Samstag, 20. August 2016

"Alles was kommt" - Verlust als Teil des Lebens


© Weltkino Filmverleih

Nathalie ist eine Philosophielehrerin in Paris und hat mittlerweile ein fortgeschrittenes Alter erreicht. Ihre Kinder sind aus dem Haus, ihre Mutter ist pflegebedürftig und erpresst sie emotional. Die Ehe zu ihrem Mann ist unaufgeregt und routiniert. Der Alltag bestimmt Nathalie. Doch im Leben kommt es zu Veränderungen und so verliert sie nach und nach Teile ihres strukturierten Lebens.
Mia Hansen-Løve versucht in ihrem Film den Umgang mit Verlust deutlich und fühlbar zu machen. Der große Unterschied zu Dramen, die sich sonst mit dieser Thematik beschäftigen, ist definitiv das Tempo. Der Film ist unaufgeregt und ruhig. Die fehlende Geschwindigkeit macht jede noch so kleine Emotion authentischer und fühlbarer für den Zuschauer. Die wenigen emotionalen Ausbrüche die der Film bereit hält wirken dadurch umso kraftvoller. Leider ergibt sich aus dem langsamen Tempo jedoch auch die ein oder andere Länge, die dem Film aber nicht massiv schaden. Musik fehlt in Alles was kommt fast vollends. Nur in einigen Kernszenen gibt es Musik und diese ist dabei nicht als reine Ergänzung zu verstehen. Wenn sie eingesetzt wird, dominiert sie die Szene und gibt ihr eine bestimmte Richtung. Auch hier erlebt man bewusster und unvermeidbarer als in anderen Dramen. Die Schauspieler leisten alle herausragende Arbeit. Nicht vielen Darstellern gelingt es aus derart wenigen Aktionen eine solche Bandbreite an Emotionen darzustellen und zum Zuschauer zu transportieren.
© Weltkino Filmverleih
"Alles was kommt" ist kein lautes Drama, über eine Frau die erst alles verliert um sich dann neu zu erfinden. Hansen-Løve stellt den Umbruch im Leben einer Frau einfach realistisch dar, ohne Pauken und Trompeten. Nichtsdestotrotz ist dieser Film kein depressives Trauerspiel. Die schönen Momente sind jedoch nur genauso leise und langsam inszeniert wie der Rest des Films. Man muss aber aufmerksam bleiben um sie nicht zu übersehen. 
Was "Alles was kommt" leistet, ist es uns eine nachvollziehbare Handlung emotional und authentisch zu präsentieren. Die Grenze zwischen dem Dargestellten und dem Zuschauer verschwimmt während der 100 Minuten Film und ermöglicht damit die Teilhabe an einem emotionalen Drama. Mia Hansen-Løve hat etwas geschaffen, dass sowohl Kritiker als auch Zuschauer berühren dürfte.


© Weltkino Filmverleih
BEWERTUNG: 8,0/10
Titel: Alles was kommt
FSK: ab 0 Jahren freigegeben
Laufzeit: 100 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Mia Hansen-Løve
Regisseur: Mia Hansen-Løve
Darsteller: Isabelle Huppert, André Marcon, Roman Kolinka, Edith Scob, Solal Forte

1 Kommentar:

  1. Für mich hatte er keine Längen, aber das nimmt wohl jeder anders war. Ansonsten kann ich aber der Kritik zustimmen.

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