Montag, 31. Oktober 2016

"Tatort: Zahltag & Die Wahrheit", "Polizeiruf 110: Im Schatten" : Gut, noch besser und schnarchend langweilig

©ARD
 In  München sind sie auf dem besten Weg, verrückt zu werden, in Dortmund sind sie's sowieso schon. Und in Rostock nehmen sie es mit der Mafia auf. Während es dort nach dem großen Rauschgift mieft, mieft es in Dortmund nach dem Rockermilieu. Und in München müssen sie die Wahrheit suchen, aber dabei aufpassen, von keiner Welle überrollt werden. Die drei Krimis der vergangenen Wochen (9.10./16.10./23.10.) im Schnellcheck.


Tatort: Zahltag (Dortmund) - Zwei, die ihr Revier markieren


In Dortmund geht's ganz schön gut ab...©WDR/Thomas Kost

Der eine, Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann), muss zusehen, dass er nicht durch den Einsatz des internen Ermittlers Pröll (ernster als sonst, steht ihm: Milan Peschel) seinen Job verliert; der andere, der Chef der Rocker-Gang "Miners"  Thomas Vollmer (stark: Jürgen Maurer), frisch aus dem Knast entlassen, hat ebenfalls Existenzängste und muss zusehen, dass er das Zepter über seine Jungs ("Uns verbindet die Freude am Motorradfahren") nicht komplett verliert. Einer der seinen starb, am hellichten Tag, überfahren und erschossen. "Bisschen viel Aufwand für einen Rucksack", bemerken auch Fabers Kollegen Bönisch (Anna Schudt), Kossik (Stefan Konarske) und Dalay (Aylin Tezel) flott. Stimmt, denn der ist futsch, sterben musste bei der Eroberung sogar noch ein unbeteiligter Passant. Warum das alles?

Schnell stellt sich heraus, dass Vollmers Kumpanen in seiner Abwesenheit versuchten, sein Revier zu ihrem zu machen. Allen voran sein Stellvertreter Luan Berisha (Oliver Masucci, u.a. "Er ist wieder da"). Mit unlauteren Geschäften. Vollmer soll die längste Zeit Boss gewesen sein, die Türen in Dortmund zu kontrollieren, das reicht den Miners nicht mehr. Und weil ihnen Kossik und Dalay zwischendurch mal in die Quere kommen, schmeißen sie denen halt 'ne Handgranate ins Auto. Das veranlasst Gelegenheitsalkoholiker Kossik dazu, mal wieder richtig zuzuschlagen am Tresen - ausgerechnet mit Faber zusammen. Am Tag vor der entscheidenden Aussage Kossiks, die wohl Faber ins Polizisten-Jenseits befördert hätte. Eiskaltes Kalkül des Herrn F. aus D., hier die Schnapsbremse zu ziehen? Vermutlich. Auch er muss kämpfen um seinen Platz, um sein Revier. Man legt sich nicht mit Faber an! 

Der fightet um sein Polizistendasein, hat also doch mehr Gemeinsamkeiten mit Vollmer, als man denkt. Doch Freunde werden die beiden nicht mehr - da kann Faber Vollmers Köter Francis auch noch so viel Freude bereiten. ("Der eine hat einen Hund zum Reden, der andere einen Kaktus") Und noch so oft ein- und ausgehen in der Villa des Rockerpräsidenten. "Unser Team ist im Arsch!", lautet die Abschluss-Erkenntnis im Präsidium. Stimmt. Aber das macht einfach höllisch viel Spaß.

Polizeiruf 110: Im Schatten (Rostock) - Drogääähn


Kann man echt schonmal ins Grübeln kommen. ©NDR/Christine Schroeder

Während Thomas Jauch (Regie) und Jürgen Werner (Buch) in Dortmund dem gewohnten Treiben mal wieder ihren gewohnten Qualitäts-Stempel aufdrücken, scheint es, als herrsche beim Polizeiruf-Pendant aus Rostock derzeit eine Auszeit. Denn zum wiederholten Mal kann das kaputte Team nicht überzeugen. Überhaupt: Während in Dortmund die Geschichte des Zanks untereinander stringent weitererzählt wird, kommt sich in Rostock jetzt kaum einer an den Kopf - obwohl es viele Gründe gäbe - , stattdessen gibt's die x-te Drogen-Mafia-Polizeigeschichte. Das ist nicht spannend, sondern hochgradig langweilig.

