Samstag, 7. Dezember 2013

Audreys Gedanken zu... Katzen

von links nach rechts: Jonesy, Ulysses, Cat

Das schöne an Nebenfiguren ist, dass sie oft gar nicht so nebensächlich sind, wie sie es scheinen zu sein. Und dass es auch Tiere und Gegenstände sein können, wie in diesen Fällen eine Katze.
Man könnte eigentlich denken, dass in den oben gezeigten Filmen (Alien, Inside Llewyn Davis, Breakfast at Tiffany´s) die Katzen nur ein Knuddelfaktor sind, wenn alle drei nicht eine Symbolik einnehmen würden, ohne die diese Filme nicht dasselbe wären. Heute will ich mich mit diesen drei Symboliken beschäftigen, die Katzen eingenommen haben. Es gibt zwar noch andere Filme mit Katzen, aber diese  drei waren  bisher die prägnantesten für mich.

Zuallererst aber ein kleiner Abstecher in das Buch der Tiercharakteristik. Ja auch gegen Tiere kann man Vorurteile haben, aber wie in jedem Fall bestätigen die Ausnahmen die Regeln, womit auch schon der erste Punkt festgehalten worden wäre: Katzen sind individuelle Wesen, zwar nicht so sehr wie Menschen, aber auch weit entfernt von einem Regenwurm. Sie sind selbständig und je nach Erziehung und Lebensverhältnissen scheu oder anhänglich. Sie schnurren, sind geheimnisvoll und des Nachts schwarz. Schwarze Katzen bringen Pech, aber zum Glück sind alle unsere Beispiele hellbraun gestreift. Manchmal hat man auch das Gefühl, Katzen wären schlauer als ein Mensch, was manch einen vielleicht ängstigt.

Das erste Beispiel für die Katzensymbolik ist Jonesy, die Katze aus Alien. Ein wenig unlogisch erscheint es schon, dass eine Katze mit hoch genommen wird in die Weiten des Weltalls, aber während dem Film wird sie eine wichtige Rolle einnehmen. Sie wird der stumme Beobachter, die verkörperte Hoffnung, die einzige Erinnerung an die Erde. Sie erinnert den Zuschauer durch ihre unsinnig erscheinende Präsenz immer wieder daran, dass die Crew weit weg von der Erde ist und ihre Präsenz wird immer stärker, je aussichtsloser die Lage ist. Zwar führt sie auch dazu, dass manche Protagonisten ins Unglück gestürzt werden, aber das zeigt nur ihre Wichtigkeit als Handlungsvorantreiber. Sie ist die Retterin der Hoffnung und der Menschlichkeit.

In Inside Llewyn Davis ist die Katze Ulysses quasi das Gegenteil von Llewyn Davis. Während Llewyn nicht mehr nach Hause zurückfindet, findet sie über dem Zuschauer allerdings unbekannte Wege wieder zurück nach Hause. Llewyn ist also die wahre ausgesetzte Katze, die niemand haben will, scheu und doch irgendwie anhänglich, unabhängig und ein Einzelgänger und auch ein wenig geheimnisvoll. Noch interessanter wird die Symbolik dadurch, dass es noch eine zweite Katze gibt, die nicht mehr das Gegenteil von Llewyn ist, sondern ihm sehr ähnelt. Ihr Leben wird vom Zufall gelenkt, denn Llewyn nimmt sie einfach von der Straße weg, weil sie der wirklich gesuchten Katze stark ähnelt. Sie ist genauso unindividuell wie Llewyn selber, der einer unter vielen bärtigen Sänger mit Akkustikgitarre ist. Die Katze will ihr Streunerleben aufgeben, hängt sich an Llewyn dran, will nicht, dass er sie verlässt. Doch unterbewusst erkennt er, dass sie ihm viel zu sehr ähnelt und lässt sie aus Angst zurück. Er will ein Streuner bleiben und er will auch, dass die Katze ein Streuner bleibt. So ist hier die Katze zum einem das Gegenteil und das ähnliche Teil zum Charakter. Sie soll aufzeigen, dass Llewyn einfach mit keinem zurecht kommt, ob der Grund jetzt darin liegt, dass der andere zu unterschiedlich oder zu ähnlich ist. Er will sich nicht in die Schicksale anderer einmischen, egoistisch seinen Weg gehen und so will er die erste Katze zurück nach Hause bringen und die zweite will er zurücklassen.
 
Breakfast at Tiffany´s ist immer wieder ein schönes Beispiel, wenn es um Identifikationsfiguren der Protagonisten geht. Denn die Katze ist hier kein Retter und auch kein Gegenstück zum Charakter. Auf dem weißen Papier ist sie eine unindividuele Hülle. Erst Holly macht sie zu einer wirklichen Figur. Meistens ist es so, dass Nebenfiguren dazu da sind, die Hauptcharaktere mitzuzeichnen. Wie oft kommt es vor, dass die Hauptfigur die Nebenfigur zeichnet? Holly identifiziert sich mit der Katze, überträgt ihre eigenen Eigenschaften und ihr Schicksal auf die Katze: Namenlos, alleine, unabhängig, zu niemanden gehörend, frei. Dieser Vorgang entsteht natürlich auch unbewusst, Holly denkt ja die Katze wäre wirklich so und sie wäre so wie die Katze. So bekommt das Aussetzen der Katze eine ganz besondere Bedeutung. Holly setzt sich selber aus und findet wieder zu sich zurück, reingewaschen durch den Regen, und durch Paul, der der Katze auch nicht ganz unähnlich ist, auch nach Hause und zur wahren Liebe.
 
Zwar ist das alles eine große Interpretationssache, bei der man sich noch nicht mal sicher sein kann, ob die Regisseure auch nur im Entferntesten in diese Richtung gedacht haben. Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass Katzen als Nebenfiguren eine wichtige, symbolische Rolle spielen und nicht nur dem Oh, wie süß - Satz dienen.
 

 

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