Sonntag, 1. Juni 2014

Taxi Driver - Robert De Niro furios im Klassiker

© Sony Pictures Home Entertainment
Loneliness has followed me my whole life. Everywhere. In bars, in cars, sidewalks, stores, everywhere. There's no escape. I'm God's lonely man...“

Wenn Travis Bickle durch die Straßen New Yorks fährt ist es schon dunkel. Das Rotlicht floriert, die Werbetafeln preisen Sex, Laster und Untugenden in grellem Blinklicht an. Travis sieht das jede Nacht. Das Blut auf dem qualmenden Bordsteinen der sozialen Brennpunkte, das explosive Resultat berauschender Drogen. Kinder, die ihren Körper verkaufen noch ehe sie gebärfähig sind. Travis sieht das alles, Nacht für Nacht. Er ist schlaflos, wachgehalten von einem Kriegstrauma, führt er ein Leben zwischen Taxifahrten und Popcorn in schäbigen Pornokinos. Ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach etwas Reinem, nach etwas das der Smog des Großen Apfels noch nicht erreicht hat, nach etwas dem er helfen kann, nach etwas das ihm helfen kann. In der Wahlkampfhelferin Betsy scheint er genau diese Person gefunden zu haben. Doch als die minderjährige Prostituierte Iris in sein Taxi steigt um aus den Fängen ihres Zuhälters zu fliehen, manifestiert sich der Entschluss in Travis ein Exempel zu statuieren. Die Stadt muss gesäubert werden...

TAXI DRIVER zählt zweifelsohne zu den ganz großen Klassikern der Filmgeschichte, zu den genialsten Momenten Martin Scorseses, zu den intensivsten Verfilmungen aller Zeiten. Mit TAXI DRIVER gelingt dem Duo Scorsese und DeNiro für manche Zuschauer ihr persönlicher Ritterschlag, zumindest aber ein Werk welches in seiner Relevanz, seiner filmtechnischen Umsetzung, seiner Charakterzeichnung und seiner Schauspielleistung unbestritten sein und bleiben muss. Zwischen dem minimalen aber dennoch so wirkungsvollen Score des Bernard Herrman, dessen letzte Arbeit für TAXI DRIVER an frühere Glanzmomente erinnert, der Kameraführung Michael Chapmans, welche immer auf der Höhe des Geschehens ist, inszeniert Martin Scorsese eine meisterhafte Milieustudie seiner Geburtsstadt, die nicht nur durch den ruhigen und gewissenhaften Kameraeinsatz besticht, sondern ebenso durch die eindringliche Bebilderung der verkommenen Viertel New Yorks.

Die Erkenntnis das Scorsese ein Gespür für die passende Inszenierung hat, kommt ganz sicher nicht von ungefähr. Auch hier in TAXI DRIVER verzichtet er auf unangebrachte Actionpassagen oder hastige Experimente. Mit einer ruhigen Hand spiegelt die Kamera jeden Blick De Niros in seinen Rückspiegel, keinerlei Wackeln, keinerlei Hektik, Scorsese bleibt sachlich und konzentriert sich auf das Wesentliche, auf seine Aussage, auf sein gigantisches Finale. Die Stadt New York wird in rauen und düsteren Tönen dargestellt. Die Dunkelheit scheint die Großstadt förmlich zu umschlingen. Abgewrackte Pornokinos, Zuhälter die an der Türschwelle die Integrität minderjähriger Mädchen mit Füßen treten und zerstören. Regentropfen, welche die Straßen New Yorks nicht zu säubern scheinen, im Gegenteil, sie lassen den Rauch, den Abfall der Stadt nahezu zu einem Monster mutieren welches den Staatsapparat unaufhaltsam zu durchlöchern scheint. Korruption, Kriminalität, Sex. New York, die Stadt der Sünde. Genau das hält Scorsese brillant in seinen Bildern fest.

© Sony Pictures Home Entertainment

Absolutes Highlight dieses Filmes ist und bleibt jedoch Travis Bickle und damit auch Robert de Niro. Travis ist ein Ex-Miliär, ein Ex-Marine. Er ist schlaflos, dauernd wach. Travis hat keine Angst. Aus diesen Gründen fährt er Nachts nach Harlem, in die Bronx, klappert Brooklyn ab. Ohne Rückhalt und Lebensinhalt, ohne Familie, fährt er jede Nacht dieselben Straßen ab, sieht jede Nacht dasselbe Gesindel auf dem Asphalt stolzieren. Ein Hass der in ihm aufsteigt, ein Hass auf die sogenannte Menschheit welche an der Ecke einem Junkie ohne mit den Wimpern zu zucken den goldenen Schuss verkauft, Hass auf die Gesellschaft die problemlos wegschauen kann, Hass auf eine Regierung die für Watergate und Vietnam verantwortlich ist, Hass auf sich selbst. Ein Mann dessen Job zu seiner Identität wird, trotz all der Verachtung die er dem Gesocks entgegenbringt ist Travis Teil seines Hasses, Teil seiner eigenen Verachtung. Ein Paradoxum, welches beispielsweise die Symbolik des Pornokinos aufklärt. Er ist Teil des Abschaums das sich die Nächte um die Ohren schlägt und die Kinosessel mit Sperma verunreinigt. Eine Erkenntnis die er erst mit der Figur der Betsy erlangen kann. Eine Frau in der er sich zunächst selbst wiedergefunden hat, eine pure Einbildung. Es resultiert ein Selbsthass, ein Selbstzerstörungstrieb, ein Plan, eine Vorbereitung, eine Durchführung.

TAXI DRIVER ist die Abrechnung Scorseses mit einem Milieu, in dem Mord, Tod und Gewalt zum Tagesgeschäft gehört, in dem all diese Dinge Gewohnheit geworden sind. TAXI DRIVER ist eine Abrechnung mit dem New York der 70- er Jahre, eine krasse Abrechnung, eine derbe und kompromisslose Zurschaustellung der Unsitten und Absurdität einer Metropole. Mit einem explosiven und vernichtenden Finale hinterlässt Scorsese einen Krater in der Gesellschaft der für immer bleiben wird. Ein gottgleicher Robert de Niro, dessen Darstellung zu den größten der Filmgeschichte gehört, kreiert hier denkwürdige Sequenzen am Fließband. TAXI DRIVER baut seine Spannung über die gesamte Laufzeit so unerträglich auf, dass das Finale eine so extreme Nachwirkung hat, das dem Zuschauer die Beine zittern. Geniales Kino, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt!


All the animals come out at night - whores, skunk pussies, buggers, queens, fairies, dopers, junkies, sick, venal. Someday a real rain will come and wash all this scum off the streets.“


Bewertung: 09/10



© Sony Pictures Home Entertainment
Genre: Drama
Originaltitel: Taxi Driver
Regisseur: Martin Scorsese
Darsteller: Robert De Niro, Jodie Foster, Albert Brooks, Harvey Keitel, Cybill Sheperd
Erscheinungsjahr: 1976
Produktionsland: US
Laufzeit: 114 Minuten  
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16

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