Donnerstag, 28. Juli 2016

Eine Kinderserie im zweiten Weltkrieg - "Die langen großen Ferien"


©Polyband

Was den Bereich Kinderserien angeht, heißt es oftmals bloß schnell, schneller, am schnellsten. Den Kindern werden grelle Bilder hingeworfen, hässliche Animationstechnik bestimmt das Geschehen und der ältere Zuschauer verfällt in nostalgisches Schwärmen. Früher, als noch von Hand gezeichnete Serien das Kinderfernsehen bestimmten, das Erzähltempo langsamer und die Witze nicht so flach waren (zumindest in der Erinnerung). Remakes geliebter Shows wie „Biene Maja“, „Heidi“ oder „Wickie“ treiben einem die Tränen in die Augen, versprühen sie statt Charme nur noch Künstlichkeit und Oberflächlichkeit. Lichtblicke sind selten, aber vorhanden. „Die langen großen Ferien“ ist so einer.

Die Produktion erstrahlt in hingebungsvoll altmodischem Look und vereint die Stile von Studio Ghibli und französischer Zeichentrickkunst. Das eigentlich Aufsehenerregende ist aber nicht die Machart der Serie, sondern ihr zugrunde liegendes Thema. „Die langen großen Ferien“ nimmt sich an, eine Geschichte zur Zeit des zweiten Weltkriegs zu erzählen. Eine Geschichte, die auf den ersten Blick nichts für Kinder ist und bei der die Angst vor dem Zeigefinger in Holzhammergestalt schnell die Runde macht. Doch weit gefehlt!

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Es überrascht wie sensibel die Macher mit dem Thema umgehen und die Besatzung der Deutschen in Frankreich thematisieren. Die jungen Zuschauer werden mit Bedacht an die damaligen Geschehnisse herangeführt. Aus Sicht einer Freundesclique erlebt das Publikum, was es für die Bevölkerung damals geheißen haben muss, im Krieg zu sein. Natürlich verzichtet die Serie auf Gore, Blut und andere Geschmacklosigkeiten, die Vergangenheit verharmlosen tut sie allerdings nicht. Ja, es wird gestorben, die Kinder befinden sich mitunter in Lebensgefahr, die Schrecken sind da – aber: Die Produzenten finden den schmalen Grad aus Rücksicht und Ehrlichkeit. Sie zeigen, ohne die Kinder zu überfordern und sparen aus ohne zu verschweigen.

„Die langen großen Ferien“ ist rundum durchdacht und bietet eine Story, die zu Herzen geht. Selbst ältere Zuschauer werden sich der Dynamik zwischen den jungen Freunden und ihren Familien nicht erwehren können. Immer wieder durchbricht die Serie den Mantel aus Angst und Unwissen mit dem unschuldigen Spiel der Kinder, die trotz der Panik um sie herum nur eines sind und sein wollen: Herumtollende Kinder, die Lager bauen, Fangen spielen und Spaß am Leben haben. Genau das vermittelt die Serie in ihrem humanistischen Kern, dieser Gratwanderung, die vollends gelungen ist. Ob Jung oder Alt – „Die großen langen Ferien“ ist eines jener Phänomene, von denen alle noch etwas lernen können. Als Elternteil kann man sich eines sicher sein: Kinder vertragen mehr, als man denkt. 

©Polyband
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Die langen großen Ferien
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 10 Folgen á 30 Minuten
Produktionsland: Frankreich
Erscheinungsjahr: 2015







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