Montag, 6. Juni 2016

Sex, Kumpels und der Ernst des Lebens - "Everybody Wants Some!!"


IM KINO! ©Constantin Film


Die Kindheit – und damit einhergehend die Adoleszenz – hat es Filmemachern angetan. Vor allem Richard Linklater widmet sich gerne dieser bedeutenden Lebensphase eines jeden Menschen. Schon  in den 90ern schuf er mit „Dazed and Confused“ ein aufsehenerregendes Werk über amerikanische Teenager und lieferte 2014 das von Kritik und Publikum gleichermaßen geliebte Experiment „Boyhood“. Coming Of Age ist also ein treibender Faktor hinter dem Schaffen Linklaters. Kein Wunder, dass „Everybody Wants Some!!“ ein Sequel im Geiste dieser Werke ist.


Der Film begleitet eine Gruppe von College-Studenten, die von der großen Baseball-Karriere träumen. Das Besondere: Während andere Filme die Spiel- und Schulzeit ihrer Protagonisten beleuchten, fängt „Everybody Wants Some!!“ vier Tage vor Schulbeginn an. Er befindet sich genau an der Trennlinie des unbekümmerten Schullebens hin zum Pfad des Erwachsenseins. Wichtige Entscheidungen stehen an, durchbrechen allerdings noch nicht die Omnipotenz der Jugend, das Träumen unter der Sonne. Die Gruppe um Pitcher Jake denkt nicht an morgen, sondern bloß von einer Party zur nächsten. Weiber aufreißen, Party, Weiber aufreißen und manchmal beides zusammen.
 
©Constantin Film
Dementsprechend schwer fällt es, dem Treiben zuzuschauen. Linklater verweigert sich jeglichen dramaturgischen Konventionen. „Everybody Wants Some!!“ erinnert eher an eine Momentaufnahme, ein kurzes Innehalten, bevor das eigentliche Leben beginnt. Dementsprechend gibt es keinerlei Entwicklung der Figuren und wenn, dann wird sie lediglich angerissen oder für die Zukunft angedeutet. Das ist von Linklater absolut gewollt, doch nach der gefühlt hundertsten Anmache samt unfassbar sexistischer Sprüche, hat der Zuschauer genug. Der Begriff „Sausage Party“ trifft es da ganz gut. Schließlich kommt die weibliche Perspektive kaum zum Tragen.


Erst in Hälfte zwei deutet sich der Masterplan Linklaters an und fängt an Spaß zu machen. Hier und dort reflektieren die Figuren ihr Verhalten, das zu Beginn schwer auszuhaltende Aufplustern vor den Frauen – wie passend, dass sie eine Frau, die deren Avancen kontert als Lesbe bezeichnen – offenbart einen Sinn: Sie sind noch jung genug Sorgen zu ignorieren, aber alt genug, sie bedrohlich am Horizont aufsteigen zu sehen. Das macht Hälfte eins nicht weniger nervig, doch aus „Everybody Wants Some!!“ einen wesentlich besseren Film. 


©Constantin Film
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Everybody wants some!!
FSK; ab 12 freigegeben
Laufzeit: 117 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor/Regisseur: Richard Linklater
Darsteller: Blake Jenner, Ryan Guzman, Juston Street, Tyler Hoechlin, Zoey Deutch, Austin Amelio







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