Bei einer Drogen-Razzia im Rostocker Hafen gibt's zwei Todesopfer zu beklagen, am nächsten Tag auch noch den Einsatzleiter. Prompt macht sich das Team um Bukow (Charly Hübner), König (Anneke Kim Sarnau), Pöschel (Andreas Günther) und Thiesler (Josef Heynert) daran, den Mörder zu ermitteln. Ein Opfer in den eigenen Reihen - das setzt ungeahnte Kräfte frei. Das Problem: Das zieht einfach nicht, denn das Buch von Florian Oeller (u.a. "Der Zorn Gottes") schreibt sich hier einen kruden 0815 spannungsbefreiten Mix von lauter Korruption und Mafiagedöns zusammen mit nervtötenden Fazits á la "Die Mafia ist stärker als wir", die Regie von Philipp Leinemann vermag es auch nicht, hier nur ein kleines bisschen Aufregung zu produzieren. Und das Episoden-Ensemble um beispielsweise Elisabeth Baulitz als Kollegin des Einsatzleiters macht ihren Job ebenfalls nicht gerade absolut überzeugend.

Schön wäre es gewesen, wenn da die Konflikte zwischen dem neuen Junggesellen Bukow und Kollegen Thiesler mal weiter erzählt würden oder aber sich Bukow und König wirklich mal endlich küssen würden. Tun sie nicht. Er will, stockbesoffen, sie, auch hackedicht, aber lehnt ab. "Frau König, kommen wir eigentlich mal zusammen?" Hoffentlich. Wahlweise aber sollten sie sich noch häufiger betrinken. Da macht der Film Spaß, das ist nach den ersten gut fünf Minuten der Fall. Leider folgen dann aber noch mehr als 80 voller Drogääähn.

Tatort: Die Wahrheit (München) - Der beschissene Fall


"Vielleicht ist der Beruf ein Fehler?" Könnte man meinen...©BR/X Filme/Hagen Keller

Es ist nur ein kleines Detail, das sich Szenenbildner Maximilian Lange hier hat einfallen lassen. Oder war's doch Autor Erol Yesilkaya? Oder Regisseur Sebastian Marka? (beide u.a. "Das Haus am Ende der Straße") Egal. Aber es ist ein schönes Detail. Fallanalytikerin Christine Lerch (Lisa Wagner) verlässt das Polizeipräsidium, sie hinterlässt einen verzweifelten Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) und das Bild einer Welle. Er sieht es, hält einen Moment inne und nimmt's mit. Passt perfekt zu seiner derzeitigen Lage als Soko-Leiter. Er muss den Mord an einem Familienvater aufklären. Scheitert. Kläglich. Muss aber bleiben auf dem "beschissenen Fall". Es stellt sich heraus: Mörder kommen und gehen, Verdächtige kommen und gehen, Leichen kommen und gehen. Doch was bleibt, sind die die Kommissare. "Vielleicht ist der Beruf ein Fehler?"

Anfänglich sieht alles gut aus. Leitmayr hockt am Frühstückstisch, freut sich aufs Marmeladen-Toast, richtet ein Bild an seiner Wand. Ayumi (Luka Omoto), Sohn Taro (Leo Schöne), Vater Ben (Markus Brandl) laufen unbeschwert Richtung Supermarkt. Das Wetter ist schön, der Ort voll, ein Lieferant entlädt seine Ladung. Doch dann geschieht es, einfach so. Ein Mann liegt da, scheinbar braucht er Hilfe. Ben will helfen. Doch der Mann will töten. Ersticht ihn. Vor den Augen seiner Frau und seines Sohns, vorbei ist der schöne Tag, zuende die schöne Zeit - für alle.

Leitmayr muss sich fortan um eine große Soko kümmern, ordnet Massen-DNA-Tests an, packt das ganz große Gerät aus. Mehrfach verspricht er sich, jetzt endlich DEN Täter gefasst zu haben. Doch jede Spur führt ins Nichts, jeder Verdächtiger in die Irre - es sterben noch mehr Menschen, sein Vorgesetzter (Jürgen Tonkel) macht Druck und Kollege Batic (Miroslav Nemec) schlapp. Er schläft schon seit Langem nicht mehr, erleidet Panikattacken. Liebevoll nähert er sich Familie Schröder an. Das hilft ihm. Doch der Mörder, der Täter, der bleibt bis zum Ende verschollen. Auflösung erst 2017. Und so bleibt nur die Gewissheit, nicht zu wissen, wer es war. Und das Bild der Welle. Die Welle, die sie alle von jetzt auf gleich erfasst hat. Ein beschissener Fall eben.

Fazit


BEWERTUNG: 3,5/10
Polizeiruf 110: Im Schatten (Rostock), 16.10.2016, Regie Philipp Leinemann, Buch Florian Oeller
Darsteller: u.a. Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau, Andreas Günther, Josef Heyner








©ARD

BEWERTUNG: 8,5/10
Tatort: Zahltag (Dortmund), 09.10.2016, Regie Thomas Jauch, Buch Jürgen Werner
Darsteller: u.a. Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel, Stefan Konarske, Olive Masucci, Jürgen Maurer

BEWERTUNG: 9,5/10
Tatort: Die Wahrheit (München), 23.10.2016, Regie Sebastian Marka, Buch Erol Yesilkaya
Darsteller: u.a. Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Jürgen Tonkel



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