Donnerstag, 17. November 2016

"Jeder stirbt für sich allein" – Die Menschen, der Verlust und die Angst


© Warner Bros./X-Verleih
Dramen, die zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielen. Hat man davon mittlerweile nicht mehr als genug gesehen? Prinzipiell würde ich diese Frage mit ja beantworten. Das Thema wurde von hinten bis vorne abgearbeitet.  Dennoch nimmt sich Vincent Pérez sich dieser Thematik erneut an und das ist vielleicht doch ganz interessant.

1940. Berlin. In der Jablonskistraße 55 teilt sich das Ehepaar Quangel das Mietshaus mit den verschiedensten Charakteren. Vom treuen Parteimitglied, bis zur versteckt lebenden Jüdin ist das ganze Spektrum damaligen Lebens in diesem Haus abgebildet. Für die Quangels ändert sich der Alltag jedoch als sie Feldpost erhalten. Ihr Sohn ist im Krieg gegen Frankreich gefallen.  Dieser Schicksalsschlag offenbart auch, wie wenig Liebe noch in der Ehe der beiden steckt. Doch der Verlust ihres Sohnes zwingt sie aus ihrer Inaktivität heraus und sie müssen sowohl ihre Beziehung als auch ihre Ideale hinterfragen.

Theoretisch das x-te Weltkriegsdrama. Praktisch jedoch…


© Warner Bros./X-Verleih
Die Geschichte um ein einfaches Ehepaar der Arbeiterklasse, welche durch den Verlust ihres einzigen Sohnes wachgerüttelt wird, ist nicht unglaublich innovativ. Basierend auf dem Roman von Hans Fallada erzählt Pèrez hier jedoch eine berührende Geschichte die zwischen dem Beziehungsleben der beiden und ihrem politischen Wirken fließend wechselt. Emma Thompson und Brendan Gleeson verkörpern das Ehepaar Quangel dabei wie zu erwarten mehr als überzeugend. Spannend ist jedoch, dass die restliche Riege der Darsteller mit deutschen Schauspielern besetzt ist. Hier war ich von der Leistung wirklich positiv überrascht. Das faschistische Berlin wird ungemein authentisch präsentiert und der Film gewinnt dadurch eine sehr dichte Atmosphäre. Die Charaktere sind vielschichtig und auf die grobe Simplifizierung der Sachverhalte wurde zum Glück verzichtet.

Fazit

"Jeder stirbt für sich allein" ist theoretisch kein besonders interessanter Film. Man ist den Weltkriegsdramen eigentlich mittlerweile überdrüssig geworden. Die Geschichte wird jedoch sehr bodenständig erzählt und entwickelt deshalb eine überzeugende Emotionalität. Es ist genau den Halbtonschritt anders als andere Genrevertreter und deshalb ein interessanter Einblick in das Berlin zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Kein Meisterwerk, aber definitiv eine Empfehlung wert.


© Warner Bros./X-Verleih
BEWERTUNG: 7.0/10
Titel: Jeder stirbt für sich allein
FSK: ab 6 freigegeben
Produktionsjahr: 2016
Laufzeit: 103 Minuten
Autor: Vincent Pèrez, Achim von Borries, Bettine von Borries
Regisseur: Vincent Pèrez
Darsteller:  Emma Thompson, Brendan Gleeson, Daniel Brühl, Mikael Persbrandt, Katrin Pollitt, Lars Rudolph, Uwe Preuss

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