Dienstag, 18. Oktober 2016

Der Weirdo und ich: "The Gift"

"Psst, sie sollen mich nicht sehen." Dahinten isser, Gordo! Jetzt auch auf DVD, Blu-Ray oder VoD!
Tja, das ist schon doof gelaufen für Simon (überzeugend als Arschloch: Jason Bateman) und seine hübsche Perle Robyn (überzeugt nicht nur optisch: Rebecca Hall). Da wollen sie in Kalifornien ein neues Leben beginnen. Weil sie ein Kind in der alten Heimat Chicago verlor und er einen tollen neuen Job gefunden hat. Um sich wohnlich niederzulassen im neuen Gemäuer, braucht's selbstverständlich Einrichtungsgegenstände. Also geht's in ein Geschäft, doch sie sind nicht alleine. Plötzlich taucht nämlich wie aus dem Nichts Gordo (netter Typ von nebenan mit dem gewissen Weirdo-Charme: Joel Edgerton) auf. Gordo stellt sich als alter Schulfreund von Simon vor. Und nun hat das Paar ein Problem: Sie werden Gordo nicht mehr los.


Der weiß, wo sie eingezogen sind und macht ständig Geschenke. Mal steht eine Flasche Wein vor der Tür, einfach so. Mal haben sie plötzlich Fische im Teich. Wieso macht der das? Er taucht ständig auf. Lädt sich selbst zum Essen ein oder die beiden in sein (vermeintliches) Zuhause. Sie werden ihn einfach nicht los. Was zum Geier will der von den beiden? Während Simon tagsüber in seinen neuen Job eintaucht, hat Robyn daheim den Salat. Sie muss sich um die Nachbarschaft kümmern, Kontakte knüpfen. Sie muss kochen, den Müll rausbringen - und sie muss sich halt immer wieder auch mit Gordo rumschlagen. Bis irgendwann rauskommt: Gordo hat durchaus seine Gründe für seine dauerhaften Besuche und keine guten Absichten. Denn damals, in der Schule (Spitzname: Gordo, the Weirdo), vor 25 Jahren, ist was vorgefallen zwischen Simon und ihm....
Huch, wo kommt die Flasche Wein denn jetzt her? 

Stalking - ganz klare Diagnose. Das Oberthema des Regiedebüts von Edgerton scheint klar herausgestrichen zu sein und auch eben gleichermaßen langweilig. Wie oft gab's dieses Szenario schon in einem Bewegtbild: Ein Paar fängt irgendwo neu an und dann geschehen seltsame Dinge. Auf dem neuen Leben wird schnell ein unheilvolles. Doch wer den Streifen als 0815-Streifen abtut, der tut Edgerton Unrecht. Denn das hier ist mehr. Es ist ein Film über eine Frau, die ganz alleine irgendwo neu anfangen muss und schnell nicht nur einem Weirdo gegenüber steht. Denn wie sich herausstellt, ist auch ihr liebster ein kleiner Weirdo.

Simon ist, rein oberflächlich betrachtet, ein Erfolgsmensch, dem alles Gute dieser Welt nur so zugeflogen scheint. Doch je mehr der Weirdo Gordo sein Unwesen im Leben von R & S treibt, deso klarer wird seiner Frau: Mein Mann, der Schuft. Es kristallisiert sich heraus, dass Simon ein absoluter Über-Leichen-Geher ist, wie er im Buche steht. Ein knallhartes Arschloch vor dem Herren. Edgerton wirft gekonnt mehrere Fragen auf: Wer ist hier eigentlich der Weirdo? Wie viel weiß man eigentlich wirklich von der Person, mit der man seit Langem zusammenlebt?
"Schatz, ich liebe dich und male dir deswegen ein Herz auf die Scheibe!" Was ein Ehrenmann.

Der Regisseur und Schauspieler in Personalunion, der auch Buch beisteuerte, dreht dabei einmal munter am Spannungs-Rad. Anfangs steht in Stein gemeißelt: Gordo ist der fiese Eindringling. Nach und rückt aber auch Simon auf den Rang des Ober-Fieslings. Und mittendrin ist da diese herzensgute Robyn, die einem nur noch Leid tun kann. Hall, Bateman und auch der Regisseur persönlich spielen sich in einen Rausch. Sie als bemitleidenswertes Opfer der Männer, Bateman als Mann mit vielen dunklen Facetten und Edgerton als irgendwie ebenfalls zu bemitleidender Voll-Freak.

Fazit


Gordo meint in Richtung Robyn, gute Menschen verdienen auch etwas Gutes. Ihr Geliebter dagegen findet, in dieser Welt gebe es eben um Verlierer und Gewinner. Und Regisseur Edgertor denkt sich derweil: Gute Filme wie diese hier verdienen nicht nur ein starkes Ende, sondern auch im Abspann noch schmucke Musik. Dort heißt es:"Keep in the dark to stay out of the light". Der absolute Gordo-Tune. Ich jedenfalls hab' einen Ohrwurm und gehe jetzt fröhlich pfeifend alte Schulfreunde besuchen. Denn der Gordo steckt in jedem von uns.

BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: The Gift
FSK: 16
Genre: Thriller
Laufzeit: 108 Minuten
Autor/Regisseur: Joel Edgerton
Darsteller: u.a. Jason Bateman, Rebecca Hall, Joed Edgerton

Bilder: Paramount Pictures


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