Samstag, 31. August 2013

Audreys Gedanken zu... Horror



In letzter Zeit denke ich immer wieder darüber nach, was wirklich Horror ist und als ich letztens Picnic at Hanging Rock sah, den man vom Aussehen her als genaues Gegenteil von dem bezeichnen könnte, was der normale Zuschauer als Horror betrachten würde, musste ich einfach etwas dazu schreiben.

Denn Horror ist für mich nicht zwingend spritzendes Blut, Wackelkamera, verdrehte Gliedmaßen, Schockeffekte, Dunkelheit, gruselige Tiere, hässliche Menschen, Gruseln.
Horror ist für mich viel mehr das Unbekannte, das Schreckliche, was wir nie finden können, Abgründe ohne Boden der Seele, der Natur. Das Gefühl, dass der wahre Horror auch in absoluter Schönheit passieren kann. Ich bin sicher, dass vieles, was der Mensch als Horror betiteln würde bei Sonnenschein geschah. Man denke nur an die wunderschöne Natur in Apocalypse Now oder die friedlichen Straßen in Shining oder, wenn man das Ganze in die Realität übertragen will, an den blauen Himmel über New York am 11. September. Horror kann überall passieren. In der dunklen Nacht, auf hellen Straßen, an Badeseen, zu Hause oder auch in sonnenüberfluteten Bergen.

Horrorfilme sind meiner Meinung nach einfach keine Filmen, in denen schmutzige hässliche Menschen sich die Arme umdrehen, ein paar andere Menschen blutrünstig abschlachten, rumschreien und am Ende rauskommt, warum und wie das alles passiert ist.
Horrorfilme sind für mich Filme mit einer knisternden Atmosphäre, die einen freundlich empfangen, nur um einen dann den Horror total in den Magen zu schlagen, die mit meinen Ängsten spielen, die mit dem Unbewussten spielen, den Alltag wie eine Schnapsleiche da liegen lassen und auch mich verzweifelt zurück lassen ohne Lösung und ohne Hilfe. Plötzlich ist die Welt so anders, so gruselig und auch wenn es ein pures Klischee ist, dass jetzt Nebel aufgezogen ist, während ich Picnic at hanging Rock gesehen habe, verstärkt das das Gefühl des Horrors. Denn Horror kann jederzeit überall passieren. Wir wähnen uns in Sicherheit, aber wir sind nicht sicher. Und wenn man sich besagten Film angeschaut hat, weiß man bestimmt was ich meine.

Dort ist es ein schöner, warmer Valentinstag und die Schülerinnen einer Privatschule machen einen Ausflug. Sie sind mit ihren weißen Kleidern die personifizierte Unschuld. Sie sind so schön, rein und glücklich, niemand würde glauben, dass ihnen etwas zustößt. Aber sie verschwinden spurlos und werden bis auf eine nie mehr wieder gefunden. Niemand weiß was passiert ist und warum. Niemand weiß, ob sie noch leben oder tot sind. Man weiß gar nichts und das ist der pure Horror. Bei der Buchvorlage schrieb die Autorin, dass der Leser selber entscheiden sollte, ob das alles Fiktion oder Realität ist. Und selbst wenn es Fiktion wäre, könnte es trotzdem realistisch sein. Man erinnere sich nur an all die ungelösten (Kriminal-) Fälle der Weltgeschichte, an all die verschwundenen Personen, an all die grausigen Ereignisse.
Oder wie Stephen King in einer seiner Geschichten schrieb: Die Wirklichkeit ist ein Rätsel und das Alltagsgewebe ist das Tuch, das wir darüberbreiten, um ihre Helligkeit und Dunkelheit zu kaschieren.
Wenn dieses Tuch beiseite geschoben wird, kommt der Horror raus und der muss nicht unbedingt dunkel wie die Nacht sein, er kann auch hell und klar sein, aber er ist eins auf jeden Fall: ein Rätsel, das unsere Welt zerstört, so klein sie auch sein mag.

Was meint ihr? Seid ihr auch der Meinung, dass Horror etwas unbewusstes, geheimnisvolles, atmosphärisches ist oder muss Horror für euch blutig und schreiend sein?

Kommentare:

  1. Bin vollkommen deiner Meinung. Ich kann ja mit so gut wie keinem der gängigen "Horror"-Filme was anfangen, abgesehen von solchen, die eben auch Psycho-Terror miteinbringen ("Shining" / "Saw"). Daher finde ich es viel interessanter, wenn etwas wie von dir beschrieben eintritt. Das einzige Mal, wo es mir bei einem Film auch etwas unbehaglich zu Mute wurde, war bei "Eyes Wide Shut". Dazu sollte man eben jene Szene sich in Erinnerung rufen: https://www.youtube.com/watch?v=38xqgBy12eM

    Das liegt dort einfach am Zusammenspiel von Kulisse und Musik. Das Piano ist ja sowieso "gruselig" in diesem Film, ich finde, gerade diese Konstellation ermöglicht eine subtile Andeutung von Horror, ganz weg vom klassischen Sinne. Hier nochmal die Musik: https://www.youtube.com/watch?v=hV_qPnsYIaA

    Aber du kennst den Film ja. ^^

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  2. Ja, das war echt eine gruselige Szene. Und "subtil" genau das Wort habe ich während des Schreibens gesucht :D

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