Montag, 12. Mai 2014

Melinda und Melinda - Woody Allen - Retrospektive #8

© Twentieth Century Fox

"Why do things that start off so promisingly always have a way of ending up in the dump?“

Vier Autoren, ein Grundszenario. Einer der Vieren auf Tragödien spezialisiert, ein anderer auf Komödien. Fortan bilden die Beiden zwei Geschichten. Eine Tragödie, eine Komödie. Ist die Welt nun eher tragisch oder lustig? Ist Melinda eine gescheiterte Existenz oder eine leidenschaftliche Sexpartnerin? Ist die Ehefrau eine Regisseurin oder ist ist sie Lehrerin? Ist der Ehemann ein unsympathischer oder sympathischer arbeitsloser Schauspieler? Geht die Geschichte gut aus, geht sie schlecht aus? Alles Fragen die sich dieser Film stellt. Doch auf seinem Weg diese Fragen zu beantworten muss wohl jeder feststellen, dass die Grenzend fließend verlaufen oder in manchen Fällen überhaupt nicht vorhanden sind.

MELINDA UND MELINDA ist ein interessantes Filmprojekt, wenngleich nicht innovativ genug um es als Experiment zu betiteln aber durchaus ein neuerliches Resultat Allen´s genialen Freigeistes, seiner blühenden Fantasie, seiner filmischen Authentizität. Eine Vorlage wird in zwei verschiedenen Fassungen gezeigt. Abwechselnd, Schritt für Schritt.
Woody Allen´s Steckenpferd, die romantische Komödie. Die Dramaturgie gepaart mit dem amüsanten Wortwitz, der Situationskomik. In MELINDA MELINDA spaltet er dieses Gesamtprodukt, welches ihn zu dem gemacht hat was er heute ist, in seine Einzelteile und lässt jede Zutat für sich spielen. Insofern ist es absolut schwachsinnig zu behaupten das die tragische Version der Geschichte ein Witz wäre, und der komödiantische Teil nicht komisch wäre. Erst einmal spiegelt dieses Faktum exakt die Absicht Allen´s wieder. Aufzeigen wie gering die Unterschiede doch sind, wie gleich sich Licht-und Schatten bei genauerem hinsehen eigentlich sind. Aber letztlich ist es nur logisch, dass die Inszenierung nicht auf höchstem Niveau sein kann wenn im einen Handlungsstrang, alles auf düster und hoffnungslos getrimmt werden soll und im anderen Handlungsstrang die Welt eine rosarote Brille aufhaben soll. Hier muss der Zuschauer auf Allen´s Nachricht achten. Auf die geniale Art und Weise wie er Protagonisten in beiden Geschichten in dieselben Situationen bringt, wie er veranschaulicht wie nah Glück und Unglück beieinander sind. Zeitversetzt treten dieselben Probleme auf. Zeitversetzt werden dieselben Taten begangen. Zeitversetzt erhält der Mensch dieselben Erkenntnisse. Alles eine Frage der Zeit, nicht der Ansicht.

© Twentieth Century Fox

Allen inszeniert seine Grundidee, seine Kernaussage zwar recht clever und geschickt. Verpasst es jedoch dem Anfang die nötige Würze zu verleihen. Bis die simplen Geschichten das Interesse des Zuschauers Geweckt haben ist eine gewisse Zeit vergangen. Die Komödie braucht noch ein Stück weit länger als die Tragödie und kann auch über die gesamte Laufzeit nicht so punkten wie es die tragische Form des ´Melinda-Plots´ zu schaffen vermag. Sie dient vor allem als Vergleichselement mit einem gut aufgelegten Will Ferrell und hat womöglich das Problem, dass die Geschichte in Grundzügen das wiedergibt was uns die vorige Geschichte immer wieder präsentiert. Die Settings wiederholen sich, die Figuren bleiben im Endeffekt dieselben mit verschiedenen Charaktereigenschaften auch wenn diese keinerlei Auswirkung auf die Geschichte an sich haben. Wieder ein Beweis, dass Tragödie und Komödie sehr nah beieinander liegen.
In weiteren Rollen finden sich Radha Mitchell, welche die Melinda verkörpert und somit natürlich unter Beweis stellen kann, dass sie eine wandlungsfähige Schauspielerin ist. Dies hat sie getan, zu mehr hat es allerdings nicht gereicht. Ebenfalls an Bord befindet sich Chiwetel Ejiofor, der zwar erst recht spät seinen Auftritt bekommt, aber ab diesem ungemein präsent ist und seinen Schauspielkollegen und vor allem seinen Schauspielkolleginnen die Show stiehlt.

Woody Allen schafft es auch in MELINDA UND MELINDA eine deutliche Botschaft zu hinterlassen. Das Schicksal und dessen Schläge warten hinter jeder Ecke auf den Menschen. Egal ob in Gestalt von Freunden, Feinden oder Geliebten. Es wartet. Es ist gänzlich egal unter welchen Umständen, in welcher Lebenslage, es schlägt zu.
Auf die Frage die sich der Film stellt: ´Was bestimmt unser Leben entscheidender – die Tragödie oder die Komödie?´ gibt es selbstverständlich keine allgemein gültige Antwort. Wie so vieles auf dieser Welt ist diese Antwort subjektiver Natur und ob man eben jenen Schicksalsschlägen so oder so entgegnet, bleibt jedem selbst überlassen. Der Effekt ist derselbe. Die Bewältigung des Alltags kann man auf verschiedene Arten vollziehen. Melancholisch, fröhlich, jeder muss das für sich selbst entscheiden. Doch egal für welche Weise sich der Mensch entscheidet. Vor Gefühlen wird er nie sicher sein.



Well, for anybody with any imagination. You know, life is manageable enough if you keep your hopes modest. The minute you allow yourself sweet dreams you run the risk of them crashing down.“


Bewertung: 07/10



© Twentieth Century Fox

Genre: Komödie, Drama

Originaltitel: Melinda and Melinda 
Regisseur: Woody Allen
Darsteller: Radha Mitchell, Will Ferell, Amanda Peet, Chloe Sevigny, Chiwetel Ejiofor
Erscheinungsjahr: 2004
Produktionsland:  USA
Laufzeit: 95 Minuten 
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 0

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