Mittwoch, 17. August 2016

"Captain Fantastic" - Einmal Wildnis und zurück

Viggo Mortensen erzieht Kinder. Auf seltsame Art und Weise.
© Bleecker Street Media



Ben Cash ist ein leidenschaftlicher Vater. Er will, dass seine Kinder sicher sind, in einer vom Kapitalismus beherrschten Welt. Deshalb lernen seine Kinder was im Leben wichtig ist: Messerkampf, Klettern und Brüche richten. Wenn diese Aussiedler jedoch zum Wohle ihrer Mutter in die richtige Welt müssen, sind Konflikte unausweichlich.

"Captain Fantastic" ist der neueste Film von Matt Ross. Ben Cash, wunderbar verkörpert von Viggo Mortensen, lebt mit seinen sechs Kindern im Wald. Er vermittelt ihnen ein kritisches Weltbild, in der Cola giftiges Wasser ist und Konsum der Feind. Weihnachten ist Humbug und so feiert die Familie Cash lieber den Noam-Chomsky-Tag. Aber so genial seine Kinder im Umgang mit Mao und Dostojewski sind, so überfordert sind sie mit den alltäglichen Dingen der modernen Gesellschaft.

Eben dieses Aufeinandertreffen zweier Weltbilder wird in zwei Stunden meist tragisch, teils komisch dargestellt. Dabei verliert der Film sich zu Beginn zu sehr in der Romantik eines naturverbundenen, intellektuellen Lebensstils. Zu überheblich und unsympathisch werden dadurch die Charaktere, wenn sie auf das moderne Amerika treffen. Das wäre prinzipiell in Ordnung, denn auch diese Aussteiger-Romantik wird im Verlauf des Films relativiert. Allerdings wirken einige Aktionen der Figuren widersprüchlich zu ihren Idealen. Auch nach reifer Überlegung bin ich noch unentschlossen, ob es bewusst eingesetzte Widersprüche sind, oder einfach unsauber gearbeitet wurde. Sie sorgen beim Zuschauer für Stirnrunzeln und machen gerade den Vater Ben noch unsympathischer. Auch wird die Handlung im letzten Drittel nicht befriedigend zu Ende erzählt. Hier hätte es mehr als kleinen Andeutungen bedurft um die Geschichte glaubwürdig zu beenden.
Viggo Mortensen spielt Gitarre.
© Bleecker Street Media

Lässt man sich jedoch darauf ein, bietet "Captain Fantastic" bewegende und humorvolle Unterhaltung. Die tragischen Momente überwiegen jedoch und die allgemeine Stimmung wird oft bedrückend. Allgemein liefert der Film eine Menge an Diskussionsansätzen. Der Zusammenprall zweier Lebensansätze ist spannend und bringt interessante Themen auf den Tisch. Man schwankt während des gesamten Films zwischen Zustimmung und Ablehnung für den Lebensstil der Familie Cash. Das lässt den Film, trotz seiner teils ruhigen Inszenierung und der längeren Gesamtspielzeit, zu keinem Zeitpunkt langweilig werden. Ob man sich an den Figuren nun stößt, oder Sympathien für sie entwickelt, man will wissen wohin ihr Weg sie bringt. Die Schauspieler sind gut ausgewählt und verkörpern ihre untypischen Rollen routiniert. Gerade den Kinderdarstellern dürfte beim Dreh einiges abverlangt worden sein. "Captain Fantastic" ist eine sehenswerte Tragikomödie, mit der man einen abwechslungsreichen Abend verbringen kann.

Kinoposter zu Captain Fantastic
© Bleecker Street Media
BEWERTUNG: 7,0/10
Titel: Captain Fantastic
FSK: ab 12 Jahren freigegeben
Laufzeit: 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Matt Ross
Regisseur: Matt Ross
Darsteller: Viggo Mortensen, Frank Langella, George Mackay, Annalise Basso, Samantha Isler

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