Samstag, 21. September 2013

Audreys Gedanken zu... Schweigeminuten



Stille.

Eine Minute kann verdammt lang sein, das lehren uns Bande à part, Vargtimmen und bestimmt noch ein paar andere Filme, die ich noch nicht kenne.
Müsste ich mich für eine wirklich immer geltende Möglichkeit entscheiden, einen Film zu intensivieren, würde ich mich für die Schweigeminute entscheiden. 
Plötzlich wird man aus den Geräuschen rausgerissen und wagt sich nicht mehr zu bewegen. Die Sekunden verstreichen schmerzhaft und obwohl ich mich bei solchen Szenen eingeengt fühle, spüre ich auch eine gewisse Freiheit in der Luft. In solchen Momenten kann einfach alles passieren. Still sitzen die Protagonisten da und still sitze auch ich da, alles was ich noch höre ist ein Piepsen. Ich weiß nicht was es für ein Piepsen ist und ob ihr das kennt, aber wenn ich ganz ruhig bin, kristallisiert sich aus der anfänglichen Stille plötzlich ein alles durchdringendes Piepsen heraus.
Diese Schweigeminuten sind wohltuend, selten, aber auch gruselig. Denn irgendwie sind wir andauernd von Geräuschen umgeben. Morgens das Radio, dann der Verkehr, Schreie und Gerede von Menschen, ohne Unterbrechungen auf uns einstürzende Reize, sogar unsere Träume sind fast immer von Geräuschen begleitet und Filme lassen uns erst Recht nicht in Ruhe. 
Doch plötzlich ist der Ton abgedreht, die Zeit wird intensiviert und gestreckt, alle trivialen Gedanken verschwinden und es entsteht eine angenehme Leere im Kopf, die anfangs noch etwas ungeduldig rum hüpft, nach und nach aber total verstummt.
Und dann geht der Ton nach einer halben Ewigkeit - dabei war es nur eine simple Minute - wieder an und ich fühle mich so, als ob ich aus tiefem Wasser auftauchen würde und im Himmel ein Feuerwerk stattfindet. Diese Schweigeminuten wirken so surrealistisch, dabei ist es nur das, was ist, wenn alles andere nicht mehr da ist.

Aber nicht nur in Filmen ist diese absolute Stille intensiver als alles andere, auch im wahren Leben gibt es solche Momente.
Ich erinnere mich da an die Zeit, in der ich morgens noch keine Musik hörte. Ich stand an einer gut befahrenen Kreuzung und hörte das Vorbeirauschen der Autos schon fast gar nicht mehr, so normal war es. Ganz selten kam es dann vor, dass plötzlich eine Lücke im Verkehr war und für eine halbe Minute absolut kein Autogeräusch mehr zu hören war. Ich begriff auf eine sonderliche Weise die Gegenwart und für einen kurzen Moment erschien mir alles wie verzaubert.
Ein anderes Beispiel wäre auch noch eine reale Schweigeminute in der Schule vor ein paar Jahren. Ich hatte damit gerechnet, dass zumindest noch ein paar freche Schüler auf dem Pausenhof ein Geräusch machen würde, wie ein Räuspern beispielsweise. Doch wirklich die ganze Schule verstummte und auch wenn ich sonst niemand bin der trauern kann, drängte in dieser Minute sämtliche Traurigkeit, die ich je im Leben empfunden hatte, noch mal hoch und erstickte mich fast.

Vielleicht ist diese vollkommene Stille wirklich etwas Surreales, etwas Besonderes. Wenn man mal drauf achtet, wird man merken, dass Stille in dieser lauten Welt ein wahrer Luxus ist - sogar in den Filmen. Ja Luxus, wir sollten diese Momente geniessen und versuchen sie uns öfters zu gönnen. In der Badewanne untertauchen oder nachts in einen stillen Raum schleichen und sich andächtig hinsetzen.
Oder einfach ganz oft Bande à part oder Vargtimmen anschauen und die dortige Stille genießen. 

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