Mittwoch, 8. Juni 2016

"Therapie für einen Vampir" - Vampire zwischen Psyschoanalyse und Beziehungsdramen

© MFA+ / Filmagentinnen


Wien 1932. Der alternde Sigmund Freud, Pionier der Psychoanalyse, hat einen neuen Patienten aufgenommen. Graf Geza von Közsnöm hat alle Lebenslust verloren. In den stets abendlichen Sitzungen klagt er über seine Frau, die er hasst, und über seine erste Liebe, die bereits vor hunderten Jahren verstarb. An diesen wenig dezenten Hinweisen kann man bereits erkennen, dass Graf Geza ein Vampir ist. Durch die Therapie findet Geza eine Frau die seiner ersten Liebe zum Verwechseln ähnlich sieht und ein Beziehungsdrama mit übersinnlichen Elementen entfaltet sich.

"Therapie für einen Vampir“ ist definitiv ein besonderer Film, soviel sei jetzt schon verraten. Die Österreichisch / schweizerische Produktion aus dem Jahre 2014 gibt es seit kurzem kostenlos für Amazon-Prime Kunden und seit mehreren Monaten auf Blu-ray/ DVD. Der Film von David Rühm ist unkonventionell und punktet mit einem unverbrauchten Plot. Leider verspricht hier der Titel mehr als geboten wird. Die Therapie hat nur einen verschwindend geringen Anteil an der Handlung und auch Freud ist nur selten präsent. Viel zu schnell verlagert sich die gut erzählte Story auf klassische Vampirmuster und ergänzt diese nur um eine unterhaltsame Beziehungsgeschichte. Das nimmt dem Film schnell den Wind aus den Segeln, weshalb er ein paar Längen hat.


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Überraschend gut haben mir allerdings die Darsteller gefallen. Tobias Moretti spielt den Graf Geza herrlich unverkrampft und auch die anderen Schauspieler scheinen sichtlich Spaß an ihren Rollen gefunden zu haben. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind doch alle Charaktere irgendwie besonders und auf ihre Art unterhaltsam. Ob es nun der junge Maler Victor (Dominic Oley) ist, oder die von Jeanette Hain gespielte Vampirdame Elsa, sie alle wecken das Interesse des Zuschauers.
Ein weiterer Schwachpunkt des Films sind sicherlich die Bilder und Effekte. Viele Szenen wirken nicht wirklich neu, sind vielleicht sogar als Referenzen auf alte Genreklassiker zu verstehen, langweilen aber den Zuschauer. An den Effekten erkennt man leider das geringe Budget des Films. 
Die Stärke des Films liegt in seinen Dialogen. Diese sind präzise formuliert und tragen den Film.

 "Therapie für einen Vampir“ zeichnet sich durch die unverbrauchte Idee und spannende, witzige Charaktere aus. Leider verfällt er zu schnell in bekannte Muster und kann sich in diesen weder mit den großen Vampirfilmen, noch mit großen Komödien messen. Auch wenn er sich nicht ganz vom Einheitsbrei abhebt, sollte man als Vampirfan mal einen Blick riskieren.

 
© MFA+ / Filmagentinnen
BEWERTUNG: 5,5/10
Titel: Therapie für einen Vampir
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 87 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Autoren: David Rühm
Regisseur: David Rühm
Darsteller: Tobias Moretti, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley, David Bennent, Karl Fischer


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