Mittwoch, 3. August 2016

Wasserfälle sind zum Klettern da: "Point Break"

StarWars?
Es soll ja Menschen geben, die mögen es, sich endlich mal so richtig in Lebensgefahr zu begeben. Soll es tatsächlich. Ich gehöre aber ganz sicher eher zu denjenigen, die dann lieber vor der Glotze hängen und beispielsweise bei der Formel 1 einfach nur darauf hoffen, dass es gleich endlich mal wieder kracht. Ist ja voll langweilig sonst. Und Felix Baumgärtner, der tollkühne Typ, der damals sprang, sprang und sprang, der war ja eh nur eine Marionette von Red Bull. Auch so ein Kerl, der sich damit am Rande des Wahnsinns bewegte, aber der bei mir Couch-Kritiker auf wenig Gegenliebe stieß.

Ob Kathryn Bigelows "Gefährliche Brandung" (OT: Point Break) das von sich hätte behaupten können? Gegenliebe von mir? Keine Ahnung. Kenne ich nicht. Muss ich gestehen. Schande und Asche über mein Haupt. Ob die lose 2016er-Neuauflage der Bigelow-Streifens von Kameramann und Regisseur Ericson Core was kann, das kann ich jetzt aber immerhin beantworten. Und zwar mit einem zwiegespaltenen: Ja, aber...
They see me rollin', they hatin'....

Wir sehen dabei zu, wie sich Johnny Utah (Bracey), ein gefeierter Youtube-Star und Extrem-Sportler, bei einer spektakulären Aktion mit dem Motorrad erst darüber freut, dass sein Wirken besser sei als richtig zu arbeiten, um kurz darauf zu trauern, weil sein bester Kumpel dabei das Zeitliche segnet. Anschließend gehen Jahre ins Land, Utah will der Gesellschaft was zurückgeben und einen ordentlichen Job erlernen. Den des FBI-Agenten hat er sich dazu ausgeguckt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt ihm ein Fall in die Hände, der wie für ihn gerufen scheint.

 Extremsportler verursachen Chaos bei Verbrechen in aller Welt, werfen erbeutete Diamanten und geklautes Geld über die Slums von Mumbai und verlorene Viertel Mexikos ab. Wohltäter? Moderne Robin Hoods? That's the fucking question. Augenscheinlich jedenfalls Leute wie Utah, die es halt mögen, sich in Gefahr zu bringen. Schnell macht er die Truppe ausfindig, ermittelt undercover unter ihnen und joar...
Weder noch. Einfach ein Film über Menschen, die an Wasserfällen hängen. Jetzt übrigens im Heimkino zu haben.

...was dann kommt, hat mit einer Story nicht mehr viel zu tun. Es beginnt eine Hatz, die sehr ordentlich inszeniert wurde - mehrere echte Extremsportler hielten ihre Körper dafür in die Kamera -, die sehr ordentlich aussieht - wenn man über ein paar Schwachpunkte hinweg sieht - und die auch ab und an sogar wirklich Spaß macht, ja, nichtmal wirklich langweilt. Ein produktionstechnisch immenser Aufwand, der sich gelohnt hat. Das ist doch schonmal was. Doch inhaltlich ist das alles totaler Kokolores.

Wir erleben nämlich so einiges. Bergbesteigungen Deluxe, noch mehr Monsterwellen-Surfing, sich-gegenseitig-verkloppen-XXL, Extem-Klippenklettern, Snobwoarden über Pisten, die es ebenfalls in sich haben. Und auch ein Wasserfall muss herauf - und auch wieder hinab - geklettert werden. Uff. Und weil da ja nicht reicht, gibt's noch schier endlose Wingsuit-Flugeinlagen. Nochmals uff. Das sieht, wie gesagt, ja echt supidupi aus. Aber hier reiht sich eine Extremsportart an die nächste, dazwischen gibt's Sex, Drugs und Streit. Die Figuren und deren Zusammenhänge werden nur unzureichend erläutert, hier geht's irgendwie bloß getreu dem Motto: Höher, schneller, weiter.

Nein. Wer das mag, der wird "Point Break" vermutlich wirklich vergöttern. Wer damit rein gar nichts zutun hat, der wird sich - unter Umständen - höchstens an der Optik erfreuen. Und ich? Ja, was mache ich jetzt - gute Frage. Ich weiß es: Ich spiele jetzt eine Runde Minigolf. Im Internet.

BEWERTUNG: 6,0/10
Titel: Point Break (2016), jetzt auf DVD, BluRay & Co. erhältlich
FSK; ab 12
Laufzeit: 113 Minuten
Genre: Actionfilm
Regisseur: Ericson Core
Darsteller: Édgar Ramírez, Luke Bracey, Ray Winstone uvm.

Fotos: Concorde Filmverleih GmbH


1 Kommentar:

  1. Klingt nach einem Film, den man sich sparen kann. Da gibt es bestimmt auch Dokus, die sich dem Thema widmen, ohne gleich zu versuchen eine 'Story' einzuweben.

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