Samstag, 17. August 2013

96 Hours auf französisch - SLEEPLESS NIGHT

(2011) / BE; FR; LU / OT: Nuit Blanche / Laufzeit: ca. 98 Minuten / FSK: 16 / Action, Thriller
von Frédéric Jardin - mit Tomer Sisley, Joey Starr
In Frankreich kann man nicht nur gute Thriller drehen (96 HOURS), aus dem Land kommen auch gute! Frédéric Jardin schnappt sich den LARGO WINCH-Star Tomer Sisley und inszeniert einen Hochgeschwindigkeitstrip in der ansehnlichen Art, die man sonst nur aus Hollywood kennt. Dabei bemüht man sich im Gegensatz zu genannter Filmschaffenswelt aber auch darum, dem Protagonisten einen einzigartigen, fragwürdigen Charakter zu verpassen. 

Vincent, dargestellt von Sisley (= Liam Neeson auf französisch) ist ein hochrangiger Cop und führt ein gefährliches Doppelleben. Mit einem Kollegen zwackt er gerne mal gewisse Mengen Drogen von Verbrechern ab, um sie dann selber zu verkaufen. Eines Tages geht die Rechnung aber nicht ganz auf und die  bestohlenen Dealer wollen mit der Entführung seines Sohnes  das Dope zurückkriegen. 

SLEEPLESS NIGHT ist ein düsteres, aber auch buntes Spektakel des Genres. Das liegt an der Kulissenwahl, 90 % der Szenen spielen sich in einem überfülltem Nachtclub ab. Eben wegen dieser Kombination fühlt man sich selber leicht verloren. Während Vincent sich durch die fröhlichen Menschenmengen schlägt und in tiefster Bestürzung nur noch seinen Sohn wieder haben möchte, ergibt das ein ziemlich abstraktes Bild und so länger das geht, umso stärker der Strudel aus Täuschungen, Verrat, Gier, Betrug und Lichtern wird, umso angespannter wird man synchron mit Vincent. 

Obwohl SLEEPLESS NIGHT teilweise etwas ermüdend wirkt, kann man nicht sagen, dass hier tempoarm gearbeitet wird. Prinzipiell geht man die gesamte Laufzeit auf eine Geschwindigkeit, die schon nicht mehr gesund ist - deswegen auch recht auslaugend. Doch trotz dieser immensen Anspannung, des freigelegten Adrenalins, verliert man nie den Boden unter den Füßen und kann jederzeit eine klare Verbindung zur Story und Protagonist behalten. Inmitten dieses Actioncocktails trifft man auf Vincent - "Action is Character", sagte  F. Scott Fitzgerald mal und genau deswegen ist er eine grenzgeniale Persönlichkeit. 

Teilweise wirkt Jardin's Werk trotz Innovationen und ästhetisch hohem Niveau etwas gebunden, man möchte sich nicht vollkommen entfalten und somit entstand auch kein Außnahmestreifen. Leider. Denn was hier zum Ende gezeigt wird, und wenn man sich überlegt wie dass im ganzen Film gewirkt hätte, ist phänomenal und ein geglücktes Wagnis. Genau so etwas muss man sich heutzutage ausdenken, der Abgang ist ein selten gesehener und reisst emotional verdammt tief in den Abgrund.

7.0/10


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