Dienstag, 15. Juli 2014

Scarface - Al Pacino und De Palma verhelfen Tony Montana zum Legendenstatus

©Universal Pictures Germany
Als Fidel Castro den Hafen von Mariel öffnet und die Kubaner in die USA schippern lässt, können die Amerikaner höchstens nur erahnen wie viele Kriminelle diese Tatsache in ihr Land spült. Einer der Ex-Sträflinge ist Tony Montana, ein harter Hund. Kein Mensch der sich mit wenig zufrieden gibt, er will die Welt. Schon nach kurzer Zeit, hat sich Montana auf den Straßen Miamis einen Namen gemacht und ist eine große Nummer im Drogengeschäft der Großstadt. Als rechte Hand des Drogenbarons Frank Lopez verfolgt er unermüdlich seinen Weg an die Spitze. Schnelles Geld, Kokain und Frauen. Das Leben welches sich Montana schon immer erträumt hatte. Doch je größer du wirst, desto größer ist der Fall. Montana muss aufpassen das er nicht zu gierig wird. Denn seine Partner sind gefährliche Verbrecher, die Loyalität auf der Stirn stehen haben und Verrat im Kopf. Ein epochales Meisterwerk nimmt seinen Lauf...

Von vorne weg: SCARFACE ist ein unheimlich prägendes Werk, wie es nur selten in der Filmgeschichte vorkommt. Nicht nur der Einfluss auf den Fortbestand des Gangster-Genres ist erwähnenswert. Nein, auch die Folgen, welche sich in der Hip-Hop-Kultur durch den Streifen ereignet haben, sprechen für SCARFACE und seine Qualität. Denn hinter diesem Projekt steht nicht nur eine fluchende Legende oder ein verbildlichter Traum-Lifestyle. Nein, hinter dem Narbengesicht steht ein Gangsterklassiker welcher facettenreicher nicht sein könnte und mit Highlights um sich schießt als wäre der Film selbst sein Hauptdarsteller – der unglaubliche Tony Montana.

Neben der eigentlichen grandiosen, betörenden und einnehmenden Geschichte liegt eine der Stärken von SCARFACE in der beängstigenden Anzahl an Schreckmomenten, Twists, ´Schockern´ und Actionpassagen. Schon nach 10 Minuten lässt man die geballte Kaltschnäuzigkeit von Montana und dessen rechter Hand Manolo auf das Publikum los. Es gibt viele denkwürdige Momente in dieser Abhandlung der Gangster-Szene in Miami, doch der Beginn und vor allem der Schluss bieten wohl Filmszenen die ohne falsche Bescheidenheit zu den Besten aller Zeiten gehören.
SCARFACE besitzt eine ungeheure Bildgewalt, eine absolute Erbarmungslosigkeit. Aber auch eine wahnsinnige Schnelligkeit ohne zu vergessen in den entscheidenden Momenten die Ruhe zu bewahren, um die Spannung auf die Spitze zu treiben.
SCARFACE ist zudem brutal und nicht zu Kompromissen bereit. Der Zuschauer wird links liegen gelassen, denn Sympathien lässt man im eigentlichen Sinne gar nicht erst aufkommen. Der Gerechtigkeitssinn des Publikums stumpft ab, sorgt man durch die Handlung und die Taten der Protagonisten doch für eine unentschiedene Meinung auf dem Kinosessel.

©Universal Pictures Germany
Brian de Palma der mit seiner Inszenierung eher eine Nominierung für den Acadamy Award als für die Goldene Himbeere verdient gehabt hätte, sorgt durch die Auswahl des Scores und sein eigenes Feingefühl im Spannungsaufbau für einen vielseitigen Gangster-Kracher, der in der heutigen Zeit zu Recht als Meisterwerk anerkannt wird. Mit den schnellen und sonnigen Rhythmen Miamis im Gepäck und seiner ansatzlosen Art einprägsame Ereignisse heraufzubeschwören, Action zu kreieren, gelingt de Palma ein gefährlicher Mix aus Style und Verbrechen, der das Publikum ebenso fasziniert wie mitreißt.
Ein ganz großes Talent des Regisseurs ist es vor allem die Spannung aus dem Nichts zum explodieren zu bringen. Ohne jegliche Vorwarnung oder musikalischer Begleitung kocht die Atmosphäre über, was wir vor allem bei der Übergabe mit Hector als Präzedenzfall bestaunen dürfen.

Ansonsten packt SCARFACE auch noch eine schauspielerisches Denkmal oben drauf, denn Al Pacino zeigte schon zu diesem Zeitpunkt warum er das Zeug zu der Schauspieler-Legende hat, die er heute zweifelsohne ist. Mit seiner ebenso paranoiden wie exzessiven Figur im Rücken, kann er ein Schauspiel aufziehen, welches an Hingabe und Extase schwer zu überbieten sein dürfte. Mit dem nötigen Fokus, ein bisschen Wahnsinn und der entsprechenden Zielstrebigkeit etabliert sich Al Pacino an der Spitze dieses Projektes und avanciert zum absoluten Highlight.

Unterm Strich ist SCARFACE ein Meisterwerk wie es im Bilderbuch steht. Mit einer enormen Anzahl an Highlights gespickt, einem grandiosen Cast, tollen Figuren und einfach allen anderen Aspekten versehen, die das Filmherz begehrt.

SCARFACE mischt das Gangster-Genre neu auf und prägt es auf eine Art und Weise wie es wenige Streifen dieser Gattung bislang geschafft haben. Ein goldenes Werk in der ewigen Chronik der Filme. Bravo!


Bewertung: 10/10



©Universal Pictures Germany 
©Genre:  Gangsterfilm, Thriller
Originaltitel: Scarface
Regisseur: Brian De Palma
Darsteller: Al Pacino, Steven Bauer, Elvira Hancock, Robert Loggia, Paul Shenar
Erscheinungsjahr: 1983
Produktionsland: USA
Laufzeit: 170 Minuten  
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 18

Keine Kommentare:

Kommentar posten