Dienstag, 8. November 2016

Wenn das Leben doch nur einfach wäre... - "Café Society"


Kristen Stewart und Jesse Eisenberg lachend.
AB 10. NOVEMBER IM KINO! ©Warner Bros.


Woody Allens Spätwerk ist überwiegend von lockerem Ton durchdrungen. Egal ob er seine Figuren durch Pariser Straßen flanieren lässt oder – wie jetzt in „Cafe Society“ – dem Hollywood der 30er Jahre frönt. Wendet Allen seinen Blick der Vergangenheit zu, hat das immer den Anschein eines Träumers, eines verklärten Idealisten, der in Erinnerungen schwelgt und seine Figuren im Dunstkreis seiner Vorstellungen ihr Leben leben lässt. Das mag zwar Ecken und Kanten vermissen lassen, ist im Umkehrschluss aber höchst unterhaltsam und vergnüglich. „Café Society“ stellt da keine Ausnahme dar.

Allen beschreibt in seinem 47. Film das Leben des schüchternen Bobby (Jesse Eisenberg), der naiv und planlos nach Los Angeles zieht. Sein Onkel (Steve Carrell) führt dort eine Filmagentur und verkehrt mit den Reichen und Mächtigen. Wer jetzt die Geschichte eines schüchternen Mannes erwartet, der in die High Society aufsteigt, hat nur teilweise Recht. Woody Allen wäre nicht Woody Allen, wenn er das Potential seines Films in den Zwischentönen nicht ausloten würde. Bobby ist keinesfalls der Naivling, für den man ihn von Anfang an hält, genau wie seine Love Interest (Kristen Stewart) eigene Entscheidungen trifft, die nicht dem Klischee entsprechen.

Blake Lively lächelt in die Kamera
©Warner Bros.
Allens Figurenensemble besticht durch eine fast beiläufig scheinende Eigenständigkeit, die 90 Prozent der Konkurrenz nie erreichen. Natürlich ist Carrells Agenturboss ein „Larger than Life“-Charakter, aber er hadert genauso mit seinen Entscheidungen, wie jeder normale Mensch. Völlig egal, ob ihm sämtliche Filmstars zu Füßen liegen und er mit Millionenbeträgen jongliert wie andere jeden Tag ihre Zeitung lesen.

Das sorgt für die nötige Erdung des Geschehens, denn allein das Setting der 30er Jahre bietet aufgrund von Detailtreue und Dekadenz genügend Ablenkung. Doch selbst wenn die Kamera elegant durch New Yorker Nachtclubs fährt, schillernde Kostüme in allen Farben und Formen präsentierend, hängt der Zuschauer an den Charakteren. Denn jeder Blick und jede Geste, ja sogar jedes gesprochene Wort könnte von Bedeutung sein um die Figurenkonstellationen tiefer zu durchdringen.


Fazit

„Café Society“ mag oberflächlicher erscheinen als andere Werke Allens. Es ist ein Lustspiel, vergnüglich und voller Oberflächlichkeiten. Blickt man jedoch tiefer offenbaren sich tragische und gleichsam bittersüße Momente, die Allen als das entlarven, was er eigentlich ist: Ein Romantiker und kein Realist. Wie sonst soll sich einer der schönsten Kinomomente des Jahres erklären? Zwei Menschen, Kilometer voneinander entfernt, einander mit Blicken suchend, während sich ihre Gesichter auf der Leinwand überschneiden und nur die Magie des Kinos ein Happy End ermöglicht. Das Leben jedoch rauscht weiter an ihnen vorbei, doch dieser Moment der intimen Ferne, der gehört nur ihnen. Danke dafür, Woody Allen!

Kinoplakat zu Café Society
©Warner Bros.
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Café Society
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2016
Drehbuch/Regie: Woody Allen
Darsteller: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Steve Carell, Blake Lively, Corey Stoll, Woody Allen (Erzähler), Ken Stott, Corey Stoll, Anna Camp, Parker Posey






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen