Mittwoch, 28. September 2016

Krieg geht in den Köpfen der Menschen weiter - "Frantz"


Paula Beer und Pierre Niney in "Frantz"
AB 29. SEPTEMBER IM KINO! ©X-Verleih


„Ich liebe Deutschland. Aber noch mehr liebte ich meinen Sohn.“

Alte Männer, zerstörte Häuser, weinende Frauen, unzählige Tote – das Erbe des Krieges. Je fortschrittlicher die Technologie dahinter, desto verheerender die Auswirkungen, was die Menschheit während des ersten Weltkrieges besonders intensiv erleben musste. Gasattacken, Flugzeuge und fortschrittliche Gewehre sorgten für Millionen von Opfern und legten den Grundstein für eine noch schlimmere Tragödie. Der französische Regisseur Francois Ozon nimmt sich diesem Thema an und durchleuchtet in „Frantz“ die deutsch-französischen Beziehung.
Zunächst folgt der Zuschauer der Deutschen Anna, die um ihren getöteten Verlobten Frantz trauert. Etwas Farbe gelangt in ihren Alltag – und in den ihrer Schwiegereltern – als ein Franzose am Grabe des Mannes auftaucht und Blumen niederlegt. Das sorgt für allerlei Gerede im Dorf, das Misstrauen gegenüber dem Fremden ist hoch. Doch Anna will wissen was dahintersteckt…

Paula Beer sieht Franzosen am Grab.
©X-Verleih
Ozon wäre nicht der Tausendsassa der er ist, wenn er es bei einem Drama um Schuld und Sühne belassen würde. Getragen von einer auftrumpfenden Paula Beer, wechselt „Frantz“ zwischen den Genres hin und her. Mal Drama, dann Liebesfilm, nur um kurze Zeit später Elemente des Film Noir einzubauen. Als Fundament legt Ozon das Misstrauen zweier Nationen zugrunde, die vor Kriegsbeginn eng verbunden waren. So sinnieren alte Männer am Stammtisch über die ehemals starke Nation, bis es der Vater von Frantz trocken zusammenfasst: „Wir trinken auf den Tod unserer Kinder“. Die Menge verfällt in bitteres Schweigen, nur um kurze Zeit später die Hymne anzusingen. Schuldgefühle, Trotz, der Widerwille eine Niederlage zu akzeptieren sowie ein gemeinsames Feindbild sind ein gefährliches Gemisch. Ein Nährboden, auf dem Extremismus gedeiht.

Solche Szenen gliedert Ozon subtil in seine Geschichte um Anna und den Franzose Adrien ein. Doch genau wie sich die zwei Nationen nicht einander nähern können, scheint eine ganze Welt zwischen den Beiden zu stehen. Der Lauf der Weltgeschichte spiegelt sich im Verlauf der Story, was „Frantz“ besonders elegant erscheinen lässt. Zwar nimmt sich Ozon hier und da etwas zu viel Zeit, seine emotionale Schlagwirkung verfehlt er nicht. Mal nimmt sich Ozon samt Bildsprache extrem zurück, nur um im nächsten Moment Gefühlskino voller Dramatik zu zelebrieren. Ein Kino der großen und kleinen Gesten, der Blicke, der Sehnsüchte. Das erinnert in seinen besten Momenten an die Klassiker des Schwarz-Weiß-Kino, kein Wunder also, dass „Frantz“ ebenfalls in stilvollem Schwarz-Weiß gedreht ist.

Fazit

Das macht den Film bloß noch realistischer, auch als Dokument einer Zeit, die sich auf den zweiten Blick gar nicht so von unserer unterscheidet. Auch heutzutage sorgen Vorurteile für Fremdenhass und Misstrauen unter der Bevölkerung, auch heute stehen sich mehrere Lager gegenüber. „Frantz“ ist auf seinen Subtext bezogen aktueller als man glaubt, verdeutlicht er doch, wie eine Nation freiwillig Richtung Untergang marschiert. Der berühmte Tellerrand scheint zu weit entfernt um hinüberschauen zu können. Ob Anna und Adrien einen kurzen Blick erhaschen?


Kinoplakat von Frantz
©X-Verleih
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Frantz
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 114 Minuten
Produktionsland: Frankreich, Deutschland
Autor/Regisseur: Francois Ozon
Darsteller: Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stölzner, Johann von Bülow, Marie Gruber










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