Donnerstag, 22. September 2016

"Snowden" – wenn Loyalität nicht mehr eindeutig sein kann



© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Jeder kennt diesen Namen: Edward Snowden. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter ist 2013 zur Berühmtheit avanciert, weil er vertrauliche Daten an ein Team aus Journalisten weitergegeben hat. Für die einen ist er damit ein Held der Demokratie, für andere ein Hochverräter. Oliver Stone versucht sich in "Snowden" nun daran, Ed Snowdens Weg bis 2013 einer breiten Masse zu präsentieren.

Die Handlung ist nah am realen Geschehen. Wir verfolgen den jungen Edward Snowden, der nicht die körperlichen Voraussetzungen mitbrachte um bei den Special Forces zu bestehen, bei seinem weiteren Weg. Erst die Ausbildung beim CIA, dann der Wechsel zum NSA und die schlussendliche Zusammenarbeit mit dem NSA als externer Mitarbeiter. Dazwischen immer wieder Szenen von Snowdens Leben in einem Hotelzimmer kurz vor der Veröffentlichung seiner Enthüllungen. Die Geschichte ist dabei nicht übertrieben spannend, weil sie eben eine realistische Erzählung ist. Hier wird nicht Jason Bourne, oder James Bond auf die Leinwand gebannt, sondern der Analyst Edward Snowden. Dessen Leben ist nicht geprägt von Abenteuer und Explosionen, sondern von der Vereinbarung seiner kräftezehrenden Tätigkeit mit seinem Privatleben.
© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
Die Fragen, die "Snowden" aufwirft, machen diesen Film so ausgesprochen sehenswert. Wir können aus nächster Nähe beobachten wie eine Person, die in seinem Selbstverständnis absoluter Patriot ist, plötzlich Zweifel an seiner Arbeit und der Integrität der Nachrichtendienste bekommt. Dieser innere Konflikt ringt dem Film eine Spannung abseits großer Bilder ab. Die meisten Zuschauer wissen, wie Snowden sich entscheiden wird, doch der Wandel zum Whistleblower ist extrem interessant inszeniert. Manchmal hat man die Hoffnung, dass das dargestellte von Stone maßlos übertrieben wird. Wer sich jedoch mit der Materie auseinandersetzt, wird schnell zum Schluss geraten, dass die unglaubliche Handlung allzu nah an der Realität liegt.
Die Darsteller sind allesamt gut gewählt und sogar Nicolas Cage schafft es wiedermal in positiver Erinnerung zu verbleiben. Die Musik ist Genretypisch und die meisten Bilder sind nicht sonderlich innovativ.  Einzelne Szenen sind jedoch mit einem unglaublichen Scharfsinn inszeniert und bleiben noch Wochen später im Gedächtnis der Zuschauer.

Fazit

"Snowden" ist ein fantastisches Biopic, dass definitiv in ruhigeren Tönen arbeitet, als man es von der Thematik her vielleicht erwarten würde. Dieser Film wirft jedoch spannende und tiefgreifende Fragen auf und erreicht vielleicht Menschen, die sich vorher nicht mit dem Thema der Überwachung auseinandergesetzt haben. Ein wichtiger Film, der aufgrund seines Realitätsbezuges nicht so pompös sein kann, wie eine fiktionale Inszenierung.


© Universum/Walt Disney
BEWERTUNG: 9,0/10
Titel: Snowden
FSK: ab 6 Jahren freigegeben
Laufzeit: 135 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Kieran Fitzgerald, Oliver Stone
Regisseur: Oliver Stone
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Nicolas Cage, Shailene Woodley, Melissa Leo, Zachary Quinto, Tom Wilkinson





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