Mittwoch, 6. Juli 2016

"Der Name der Leute" - Schluss mit dem Schubladendenken

© Warner Bros./X-Verleih


Seinen Namen kann man sich nicht aussuchen und dennoch begleitet er uns meist ein ganzes Leben lang. Mit einem Namen verbinden wir häufig schon bestimmte Assoziationen, auch wenn die Person, die sich hinter diesem Namen verbirgt, möglicherweise ganz anders ist. Wie ist es aber für einen Menschen, wenn sein Name nicht zu ihm selbst passt?

Arthur Martin hat einen typisch französischen Namen, den jeder auch noch mit sehr zuverlässigen Küchengeräten in Verbindung bringt. Bahia Benmahmoud hat einen arabischen Namen, doch sieht sie nicht im Geringsten aus wie es ihr Name vermuten lässt. Diese beiden Persönlichkeiten sind die Protagonisten von Der Name der Leute und erleben eine Geschichte über Faschismus, Identität und familiäre Vergangenheit. Arthur ist ein zugeknöpfter Beamter, der stets nach dem Vorsichtsprinzip agiert. Bahia schläft mit Faschisten um sie von ihren politischen Werten zu überzeugen. Zwischen den beiden entsteht eine Dynamik, die sich zu einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte entwickelt. Dabei ist der rote Faden zwar klassisch angelegt, die Inszenierung lässt jedoch kaum das Gefühl aufkommen, etwas in der Art schon einmal gesehen zu haben.
Die Inszenierung ist gleichzeitig die größte Stärke, aber auch das größte Manko des Films. Zwar ist die Handlung durchaus verständlich erzählt, doch die vielen Rückblenden und abrupten Szenenwechsel lassen den Film chaotisch wirken. Das trägt zu seiner Schnelligkeit und Leichtigkeit bei, kann den Zuschauer aber auch überfordern. Die Qualität der Inszenierung ist jedoch ausgesprochen hoch. Die Rückblenden fügen sich in das Gegenwartsgeschehen natürlich ein und besitzen einen besonderen Charme.

© Warner Bros./X-Verleih
Eine Kategorisierung dieses Films fällt mir wirklich schwer. Im Allgemeinen ist Der Name der Leute eine tabulose französische Komödie, aber der Film ist weitaus gehaltvoller. Die humorvollen Momente werden häufig von einer realistischen Schwermut begleitet. Denn obwohl vieles an Der Name der Leute absurd und unglaubwürdig ist, bleibt die emotionale Ebene stets authentisch und nachvollziehbar. Es besitzt durchaus einen eignen Humor, dass ein Film, der sich mit der Kategorisierung von Menschen durch ihre Namen befasst, nur unzureichend in ein Genre eingeordnet werden kann. Der Name der Leute ist in jedem Fall ein sehenswerter, wenn auch chaotischer, Film, den ich jedem ans Herz lege. 

  
© Warner Bros./X-Verleih
BEWERTUNG: 8,0/10
Titel: Der Name der Leute
FSK: ab 12 Jahren freigegeben
Laufzeit: 100 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Autor: Michel Leclerc, Baya Kasmi
Regisseur: Michel Leclerc
Darsteller: Jacques Gamblin, Sara Forestier, Zinedine Soualem, Carole Franck

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