Montag, 11. Juli 2016

Nach der Invasion ist vor der Invasion - Alles auf Anfang in "Independence Day 2: Wiederkehr"!


Schauspieler starren ehrfurchtsvoll über die Kamera.
AB 14. JULI IM KINO! ©20th Century Fox


Roland Emmerich gilt als der Inbegriff cineastischer Zerstörungswut. Mit Filmen wie „2012“, „Day After Tomorrow“ und „Godzilla“ orchestrierte er Überwältigungskino im reinsten Sinne des Wortes, voll auf die Fresse, auf pure Unterhaltung ausgelegt. Oftmals verstand er es, seinen CGI-Wellen, -Aliens und –Donuts(!) einem Hauch Ironie gegenüberzustellen, die den ernsten Thematiken das dringend benötigte Grinsen entlockten. Erst dadurch wirkten seine Filme trotz dämlicher Dialoge und hanebüchen handelnder Figuren auf der Leinwand, wie sie es sollten – als Unterhaltungskino par excellence, das weiß, wo es hingehört. Mit „Independence Day 2: Wiederkehr“ kehrt er in die Gefilde zurück, die ihn einst zurecht berühmt machten. Zwanzig Jahre nach dem Megahit „Independence Day“ spinnt er die Geschichte fort.

Die Menschheit präsentiert sich seit dem Verlust von Milliarden von Menschen und ebenso vielen Wahrzeichen erstaunlich sattelfest. Die Alieninvasion sorgt für eine vereinte Erde, die gemeinsam Probleme löst und die extraterrestrische Technologie für eigene Zwecke nutzt. Sollten noch einmal schleimige Wesen attackieren, ist man vorbereitet. Hier liest sich durchaus Emmerichs politischer Wille heraus, den die ideologischen Differenzen um Islam, Trump, Brexit und Co. bestürzen. Nur schade, dass die Menschheit an den Rand der Vernichtung gebracht werden muss, um zu begreifen, zu was sie eigentlich fähig ist. So weit, so sinnvoll fortgeführt.

Independence Day 2: Wiederkehr räumt mit den Weltmeeren auf.
©20th Century Fox
Leider schließt das neue Figuren nicht mit ein. An „Independence Day 2: Wiederkehr“ schrieben fünf Autoren mit und es scheint, als hätten sie gleichzeitig mit verbundenen Augen und Ohren am Drehbuch gewerkelt. Da ist kaum Absprache, eher der Eindruck eines Schluckaufsyndroms. Hat sich der Zuschauer an einen der Charaktere gewöhnt, springt der Film zum nächsten. Das wiederholt und wiederholt sich und es gibt nichts, was das Publikum dagegen tun könnte. Da wird der Sohn des Kampfpiloten Steven Hiller (Will Smith) aus Teil eins eingeführt, genau wie die nun erwachsene Tochter des Präsidenten (Bill Pullman). Hinzu kommen ein draufgängerischer Pilot (Liam Hemsworth) als Smith-Ersatz, ein unbrauchbarer Nerd, der sich beweisen will und eine Wissenschaftlerin, die seltsamerweise von Charlotte Gainsbourg („Nymphomanniac“) gespielt wird. Als wäre das nicht genug, sind – bis auf Will Smith – alle Überlebenden aus Teil eins wieder mit an Bord.

Der Leser merkt: weniger wäre mehr gewesen. Sämtliche Neuzugänge bleiben blass und obsolet, das Wort Fokusierung muss den Autoren Albträume beschert haben. Vertraut der Film auf die Charaktere des Originals, funktioniert die Mischung jedoch. Da schimmert der alte Glanz durch Alienblut und zerstörten Metropolen hindurch und der Zuschauer fühlt sich heimisch. Seien es die herrlichen Kabbeleien zwischen Jeff Goldblum und Judd Hirsch als Vater/Sohn-Gespann oder Pullman, der mit Lust an der (Spiel-)Freude seine ikonische Rolle als Präsident wiederbelebt.

Die Liebe zu diesem Universum ist vorhanden, keine Frage. Doch nur selten kann die Fortsetzung mit dem Witz und Verve des ersten Teils mithalten. Die Gags sind nicht mehr so frisch, die Zerstörung weniger ehrfurchtsgebietend. Selbst der unweigerliche Pathos und Patriotismus, den Emmerich vor zwanzig Jahren mit so viel subversivem Scharfsinn ins Bockshorn jagte, sorgt lediglich für ein Schmunzeln hier und da. Es fehlt an Will Smith. Es fehlt an richtigen Figuren. Denn wenn das Beste an einem zweiten Teil die Reminiszenzen an das Original sind, hat das kreative Team dahinter etwas falsch gemacht. „Independence Day 2: Wiederkehr“ ist immer noch unterhaltsames Alienfutter und besser, als so vieles, was die letzten Jahre auf die Kinos losgelassen wurde. In Anbetracht seines Erbes und seiner Möglichkeiten aber eine Enttäuschung.


Kinoplakat zu Independence Day 2
©20th Century Fox
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Independence Day 2: Wiederkehr
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 121 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autoren: Nicolas Wright, Dean Devlin, James Vanderbilt, James A. Woods, Roland Emmerich
Regisseur: Roland Emmerich
Darsteller: Jeff Goldblum, Bill Pulman, Maika Monroe, Liam Hemsworth, William Fichtner, Judd Hirsch, Vivica A. Fox, Angelababy, Jessie T. Usher, Charlotte Gainsbourg, Sela Ward









1 Kommentar:

  1. Da spielt Charlotte Gainsbourg mit? Die Dame hätte ich in einem solchen Film ja so überhaupt nicht erwartet.

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