Sonntag, 19. Juni 2016

"The Hateful 8" – Brutales Kammerspiel im wilden Westen



© Universum Film GmbH & Co. KG


Nachdem Tarantino bisher in jedem Film ein anderes Thema bespielt hat, steht nun mit
"The Hateful 8" augenscheinlich sein zweiter Western in Folge an. Dafür spricht das Setting in Wyoming kurz nach dem Sezessionskrieg und der grandiose Soundtrack von Urgestein Ennio Morricone. Dass dieser Film mit seinem Vorgänger "Django Unchained" jedoch nur wenig gemein hat, dürfte dem Zuschauer bereits nach einigen Minuten klarwerden.

Die Handlung ist schnell erzählt. Der von Kurt Russel verkörperte Kopfgeldjäger John Ruth befördert die Mörderin Daisy Domergue nach Red Rock. Aufgehalten von einem schweren Schneesturm müssen sie jedoch in einem Miederwarenladen aushalten und sehen sich mit einer Vielzahl von absurden Charakteren konfrontiert. Eine spannende Handlung um Vertrauen und Verrat entfaltet sich. Diese wird vor allem durch die räumliche Enge fantastisch unterstützt. Fast die gesamte Handlung spielt in der kleinen, dunklen Hütte, an ein Rauskommen ist beim Schneesturm nicht zu denken. Das lässt die Anspannung für den Zuschauer nur noch intensiver werden. Die Liste der Darsteller liest sich dabei wie das who-ist-who der Schauspielelite. Samuel L. Jackson, Channing Tatum, Tim Roth und Michael Madsen sind nur ein Bruchteil der gewaltigen Anzahl talentierter Darsteller, die im dialoglastigen Film voll auftrumpfen können. Einzig der von Tim Roth verkörperte Oswaldo Mobray erinnert zu oft an, den in "Django Unchained" von Christoph Waltz verkörperten, Dr. King Schultz

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Da hören die unangenehmen Ähnlichkeiten zu ""Django Unchained" zum Glück schon auf. Denn abseits dieses Charakters und der generellen Rassismus-thematik, die in The Hateful 8 mitschwingt, geht es hier zu Beginn wesentlich ruhiger zu. Die Farbfilter und moderne musikalische Begleitung von "Django Unchained" weichen klaren, ruhig abgefilmten Bildern mit einem klassischen Western-Soundtrack. Es wird noch mehr Wert auf gut geschriebene Dialoge gelegt, die auch wirklich fesseln und unterhalten. Tarantino gelingt es in den ersten 120 Minuten seines fast drei stündigen Epos mit recht wenig Action den Zuschauer zu interessieren. Er verzichtet zu Beginn auch auf die für ihn klassische überzogene Brutalität, so dass die dort vorkommende Gewalt wirklich hart und unangenehm wirkt. Leider ändert sich das im letzten Drittel grundlegend. Wo für Tarantino-Fans nun der erhoffte Gewaltexzess beginnt, tritt für manche die Langeweile auf den Plan. Tarantino ist ein Meister seines Fachs und die Action ist sehr gut abgefilmt und unterhält, bricht aber leider auch mit dem kompletten Rest des Films. Wo der Film am Anfang eher an Tarantinos "Reservoir Dogs" erinnert, verkommt er gegen Ende hin leider zu einem zweiten "Inglorious Basterds".

The Hateful 8 besticht durch seine wunderbar geschriebenen Charaktere und die markigen, spannenden Dialoge. Er leidet aber unter seiner Länge und wird zum Ende hin zu sehr zu einem überzogenen Tarantino-Actionfilm. Daran wäre nichts Schlechtes, wären die ersten zwei Drittel nicht grundlegend anders aufgebaut. Zur DVD ist noch zu sagen, dass leider keine englischen Untertitel dabei sind. Da wird der Originalton, gerade bei den teils schwer verständlichen Dialekten, leider zu einer unnötigen Herausforderung. Für Fans von Quentin Tarantino ist "The Hateful 8" eine Empfehlung. den Rest der Zuschauer würde ich aber lieber an Klassiker wie "Reservoir Dogs" oder "Pulp Fiction" verweisen wollen.


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 BEWERTUNG: 6,5/10

Titel: The Hateful 8
FSK: ab 16 Jahren freigegeben
Laufzeit: 167 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Autor: Quentin Tarantino
Regisseur: Quentin Tarantino
Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russel, Michael Madse, Channing Tatum, Tim Roth, Jennifer Jason Leigh






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