Freitag, 6. Juni 2014

Geniale Thriller-Kost in russischer Kälte - Transsiberian

©Universum Film GmbH
„Wenn du alle meine Dämonen tötest, sterben vielleicht auch meine Engel.“

Roy und Jessie stehen einem großen Abenteuer gegenüber. Sie werden mit der transsibirischen Eisenbahn den Weg von Peking bis Moskau bestreiten. Für den Eisenbahnliebhaber Roy ein wahrer Traum der in Erfüllung geht, für Jessie bleibt zunächst noch die Skepsis. Als sie auf der Fahrt die jungen und sympathischen Abby und Carlos kennenlernen, scheint die Fahrt mit der imposanten Bahn doch noch zu einem unvergesslichen Erlebnis zu werden. Im Zug wird der Wodka förmlich zum Dauerbegleiter, die Karten und Würfelbecher werden ausgepackt, Geschichten werden erzählt. Eine Tolle Zeit eben. Doch schon bald merken Roy und Jessie das Carlos und Abby ein Geheimnis haben und das die russische Polizei nicht frei von Korruption ist. Hineingezogen in einen Strudel aus Leidenschaft, Liebe und kulturellen Barrieren, wird die Fahrt in der transsibirischen Eisenbahn zu einem Höllentrip erster Klasse...

Wie weit muss man sich von seinem eigentlichen zu Hause entfernen um sein wahres Gesicht zu erkennen? Welche Momente bringen den Menschen dazu seine Grenzen zu überwinden und sich selbst zu zeigen zu was er fähig ist? TRANSSIBERIAN ist nämlich nicht nur ein vorzüglicher Actionthriller, sondern viel mehr eine Visualisierung dieser Fragen. Inmitten von eisiger Ödnis, ummantelt von verlassenen Kapellen im tiefsten Sibirien, ist das Leben ganz einfach ein anderes. Weit weg von Generation Smartphone und Facebook. Es ist ein Leben indem man selbst und seine Mitmenschen den Mittelpunkt der Geschehnisse ausmachen. Man nimmt sich zeit für sich, Zeit für seine Leidenschaft, Zeit für alles elementare, Zeit für sein Glück. Inmitten dieser wunderschön kalten Idylle, zeigt sich das Leben genau so wie es sein soll. Hautnah, unberührt und ungebändigt. Pure Freiheit.

Das TRANSSIBERIAN dann tatsächlich so ein starker Film ist, ist eine absolute Überraschung, geht man davon aus, das die Männer auf den Regiestühlen eher selten das optimale aus ihren Voraussetzungen machen. Brad Anderson straft diesen Vorurteilen aber Lügen. Was dieser Streifen letztlich ist, ist ein Paradebeispiel für Kino – so wie es sein sollte. Das eine Geschichte in Sachen Aufbau und Struktur so perfekt verfilmt wird, kommt nicht sehr häufig vor. In ein bisschen weniger als zwei Stunden, bebildert Anderson einen Plot der einen herrlichen Spannungsaufbau beinhaltet, mehrere Höhepunkte im Petto hat und letztlich auch noch ein Finale Furioso zu bieten hat. Eine herrlich runde Story, der man von Anfang bis Ende durchgehend an den Lippen hängt.

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Visuell ist TRANSSIBERIAN logischerweise auch sehr stark umgesetzt. Die Bilder zerren den Zuschauer wahrhaftig mit in eine fremde Welt. Schneebedeckte Landmassen, alte Frauen mit Goldenen Zähnen, Häuser inmitten des Nichts, zerfallene Gebäude. Vielleicht möchte uns TRANSSIBERIAN einfach zeigen, dass das Perfekte im Imperfekten zu finden ist.
Hier profitiert der Streifen selbstverständlich von seinem sehenswerten Handlungsort, den damit verbundenen faszinierenden Settings und der Neugier des Menschen an sich.

Doch neben all den tollen Nebeneffekten und Botschaften, ist TRANSSIBERIAN natürlich auch ein wahnsinnig spannender Thriller, der eine ebenso clevere wie simple Handlung zu bieten hat und einen klangvollen Cast besitzt. Ständig spielt der Film mit der Abgelegenheit, die die Landschaft Sibiriens mit sich bringt. Einige Paukenschläge, einige logische Konsequenzen. TRANSSIBERIAN ist eine prall gefüllte Thriller-Tüte, deren Weg unaufhaltsam zu einem nervenaufreibenden Finale führt, welches genau die oben aufgeführten Fragen zu beantworten weiß.

Getragen wird das ganze Projekt vor allem von Woody Harrelson, Ben Kingsley und Emily Mortimer. Gerade letztere kann das Geschehen durch ihre emotionale Spielweise, durch ihr beherztes Interagieren den Film an sich reißen, was auch auf ihren am sorgfältigsten gezeichneten Charakter zurückzuführen ist. Die Figur der Jessie wirft klar das größte Interesse beim Zuschauer auf, wenngleich auch der Charakter des Roy nicht gänzlich als stereotyp abzutun ist, was sich im Film vor allem mit längerer Laufzeit bemerkbar macht. Ben Kingsley spielt das was er kann, und das macht er gut. Gewohnt tadellose Leistung, in einer für ihn typischen Rolle.
Unterm Strich lässt sich sagen, das TRANSSIBERIAN einer der vielfältigsten Thriller der Neuzeit ist. Wenig bis keine Schwächen, Längen schon gar nicht. Einen sehr begabten Regisseur und Drehbuchautor, der ein wahres Filmerlebnis geschaffen hat. Beeindruckende Settings und Schauspielleistungen. Natürlich ist auch hier nicht alles Perfekt, aber wie schon angesprochen, vielleicht liegt das Perfekte ja im Imperfekten.


„Das Leben ist eine Reise, nicht das Ziel.“


Bewertung: 08/10



©Universum Film GmbH
Genre: Thriller
Originaltitel: Transsiberian
Regisseur: Brad Anderson
Darsteller: Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Eduardo Noriega, Kate Mara
Erscheinungsjahr: 2008
Produktionsland: US, UK, Spanien, Litauen, Deutschland
Laufzeit: 111 Minuten  
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16

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