Montag, 30. Juni 2014

Bis aufs Blut - Deutsches Nachwuchs-Kino in Top-Form

©Euro Video
Sule und Tommy sind beste Freunde seit Tag 1. Was bei Ihnen als kleine Kinder, Gang und Gebe war, wird auch heute noch fortgeführt. Sie stehen für einander ein, halten dem jeweils anderen den Rücken frei und stellen so ein unschlagbares Team dar. Tommy besucht das Gymnasium, Sule die Realschule. Sie verkaufen Drogen, hören Hip Hop, schlafen mit Frauen und träumen von einer Tuning-Werkstatt. Das Leben eines kriminellen Würzburger Straßenkindes. Das Tommy sein Abitur und sein zumindest einigermaßen ordentliches Elternhaus somit in Gefahr bringt, merkt er erst nach seinem halbjährigen Gefängnisaufenthalt. Fortan versucht er sein Leben zu ordnen, doch Sule macht es ihm nicht einfach, zieht er ihn doch immer wieder in dieselben Kreise und Probleme hinein. Eine harte Belastungsprobe für eine schier unzerstörbare Freundschaft, die in einem ebenso packenden wie dramatischen Finale endet.

BIS AUFS BLUT ist der Diplom-Abschlussfilm und gleichermaßen das Regie-Debüt des deutschen Regisseurs Oliver Kienle. Mit der Szene des Würzburger Straßenlebens hat sich der Nachwuchs-Filmemacher sofort ein äußerst brisantes Thema vor die Brust genommen.
Die Themen sind einfach abgesteckt, schnelle Jugend, Graß, Autos, Frauen. Die Schwedischen Gardinen als logische Konsequenz, Gewalt ist im Tagesablauf verankert. Die Gefahr lauert überall. Seien es verärgerte Mitmenschen oder der Staatsapparat in Form der Polizei.
Ein Themenpfad der leicht ins lächerliche abdriften kann, sollte man ihn nicht realitätsnahe inszenieren und ihn zu sehr aufbauschen. Oliver Kienle hat hier aber sein aller ersten großen Pluspunkt eingeheimst indem er ein unfassbar authentisches wie realitätsgetreues Abbild des oben genannten Stoffes preisgibt.
Das Oliver Kienle ein besonderes Gespür für Inszenierung hat, zeigt er uns schon in den ersten Sekunde. Die Szenen des Heranwachsens der beiden Hauptprotagonisten sorgt für maximale Aufmerksamkeit im Publikum. Kein unnötiges langweiliges Anlaufen des Filmes, man ist sofort auf der Höhe des Geschehens, weiß den Zuschauer von Sekunde Eins an zu unterhalten.

Mit der Stadt Würzburg steht zum Einen eine wunderschöne Stadt als Setting zur Verfügung, das man ruhig noch ein wenig mehr hätte ausbeuten können. Dennoch sind die Aufnahmen gelungen, geht es in BIS AUFS BLUT sicherlich nicht darum schöne Panoramaaufnahmen von der Würzburger Festung hervorzubringen, sondern unbeschönigte Bilder der urbanen Gefilde auf die Leinwand zu pumpen.
Weiterhin ist hervorzuheben, das der Soundtrack, selbstverständlich sehr Hip-Hop und Deutsch-Rap-lastig, gut mitgeht und die Atmosphäre in die richtigen Bahnen lenkt, aber dem ein oder anderen Zuschauer eine falsche Richtung suggeriert. BIS AUFS BLUT´s größter Fehler besteht nämlich darin, das man den Eindruck erweckt das Hip-Hop unmittelbar im Zusammenhang mit Drogen, Gewalt und Gefängnis steht. Auch der Eindruck dass das Element Hip Hop ein Bestandteil des Filmes wäre bleibt haften, was der Inhalt des Streifens nur im minimalen Maße rechtfertigt. Somit wird ein verzerrtes Bild eines weltweit erfolgreichen Musikstils wiedergegeben, nicht mehr und nicht weniger.

Neben der Inszenierung liegen die Stärken des Projektes vor allem in den Leistungen der Darsteller. Mit Jacob Matschenz und Burak Yigit hat der Cast zwei glaubwürdige Hauptdarsteller, die beide sehr zu überzeugen wissen. In Nebenrollen finden sich zudem Simone Thomalla und Peter Lohmeyer, die Beide routinierte Arbeiten abliefern. Größter Gewinn jedoch für den Film ist Rapper Manuellsen, der in seinem Spielfilmdebüt viel zu wenig Screentime zugesprochen bekommt, aber dennoch die wenigen Minuten zu etwas äußerst einprägsamen machen. Vor allem die Symbolik seiner Figur für den Handlungsverlauf weiß er sehr gut an den Mann zu bringen und überrascht durch ein abgeklärtes Auftreten.

In BIS AUFS BLUT wird die Freundschaft über die Familie gestellt. Ein Motiv, das sich heutzutage auch in der Gesellschaft immer weiter festsetzt. BIS AUFS BLUT ist somit nahe an der Zeit dran und greift immer wieder Aspekte der heutigen Jugend auf. Verleugnung ist einer dieser Punkte, unzählige Träume die vom einen Moment auf den anderen Platzen, Loyalität gehört dazu. Kaputte Gestalten füllen die leeren Gassen.

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Bei der Sichtung von BIS AUFS BLUT wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, das jede Sekunde irgendetwas drastisches passieren könnte. Ein sehr clever kreierter Spannungsaufbau, der sich in seinem Finale nicht komplett entlädt. Nein, das Publikum bekommt einen Schluss mit dem es leben muss aber nicht unbedingt leben kann und will. Es ist das Sinnbild der heutigen Jugend. Häufig werden Dinge aufgedrückt, häufig sind Problematiken vorhanden, die ein Mensch gar nicht verarbeiten und beheben kann. Es sind zwischenmenschliche Brüche und Bindungen, die Emotionen freisetzen die ein Individuum alleine nicht kanalisieren kann.


BIS AUFS BLUT ist dramatisch, emotional, gut verfilmt und gut gespielt. Einzig und alleine die Message hat den ein oder anderen Schlenker in die falsche Richtung unternommen. Ansonsten feiert Oliver Kienle hier ein famoses Regie-Debüt, das Lust auf mehr macht. Viel Lust.  


Bewertung: 08/10



©Euro Video
Genre:  Drama
Originaltitel: Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung
Regisseur: Oliver Kienle
Darsteller: Jacob Matschenz, Burak Yigit, Manuellsen, Aylin Tezel, Simone Thomalla, Peter Lohmeyer
Erscheinungsjahr: 2010
Produktionsland: Deutschland
Laufzeit: 113 Minuten  
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 16

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