaus befriedigend, doch was die Mystery-Elemente angeht war ich absolut enttäuscht. Hätte groß werden können, doch so fand ich es nur nett und werde die Serie wohl kein zweites Mal mehr sehen.

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  2. Flott und direkt geschrieben. :) Befinde mich selber gerade in einem Re-run (schreibt man das so? ^^) und mir sind neben den vielen Stärken auch einige Defizite aufgefallen. Deshalb bin ich gespannt hinsichtlich des Finales. Verständlich ist es, dass sich viele Fans vom Finale verarscht fühlten, dazu hat "Lost" zu sehr auf eine vermeintlich große Aufklärung zugesteuert. Gewonnen haben eben die (und dazu zähle ich mich glücklicherweise), die sich keinen großen Kopf um all die Rätsel gemacht haben. Der "re-watch-value" ist aber schon einigermaßen im Eimer durch dieses Finale. | Interessieren würde mich, ob dich die unfassbar schnelle Kamera in den Action-Momenten auch so gestört hat, wie mich jetzt. | PS: Bedeutet Shepard nicht "Hirte"? | PPS: Dass plötzlich Sayid und Shannon in der Kirche zusammen sind, war absolut lächerlich. |

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    1. Ich war gespannt wie das Finale aussieht, aber hatte meine Erwartungen auch weit zurückgehalten. So war ich während dem schauen kein bisschen enttäuscht, erst danach als ich es mir genauer überlegt hatte (aber auch nur ein wenig :)).
      PS: Richtig, da hab ich mich vertan (bzw. war zu voreilig und zu faul nochmal nachzuschaun). Danke, wird geändert.
      PPS: Wieso plötzlich? Sie wurden doch dank Desmond vor einer Disco wieder zusammengeführt.

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    2. Nee, aber Shannon war nicht seine große Liebe - das war das blöde. Und in puncto Actionsequenzen hast du vergessen zu antworten. :)

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    3. Richtig, aber es wurde ja mehrmals verdeutlicht das er seine wahre Liebe einfach nicht kriegen darf - nicht in der "normalen" Welt, nicht in der parallelen. Könnte man wieder religiös sehen: Er war Folterer und muss nun teils dafür zahlen. Ganz allgemein gesehen: Ich fands so viel schöner. Shannon mochte ich nach Anlaufschwierigkeiten sehr und die Beziehung der zwei fand ich super.

      Zu den Actionszenen: Musste kurz überlegen da mir das wirklich nicht so aufgefallen ist, aber wo dus schon ansprichst: Ich fand die Kabummszenen im Wald ziemlich nervig, stimmt schon. Aber Sachen wie z.B. der Angriff am Strand oder der Kampf an den Klippen war ziemlich gut inszeniert. :)

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