Montag, 25. Juli 2016

Rennen um Anerkennung - "Zeit für Legenden"


AB 28. JULI IM KINO! ©Univerusm
Träume und unglaubliche Geschichten – das sind die Stoffe, aus denen große Filme entstehen. Oder Biopics. Kaum ein Genre liefert dermaßen viele Filme ab, die zwar ein außergewöhnliches Leben präsentieren, dies aber nicht vom Inhalt auf die Form übertragen können. Viele Biographien laufen stets nach demselben Schema ab, sind routiniert inszeniert, doch ohne filmische Eigenständigkeit. Ausnahmen sind selten und allzu oft verfallen diese gut gemeinten Filme in bloßes Abhaken einer Lebens-Checklist des portraitierten. Das kann – vorausgesetzt die dargestellte Figur ist interessant – immer noch lehrreich sein. Mehr aber auch nicht. „Zeit für Legenden“ ist ein solcher Fall.


Der Werdegang Jesse Owens liest sich überlebensgroß. Als Leichtathlet hat es der Afroamerikaner in den 20ern und 30ern sehr schwer. Der Rassismus wird von der weißen US-Bevölkerung offen zur Schau getragen, Wertschätzung erfährt er nirgends. Erst sobald er auf der Bahn steht, bloß noch das Ziel vor Augen, ist er frei. Frei von Vorurteilen, Minderwertigkeitskomplexen und Angst. Alles, was zählt, ist das Laufen, das Freisetzen von Energie bis nichts mehr geht. Schnell steigt das Talent auf, bis sogar die Olympiateilnahme 1936 in Berlin winkt.

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Die olympischen Spiele also, die Hitler als PR-Push für sein Regime nutzen möchte und den Nazis einen ersten Triumph garantieren sollen. Ein Schwarzer, der einem Arier die Goldmedaille wegschnappt? In den Augen der deutschen Führung undenkbar. Hier merkt auch der letzte Zuschauer: Das Konfliktpotential und der Druck, der auf Jesse Owens lastete muss immens gewesen sein. So sind besonders jene Szenen gelungen, die Owens die Macht des Regimes selbst erfahren lassen.

Regisseur Stephen Hopkins gibt sich viel Mühe, die damalige Zeit wiederaufleben zu lassen. Von den amerikanischen Slums der 20er über das Berlin der 30er – an Schauwerten mangelt es dem Film nicht. Leider ist der Verlauf des Films wenig überraschend und verkommt – wie eingangs erwähnt – mehr und mehr zum bloßen Abhaken. Intime Momente, in denen der Zuschauer Owens wirklich nahe kommt, sind selten. Stattdessen schiebt Hopkins mitsamt den Drehbuchautoren Anna Waterhouse und Joe Shrapnell einen Subplot über die Hintergründe der Spiele ein. Dieser ist zwar interessant und bringt mit Jeremy Irons und William Hurt zwei großartige Darsteller ins Spiel, nimmt gleichzeitig aber den Fokus von Owens. Sein Darsteller Stephan James weiß dennoch zu überzeugen und empfiehlt sich für größeres.

Letztendlich ist „Zeit für Legenden“ ein solide inszeniertes und gespieltes Biopic, das an den richtigen Stellen mitzureißen weiß. Eine kleine Geschichtsstunde, die sich einer der wohl wichtigsten Sportfiguren aller Zeiten widmet. Ob der Film Owens Leistung wirklich gerecht wird, ist eine andere Frage.  


©Universum
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Zeit für Legenden
FSK: ab 0 freigegeben
Laufzeit: 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autoren: Anna Waterhouse, Joe Shrapnell
Regisseur: Stephen Hopkins
Darsteller: Stephan James, Jeremy Irons, Carica Van Houten, William Hurt, Jason Sudeikis, Amanda Crews, 






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