Samstag, 19. Oktober 2013

Audreys Gedanken zu... Märchen




Realverfilmungen von Märchen sprießen ja in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Herbstboden und ich fand die Idee eigentlich immer vielversprechend, obwohl ich mich nie dazu aufraffen konnte, für so eine Märchenverfilmung ins Kino zu gehen. Zum Glück, möchte ich fast sagen, denn diese Woche sah ich La belle et la bête, eine Realverfilmung von dem Märchen Die Schöne und das Biest aus dem Jahre 1946, und obwohl der Film gar nicht mal so schlecht war, machte er mir klar, dass Märchen für mich ohne den Nostalgie - und Zeichentrickbonus nicht funktionieren. Zwar machte der Regisseur von Anfang an klar, dass wir uns wie Kinder fühlen sollen und deshalb glauben sollten, was wir sehen, aber trotz dieser freundlichen Einführung gelang es mir nicht, mich in das übliche Märchengefühl zu versetzen, das ich empfinde, wenn ich zum Beispiel die Zeichentrickfassung von Die Schöne und das Biest sehe.
Wenn es nicht an der Geschichte oder an dem unvorbereiteten Aufeinandertreffen liegt, woran dann? Ist es wirklich nur die Nostalgie, die uns Märchenfilme schmackhaft macht?

Ich dachte nach und versuchte das so zu sehen: Auch wenn ich am Anfang die verheißungsvollen Worte Es war einmal... sah, sah ich gegen mein Erwarten keine gezeichneten, fiktiven Figuren, sondern reale Menschen, die ganz und gar unrealistische Dinge taten. Märchen sind unrealistisch und das ist doch ihr Reiz, sagt man da. Und ich unterschreibe das auch voll und ganz. Aber trotzdem schaltet mein Gehirn, wenn es reale Menschen sieht, direkt auch auf die Realität um und wird abgeschreckt von aufgeblasenen, wohlbekannten und deshalb auch hölzern klingenden Dialogen, augenbrauenhochziehenden Kostüme und aufgesetzter Fröhlichkeit, die mir mehr und mehr zuwider würde. Ich bin fast über mich selbst erstaunt, denn all diese Dinge kommen auch in anderen Filmen, es müssen noch nicht mal Märchen sein, und vor allem Theaterstücken vor und bei beiden Arten begeistert es mich mehr oder weniger. Vielleicht lag es wirklich daran, dass ich die Geschichte schon auswendig kannte und mit ihr bestimmte Erwartungen und Erinnerungen verband. Wenn ich an Die Schöne und das Biest denke, denke ich an bunte, riesige Säle, singende Möbel, Frauen und Tieren, ich denke an romantischen Kitsch und dieses sentimentale Gefühl, das einen in die Vergangenheit zurück fliegen und dauergrinsen lässt. Niemals würde ich es mit einem schwarz-weißen, in der Handlung gerafften Film mit irgendwie nervtötenden und unlogisch handelnden Menschen verbinden. So konnte ich doch eigentlich nur enttäuscht werden.
Diesen Verdacht unterstrich dazu die aufkommende Erinnerung an eine Realverfilmung von Schneewittchen, die ziemlich düster und grausam für mich - ich war glaube ich acht oder neun Jahre alt - war. Doch irgendwie hatte mir diese Art Verfilmung sogar besser gefallen als die Disneyversion und ich denke, wenn ich den Film heute noch mal schauen würde, würde ich ihn ebenso toll finden, einfach weil ich etwas mit ihm verbinde.

Sind Märchen nur mit einem riesigen Schuss Nostalgie ertragbar? 
Ich denke schon und werde es wahrscheinlich immer mehr rausfinden, wenn ich in den nächsten Jahr zufällig oder gewollt auf die neueren Realverfilmungen treffen werde.


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