Samstag, 11. Januar 2014

Audreys Gedanken zu... dem süßen Nichts

 
 
Zwei Menschen laufen durch die Straßen ohne Ziel und ohne Sinn. Der Zuschauer sieht die interessante und schöne Umgebung, nachts und tagsüber. Es entsteht eine eigenartige Poesie, alleine dadurch bedingt, dass... nichts passiert. Eigentlich müsste man sich langweilen, aber das Gegenteil ist eher der Fall: man starrt gebannt auf den Bildschirm, saugt alle Eindrücke und so viele Details wie möglich auf und erfreut sich am Leben, an der Welt. Und dabei passiert nichts - zumindest nicht mehr, als das Alltägliche.
Und doch gibt es diese Art von Filmen nicht selten. Jarmusch ist da eins der besten Beispiele. Seine Filme zeigen Menschen (oder auch manchmal Vampire) die nicht durchschnittlich sind, aber auch nicht so sonderbar, dass man sich nicht mit ihnen im Kern identifizieren können. Sie laufen in der Welt herum wie kleine Fremdkörper, ein wenig losgelöst und verwirrt und der Grund, warum der Zuschauer nicht weiß, wohin sie wollen, ist, dass sie es selber nicht wissen.
Auch andere Filme zelebrieren dieses Nichts wie zum Beispiel Lost in Translation. Auch hier sind es wieder zwei verwirrt verirrte Menschen, die zusammen die Stadt, das Leben und das besondere Nichts erkunden. Eine bedeutungsvolle Botschaft sucht man und findet man meiner Interpretation nach nicht.
Was ist also der Sinn dieser Filme? Wie schaffen sie es trotz allem mir zu gefallen?
In der Regel erwartet man von Filmen, dass sie eine Botschaft enthalten, unterhalten und in andere Welten entführen oft mittels einer guten Story. Kaum etwas von diesen Erwartungen scheint in obigen Filmen vorhanden und das ist zumindest ein Grund, warum diese Filme schwierig und nicht für jederman geeignet sind.
Bei meinen Überlegungen fällt mir auf, dass ich bei solchen Filmen oft darüber nachdenke, wie interessant es wäre, selber so etwas zu erleben. Selber in schäbigen Hotels sich gegenseitig mit Lippenstift anzumalen, selber bei verrückten Partys Karaoke zu singen und danach gelangweilt aneinander zu lehnen. Die Filme zeigen das Leben, nur ein bisschen abgedrehter als das alltägliche und eigene. Und deshalb ist es zumindest in meinem Fall so, dass ich mich gerne in diese Welten hinein versetze, zusammen mit den Protagonisten durch Straßen schlendere und so vielleicht eine ganz simple Botschaft entdecke: Lebe etwas mehr!
Dieses Mehr soll aber nicht bedeuten, dass man sich die Nachmittage mit einem neuen Hobby vollstopfen soll, sondern dass man gerade etwas weniger von all dem gesellschaftlichen Zeug machen soll, damit man die Möglichkeit hat etwas mehr zu leben, sich etwas mehr zu entfalten, sich etwas vom grauen Alltag abzuheben.
Es ist doch eine große Freiheit, einfach gedankenlos ohne irgendwelche Zeitbeschränkungen durch die Straßen zu gehen, zu fahren, zu schlendern, sich von den Lichtern begeistern zu lassen und einfach das zu tun was einem gerade gefällt. Es ist ein süßes Nichtstun, das natürlich nicht zum Alltag werden sollte, sondern einfach von Zeit zu Zeit genossen werden sollte. Denn Sorgen kann man auch noch morgen haben und das Leben ist noch lang.
 
 
 
 


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