Sonntag, 30. September 2012

Die nette Autisten-Darstellung aus "Rain Man" hat in "Ben X" ein Ende gefunden



Wer ist Ben X? Die ersten Minuten stellen ihn mir als einen komischen Zocker vor, so wie man ihn sich nur zu gut vorstellen mag: fettige Haare, ein nicht wirklich gepflegtes Äußeres und auch sonst wirkt er nicht ganz normal. Dabei hat er eine so angenehme Stimme, eine Stimme die nicht jedem geschenkt wird. Das ist die Stimme in seinem und deinem Kopf. Doch nach nur wenigen weiteren Minuten wird klar: Ben ist keiner dieser Menschen. Hätte man den Film nur die ersten Minuten geschaut, würde man Ben für immer mit Vorurteilen abspeisen. So wie es doch immer auf dieser Welt ist, du siehst jemanden und urteilst bereits nach Augenblicken, nach Minuten, ohne wirklich ein Wort mit ihm gewechselt zu haben. So sind wir Menschen.


Ben ist Autist. Ein Mensch mit Asperger-Syndrom, und als ob das nicht schon schlimm genug wäre quält er sich tagtäglich mehr mit seinen Mitmenschen als mit sich selbst, es ist ekelhaft mit anzuschauen wie man mit einem Menschen umgehen kann, ob er nun krank ist oder nicht ist nichtmal das wichtigste. Ben wird mehr erniedrigt als ein Mensch es eigentlich aushalten kann, all seine positiven Eigenschaften werden unterdrückt, so sehr das er sie nur in seinem Online-Spiel präsentieren kann. Doch ist es verrückt sich dorthin zurück zu ziehen? Ich frage: warum? Er will in einer Welt leben in der er sein kann wer er will, was spricht dagegen? Wie sollte er das in der realen Welt schaffen? Er versucht es doch sogar! "Ben X" ist ein Film der hoffnungslosen Gefühle, man fühlt sich Seite an Seite mit Ben durchgehend scheiße, sieht das kein besseres Leben in Sichtweise steht. Doch Überraschungen gibt es ab und zu immer wieder. Gute und schlechte Überraschungen. "Ben X" zeigt ein wahrhaftig unvergessliches Ende das den ganz klaren Gänsehautmoment im Film markiert.

"Übersicht. Darum geht es. Übersehen. Du musst versuchen, zu sehen. Und zusehen, dass sie dich nicht sehen."

Als Drama funktioniert der Film, man wird mitgerissen und leidet mit Ben, doch was mir persönlich gegen den Strich ging war die heftige Übertreibung. Ben und seine Mitschüler, ich denke das ist eine absolute Außnahme. Kaum ein Autist ist so, kaum ein Mitschüler kann so grausam sein. Ich weiss das es genug Arschlöcher auf dieser Welt gibt, aber so heftig kann es doch wirklich nicht öfters vorkommen. Hoffe ich. 

6.0/10

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