Samstag, 5. Oktober 2013

Audreys Gedanken zu... Animationen und Zeichentrick als Stilmittel




Gezeichnete und animierte Filme stehen doch vor allem für eins: Unsere Kindheit. Und mit der verbinden wir Spaß, Süße, Naivität und Kindlichkeit. Damals war fast alles, was wir sahen, in irgendeiner Weise animiert oder gezeichnet und so ist es auch heute noch. Sehen wir solche Bilder denken wir es würde etwas Positives und Leichtes kommen.
Umso mehr sind wir schockiert, wenn uns diese Bilder mit Blut, Sex und Schmutzigkeit überrollen. Die Assoziation wird zerstört und wir entdecken, dass wir ziemlich manipuliert worden sind.
Die Liste solcher brutaler Filme ist zwar nicht so lang wie die der kindlichen, weist dafür aber eine bemerkenswerte Qualität auf: Chihiros Reise ins Zauberland, Walz with Bashir, Perfect Blue, Coraline...
Vor allem bei japanischen Filmen scheint die Kombination von kindlichen Bildern mit Brutalität beliebt zu sein, was auch daran liegt, dass es dort Animes sind, die auch in der Buchform alles andere als immer brav sind.

Doch was macht diese Kombination so besonders? Warum fasziniert sie mich so? Und vor allem warum schockt die dortige Gewalt entweder nicht so sehr oder viel mehr als in normalen Filmen?

Bei meinen Überlegungen zu diesen drei Fragen fiel mir als allererstes auf, dass es Filme

gibt, die durch ihre Zeichnungen und Animationen die Gewalt verfremden und welche, die sie durch das Stilmittel erst besonders herausheben.

Der erst vor Kurzem gesehene Perfect Blue gehört zur ersten Kategorie. Obwohl die hier dargestellte Gewalt im realen Film locker eine Diskussion entfachen würde, schockierte es mich nur wegen dem Stilbruch und sonst nicht wirklich. Das Blut wirkte nur wie eine simple Farbe. Die Leichen wie sehr gute Zeichnungen.

Bei Coraline hingegen ist die Gewalt nicht sichtbar, sondern entspringt eher der Psyche. Hier wird niemand brutal umgebracht, viel mehr spielt der Film und die Animationen mit den Ängsten und Wünschen der Zuschauer und lässt durch den Stil alles sehr viel grausamer erscheinen, weil sozusagen eine süße Welt bis ins Tiefste erschüttert wird.
Also könnte man sagen, dass die Aufnahme der Gewalt, also ob sie verfremdet oder hervorgehoben wird, hänge mit dem Zeichenstil bzw. Animationsstil und dem Thema zusammen. Diese Feststellung beantwortet mir die Faszinationsfrage direkt zur Hälfte mit.
Es ist einfach interessant zu sehen, wie sehr der Stil der Bilder unsere Erwartungen prägt. Gerade bei diesem Stil, der schon seit der Kindheit mit bestimmten Dingen verknüpft wird, lässt sich das gut erkennen. Egal, ob wir es wollen oder nicht, wir denken trotzdem es käme etwas Harmloses und Süßes. Dann wird uns aber klar, dass mit unseren Erwartungen ganz direkt gebrochen wird. Dieses positive Brechen mit den Erwartungen, der komplette Konventionsbruch, erweitert mit jedem gesehen Film dieser Sorte unsere Sichtweise auf den Film, die Welt und auf uns. Und das ist eigentlich das Positivste, was ein Film hervorbringen kann. Denn was bringen uns all die Filme, wenn sie nichts in uns verändern? Der Film ist da genauso gleichberechtigt wie das Buch, das Gemälde, der Tanz oder andere Kunstformen: Er verändert. Und Veränderung ist immer positiv meiner Meinung nach.

Im Fazit gesagt, ist es interessant zu sehen, was man selber von den Filmen erwartet, wie diese Erwartung gebrochen wird und vor allem wie man darauf reagiert. So lernt man nicht nur was über die manipulierenden Eigenschaften der Bilder, sondern auch über sich selbst.


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