Mittwoch, 18. Juni 2014

Hooligans - Road 2 Brazil #6

©Ascot Elite Home Entertainment
"Wir haben uns vorgenommen im Leben zu nichts zu kommen.Was uns auch Gott sei dank bisher gelang. Trinkfest und arbeitscheu sind wir United treu. So Leben wir daher. So Leben wir. UNITED! UNITED!"

London, Mittelpunkt des Fußballs. Ganz Großbritannien ist in sogenannte Firmen aufgeteilt. Organisationen, die ihrem Fußballverein mit Stimme, Faust und Schmerzen zur Seite stehen. Sogenannte Hooligans regieren die Straßen vor den Toren der Fußballtempel. Der amerikanische Journalismus Student Matt Buckner rutscht über seine Schwester in die Szene hinein. Sein Schwager ist der ehemalige Major der GSE – der Green Street Elite. Dessen Bruder Pete Dunham ist der aktuelle Anführer der Firma und zieht Matt mit in einen Sog voller Gewalt, Blut und Fußballrausch. Willkommen in West Ham!

Die Fankultur ist seit Anbeginn der Fußballzeit einer der wichtigsten Bestandteile der Sportart an sich. Woche für Woche strömen Millionen von Menschen in die Stadien um ihre Mannschaft nach vorne zu peitschen. Es gibt jedoch auch eine Minderheit, welche in der Öffentlichkeit oft verschrieen wird – sie nennen sich Hooligans.

Mit HOOLIGANS gibt uns Regisseurin Lexi Alexander einen Einblick in ein Millieu welches von Absurdität und Pathos nur so strotzt. Eine Bewegung welche sich durch blindes Vertrauen, bedingungsloser Loyalität und identischem Starrsinn eine Welt erbaut, welche so fern vom obligatorischen Alltag abschweift, das diese schon wieder einer Traumwelt gleicht. Das Leben für eine Firma, für eine Gruppierung die zusammen steht und fällt. Die schlägt und geschlagen wird, ein Leben für ein Team. Was für viele Menschen wohl fern von jeglicher Realität liegen mag, ist seit Jahren Gang und Gebe und wird in unterschiedlicher Härte vollzogen. Doch wo liegen die Grenzen für die Mitglieder dieser Vereinigungen? Werden sie zu Recht verurteilt?
HOOLIGANS schaut uns die ehrenwerte Seiten der gleichnamigen Szene auf, wird doch die Gewalt, die Wut und der Zorn nur auf den entsprechenden Gegner projiziert, auf Gleichgesinnte, auf dieselben Verrückten. Doch in diesem Kampfrausch verlaufen die Grenzen scheinbar fließend, werden diese doch im Sekundentakt überschritten oder gar Außenstehende in die verschobene Welt mit hineingezogen. Jeder Mensch hat einen Hang zum Extremen, doch manchmal muss die Freiheit eines Menschen eben da enden wo die Freiheit eines Anderen beginnt.

Lexi Alexander begibt sich also auf eine Reise in die gepflasterten Gassen Londons. In ein Gebiet in dem der Rauch der Fabrikschornsteine die britischen Arbeiter in den Feierabend entlässt, indem nichts anderes wartet als die Familie und der Fußball. In diesen Vierteln richten sich die Menschen am Sport auf, er diktiert den Alltag und die Freizeit, er ist allgegenwärtig. Viele Menschen erkennen den Ernst des Lebens nicht bei Zeiten und müssen die harte Schule durchlaufen um zu dem zu werden was sie letztlich dann sein werden. Getragen von einer Firma, von Menschen mit denen sie sich identifizieren, von denen sie sich verstanden fühlen. Fragwürdig ja, aber nicht zu verurteilen, zumal HOOLIGANS sehr wohl die Schattenseiten anschneidet und sie zu beleuchten weiß. Wie sehr die Abhängigkeit von der Szene vorhanden ist, wie tief das Loch ist in das die Mitglieder fallen können.
©Ascot Elite Home Entertainment
Auch wenn der Aspekt des Filmes, welcher besagt, das diese Lebensphase ein Schritt zur Männlichkeit darstellt, sicherlich naiv ist, fällt es schwer dem Projekt deshalb etwas ankreiden zu wollen, geht es doch um eine Lebensweise die naiver nicht sein könnte.
Mit ordentlich Tempo, einer gehörigen Schippe blutiger Action und einer vollen Packung Atmosphäre wird HOOLIGANS sicherlich nicht nur bei Teenager Anklang finden, sondern auch bei dem restlichen Publikum dank seiner realistischen Blickweise und der keinesfalls verherrlichenden Grundeinstellung seine Anhänger finden.

Mit Elijah Wood und Charlie Hunman an der Spitze finden sich zwei ebenso dynamisch wie fähige Hauptdarsteller, die den Film auch in dieser Hinsicht ein passendes Gesicht verleihen können und den darstellerischen Bereich absolut zu tragen wissen. Auch wenn die Charakterzeichnung nur bei Elijah Wood von Bedeutung ist, wirkt auch dieser Aspekt in sich Rund.


Unterm Strich gibt uns HOOLIGANS Einblick in eine Szene, die sicherlich nicht zu verherrlichen oder zu loben ist, aber doch an der ein oder anderen Ecke missverstanden wird. Eine dramatische Geschichte, die nah an der Realität ist und doch so dramatisch gar nicht zu sein scheint. Scheinbar. 


Bewertung: 07/10



©Ascot Elite Home Entertainment
Genre: Sportfilm, Drama
Originaltitel: Green Street 
Regisseur: Lexi Alexander
Darsteller: Elijah Wood, Charlie Hunman, Claire Forlani, Marc Warren, Leo Gregory
Erscheinungsjahr: 2005
Produktionsland: UK, USA
Laufzeit: 109 Minuten  
Originalsprache: Englisch 
Altersfreigabe: FSK 12

Kommentare:

  1. Für mich neben Football Factory (über den ich gerade eine Kritik geschrieben habe) der beste Hooliganfilm. Leider kann der zweite und dritte Teil nicht mithalten.

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    1. Teil 2+3 werde ich mir gar nicht erst anschauen. Bei Football Factory kann ich dir leider nicht zustimmen, hat mich überhaupt nicht überzeugen können, aber gibt ja trotzdem einige positive Stimmen zu dem Streifen.

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