Mittwoch, 2. November 2016

Auf den Spuren eines David Lynch - Der Nachtmahr



Bannerplakat für "Der Nachtmahr"
AUF BLU-RAY UND DVD! ©Koch Media

Das Wühlen im Unterbewusstsein seiner Figuren, immer das Unterste zuoberst kehren und dabei den Zuschauer auf einen Höllentrip mitnehmen – das ist die Welt des David Lynch. In seinen Filmen geht es weniger um das Entschlüsseln der Handlung (auch wenn das einigen Spaß bringt), sondern eher um das Gefühl, das seine Filme in uns auslösen. Faszination und Wärme wechseln sich ab mit Schrecken und Irritation, da wir selbst eine Reise in unser Innerstes antreten. Das mag viele Zuschauer verstören, seine Wirkung verfehlt Lynch indes nie. Akiz, seines Zeichens Regisseur von „Der Nachtmahr“, hat sein großes Vorbild ausgiebig studiert. Mit „Der Nachtmahr“ möchte er ebenfalls das Innenleben seiner Hauptfigur Tina erkunden, die ganz unter dem Einfluss ihrer Adoleszenz und dem einhergehenden Hormonwirrwarr steht.

So weit so gut. Mustergültig manifestiert sich der Nachtmahr als Symbol ihrer Unsicherheiten und überbordenden Gefühle, lässt sie nicht schlafen und ist immer da. In flirrenden Bilderkaskaden und rauschenden Technobeats verliert Tina schnell an Bodenhaftung. Geschickt streut Akiz weitere Elemente und Interpretationsmöglichkeiten für Tinas Verhalten ein. Ist der Nachtmahr gar Ausdruck eines unterdrückten Traumas? Das späte Aufbegehren eines Teenagers gegen sie missverstehende Eltern? Oder gar eine Psychose? Ein Todestraum? Wer möchte, kann lange und ausgiebig über „Der Nachtmahr“ diskutieren, was in Anbetracht all der langweiligen Genre-Einheitsware keine Selbstverständlichkeit ist.

Tanzende Darsteller aus "Der Nachtmahr"
©Koch Media

Wer hier aufhört zu lesen, könnte „Der Nachtmahr“ für ein neues, deutsches Meisterwerk auf den Spuren eines David Lynch mit eigener Note halten. Doch leider, leider weit gefehlt. Die hervorragenden Ansätze werden beinahe völlig zunichte gemacht durch ein kaum vorhandenes Drehbuch, das seine überforderten Darsteller vor unlösbare Aufgaben stellt. Beinahe lässt sich der hilfesuchende Blick Richtung Kamera und Regie erahnen, wenn die Schauspieler orientierungslos improvisieren. Das macht aus einem interessanten Setting eine kaum ernstzunehmende Odyssee der Peinlichkeiten.

Fazit


Mehr Aufwand legt Akiz in das Design und die Darstellung seines „Monsters“, zeigt es von allen Seiten, von nah und fern. Das erstickt jegliche unheimliche Atmosphäre im Keim. Offensichtlich legt Akiz den Fokus nicht auf den bloßen Horroreffekt, sondern will tiefer greifen. Es geht ihm nicht um den oberflächlichen Thrill, sondern das, was dahinter liegt. Das Gefühl der Beklemmung, des Abgrunds, in den die wenigsten Zuschauer blicken mögen. Der Regisseur will unbedingt seinen Vorbildern gerecht werden, bildet aber ein Mischmasch, das unbefriedigt zurücklässt. In Anbetracht seiner Möglichkeiten und Ideen unheimlich schade, sorgt „Der Nachtmahr“ jedenfalls für eines: Sollte Akiz für sein nächstes Projekt einen besseren Cast mit geschliffeneren Dialogen ausstatten können, besteht Hoffnung. Der Filmstandort Deutschland ist jedenfalls nicht so langweilig, wie er allerorten immer gemacht wird.  

Kinoplakat aus "Der Nachtmahr"
©Koch Media
BEWERTUNG; 4,5/10
Titel: Der Nachtmahr
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 92 Minuten
Genre: Horror,  Thriller
Regisseur/Autor: Akiz
Darsteller: Carolyn Genzkow, Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Arnd Klawitter, Julia Jenkins



1 Kommentar:

  1. Den will ich auch unbedingt sehen, gerade jetzt, wo die Meinungen irgendwie immer mehr ins Negative driften...

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