Donnerstag, 8. August 2013

Der Überraschungsthriller "Trance - Gefährliche Erinnerungen" lässt Hobby X-Men James McAvoy durchdrehen

(2013) / GB  / OT: Trance / Laufzeit: ca. 101 Minuten / FSK: 16 / Thriler, Noir, Krimi
"Trance" hatten und haben die meisten unter uns wohl nicht auf ihrer Watchlist für das Jahr 2013. Doch eigentlich hätte Danny Boyle, nachdem er mit "Slumdog Millionair" und "127 Hours" immerhin oscarprä- und nominierte Filme abgelegt hat, eine gewisse Aufmerksamkeit mit seinem neuesten Werk verdient. Auch ansonsten hat der Mann bisher nur geglänzt, "28 Days Later", "Trainspotting", "The Beach". Beinahe seine komplette Filmographie dient als Beispiel seines unglaublichen Talentes. Doch sehenswerte Filme wie "Sunshine" (mit Cillian Murphy) und "Lebe lieber ungewöhnlich" (mit Ewan McGregor) sind ebenfalls unter dem Medienrummel verloren gegangen. Ich hoffe das ändert sich nach "Trance" etwas, denn was er hier abgeliefert hat, ist nicht mehr und nicht weniger als einer der besten Thriller der letzten Jahre.

Die Story ist eigentlich so simpel wie genial: James McAvoy spielt als Simon einen Auktionär der immer wieder mit millionenschweren Gemälden zu tun hat. Er erzählt am Anfang des Filmes, wie man gegen Überfälle, und die kommen auf jeden Fall, die Frage ist nur wann, vorgeht. Die Vorgehensweise ist einfach und als es zum Ernstfall kommt, behält er einen kühlen Kopf und steht kurz vor der Einwurfklappe, die das 25 000 000 Pfund schwere Kunststück vor den Dieben bewahren soll. Doch kurz davor wird er von Gangster Vincent Cassel überrascht und von ihm niedergestreckt. Als er aufwacht beginnt jedoch der eigentliche Alptraum. 

"Kein Gemälde ist ein Menschenleben wert."

Bei "Trance" ist es sehr schwer, nicht zu spoilern, da bereits nach wenigen Minuten das ausgetüftelte Drehbuch zum Einsatz kommt. Es beginnt eine Reise in den Geist von Simon - aber nicht auf dem konventionellem Wege, es wird verschachtelt und hinters Licht geführt, enthüllt und wieder verworfen, auf einen Trip geschickt, der mit der unglaublichen musikalischen Untermalung von Rick Smith zu einem fantastischem Erlebnis wird. Den Score möchte ich besonders hervorheben, er wurde majestätisch an den genau richtigen Stellen zum Erklingen gebracht und hat dort, wo die Dialoge den wichtigen Part übernehmen, schön die Füße still gehalten. In der Hinsicht war ich hellauf begeistert, so etwas erlebt man selten.

Vor allem hilft die Musik aber sich in diesem verwirrendem Spektakel wohl zu fühlen, sich weiter zu fragen, was denn hier nun vor sich geht, mit einem Lächeln auf den Lippen mitverfolgt, wie es teils surreale Züge annimmt und immer berauschender wird. Danny Boyle meldet sich mit einer Regieleistung zurück, die man heutzutage nur zu gerne präsentiert bekommt. Er wagt sich etwas, lässt einen gewöhnlichen Thriller zu einem Noir-Komplex heranwachsen, welcher mit seiner inceptiösen Herangehensweise fasziniert.

Verlass sollte auf Danny Boyle aber nicht nur wegen seinem inszenatorischem Können sein, vielmehr besitzt er noch das Talent, perfekt zu casten. So stellt er hier Vincent Cassel, Rosario Dawson und das vielversprechende Schauspielsternchen James McAvoy, welcher zuletzt in "X-Men: First Class" positive Stimmen im großen Publikum erklingen lassen konnte, als ideales Dreiergespann auf. Alternativen gab es aber genug, es war zum Beispiel Colin Firth anstelle für Cassel im Gespräch, da denkt man natürlich, dass das auch gehen würde, doch im Endeffekt ist das Ergebnis mehr als vorzeigbar.

"Was können Sie ihm suggerieren?"

-"Alles."

Boyle ist ein Film gelungen, der mehreres zeigt: Er stellt dem Zuschauer sein weitgefächertes Können vor, immerhin ist er einer der Regisseure, die versuchen jede Möglichkeit in ihrer Karriere abzugrasen und legt dazu ein Werk ab, welches wunderbar zeigt, wie tief und detailreich man mit den Köpfen und deren Unterbewusstsein von Charakteren spielen kann. Er zaubert ein Szenario, das die zwischenmenschlichen Beziehungen und Probleme in ihrer Komplexität auf eine vollkommen neue Weise beleuchtet und interessant macht, verknüpft mit den gut eingesetzten Actionparts eine bestimmt nicht verkehrte Kombination. Ein einladender Knall bringt einen der zu unrecht verdrängtesten Regisseure zurück - welcher in den kommenden Jahren hoffentlich weiterhin solche Außnahmefilme des Blockbusterkinos dreht.

7.5/10

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