Mittwoch, 14. August 2013

THE FIGHTERS - Ein Abbild der heutigen Jugend


The only time you're happy is when you're hurting people.“

Regisseure haben mehrere Aufgaben wenn sie einen Film drehen. Zum einen sollen sie das Publikum und die Sponsoren zufriedenstellen. Diese Aufgabe definiert der Erfolg, das Einspielergebnis, die Zuschauerzahlen und die Resonanz. Zum anderen stellen Regisseure sich selbst Aufgaben. Sie wollen möglicherweise Dinge aus ihrem Leben, Dinge die sie beschäftigen in Kunst verwandeln. Das Medium Film ist Kunst und wenn eben diese Kunst missbraucht wird um Gefühle wie Wut, Hass und Aggressivität zu verarbeiten und somit auf die Leinwand zu bringen, sollten die Alarmglocken angehen. THE FIGHTERS ist ein Film der genau diese negative Leidenschaft in noch negativerer Art und Weise auf die Leinwand bringt.


Jake Tylor ist ein Junge der sich noch nicht gefunden hat. Sein alkoholabhängiger Vater fuhr sich selbst in den Tod. Sein Bruder ein äußerst begabter Tennisspieler, dem lediglich das Durchsetzungsvermögen fehlt. Seine Mutter eine besorgte und überforderte Frau. Jake versucht vergebens ein normales Leben führen, weit abseits von Gewalt, Kampf und Blut. Provokationen treiben ihn jedoch häufig in den Wahnsinn, sodass er gewalttätig auffällt. Ein Umzug und ein damit verbundener Schulwechsel sind die Folge. Jake scheint sich gut einzuleben, die Leute sind nett, die Lehrer sind gut und dann ist da auch noch Baja, das schönste und beliebteste Mädchen an der Schule. Doch ihr Freund Ryan ist ein Straßenkämpfer und führt Jake unsanft in das dortige Leben ein. Fortan ist Jake auf der Suche nach Rache und sich selbst. Hilfe findet er im ehemaligen Kampfsportler Jean Roqua, der ihn auf den alles entscheidenden Tag vorbereitet.


Schon der Inhalt des Plots zeigt wie klischeehaft der Inhalt des Filmes doch ist. Schweißgebadete , junge, dynamische Körper. Einige schöne Damen, deren Bikinifigur das einzige Ziel im Leben zu sein scheint und obendrauf gibt es noch eine äußerst kläglich und wenig durchstruktuierte Rivalität, die letztlich auch den gesamten Antrieb des Filmes darstellt. Unabhänig davon, dass THE FIGHTERS ab der ersten Sekunde durchschaubar ist, ärgert es umso mehr, dass dieser Streifen vorgibt etwas weit größeres zu sein, als er tatsächlich ist. Hier werden Weisheiten und philosophische Ergüsse en masse von sich gegeben um diese im nächsten Satz postwendend wieder zu entwerten. Der Film ist ein einziger Widerspruch, spiegelt er doch nahezu detailverliebt die heutige Jugend wieder. Wäre dies seine Absicht, würde der Film in vollem Maße punkten können, stattdessen flüchtet er sich in dümmliche und undurchdachte Dialoge, die meist in Trainingssequenzen enden, die den Film scheinbar ausmachen.


Walking away and giving up are not the same thing.“


Der Streifen schreit förmlich in die Welt hinaus, das jegliche Kommunikation mit den Fäusten stattfinden soll. Das tragische Schicksalsschläge Menschen einen Freibrief geben ihre Mitmenschen windelweich zu prügeln. Rechtfertigen will man dies mit fragwürdigen Ausreden, deren Sinn schon in den ersten Satzbauteilen verflogen geht. Es ist Teil der Jugend geworden, seine Muskeln zu stählen, nicht der Klügste gewinnt sondern der Stärkste. THE FIGHTERS zeigt schonungslos wie dieses Prinzip zum Tragen kommt, jedoch nicht um zu warnen oder zu kritisieren, sondern einzig und allein um dieses zu verherrlichen. Er beschränkt sich in der weiten Welt der Gefühle auf negative Emotionen, menschliche Reaktionen werden nahezu außer Acht gelassen, Charaktertiefe- und Glaubwürdigkeit werden ad acta gelegt.
Es gibt gute Kampffilme, es gibt viele gute Prügelfilme und blutige Actionkracher, doch mit diesem falschen Pathos könnte THE FIGHTERS nicht einmal auf der Kirmes einen Blumetopf gewinnen.

Einzig und alleine die gut choreographierten Kampfsequenzen, die die Härte des Filmes ordentlich widerspiegeln und die gelungene Musikauswahl sorgen dafür, dass THE FIGHTERS nicht zu einem Totalausfall avanciert. Ansonsten ist dem Film bis auf die solide Kameraführung nichts positives abzugewinnen. Es ist traurig mit anzusehen wie ein Ausnahmekönner wie Djimon Hounsou sich für solche inhaltsarmen Projekte verkauft. Seine Figur ist blass und flach, sein Können, welches beispielsweise in BLOOD DIAMOND noch eindrucksvoll unter Beweis stellte, kann hier nicht mal im Ansatz hervorblitzen. Zwischen sinnlos umher schwingenden Körperteilen und aufgesetzter Tiefgründigkeit, kann auch ein Schauspieler wie er rein gar nichts mehr wett machen.

Es ist schade das solcher Müll produziert wird, gibt es doch vor allem heutzutage genug Menschen auf dieser Welt, die sich aus den falschen Gründen für diese Art der Filme begeistern. Ohne Nachzudenken, ohne Hinzusehen. Glück für den Regisseur.



It's on you, always has been, always will be.“

Bewertung: 03/10



Genre: Action, Drama
Originaltitel: Never Back Down
Regisseur: Jeff Wadlow
Darsteller: Sean Faris (Jake), Amber Heard (Baja), Cam Gigandet (Ryan), Djimon Hounsou (Jean)
Erscheinungsjahr: 2008
Produktionsland: USA
Laufzeit: 110 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 18

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