Sonntag, 26. Juni 2016

"Er ist wieder da" - Hihihi, er hat Hitler gesagt!


© Constantin Film
2012 erhitzte Timur Vermes mit seinem Debütroman "Er ist wieder da" die Gemüter und stürmte die Bestsellerlisten. 2015 kam dann auch eine Verfilmung des Materials in die Kinos, welche seit einiger Zeit auf DVD/Bluray/VOD erhältlich ist. Doch ist "Er ist wieder da" in seiner Verfilmung immer noch die Satire, welche von Kritikern missgünstig beäugt und von Lesern geliebt wurde?
Die Handlung beginnt bei Vorlage und Film gleich. Adolf Hitler erwacht im modernen Berlin-Mitte. Er trägt noch seine Uniform, auch wenn diese etwas nach Benzin stinkt. Wie er dorthin gekommen ist, weiß er nicht und auch die Kinder, die ihn finden, sind keine Hilfe. Ab hier löst sich der Film bereits vom Buch und damit beginnen die Probleme. Die Mischung aus Mockumentary und Spielfilm sorgt schon in den ersten Minuten für Logiklöcher, die unangenehm auffallen. Die veränderte Geschichte wirkt noch unglaubwürdiger, als die Handlung der Buchvorlage. Man kann aber auch nicht von einer Vereinfachung des Materials sprechen, es wird eher konfuser und keineswegs spannender.
Der Plot und die Darsteller, sind jedoch nicht das Hauptproblem des Films. Jeder Schauspieler leistet ansich gute Arbeit. Christoph Maria Herbst zeigt jedoch allein in einer Szene des Films, warum er die bessere Wahl für die Rolle des Adolf Hitler gewesen wäre. Nicht ohne Grund sprach er die Hörbuchfassung der Vorlage.

© Constantin Film
Das größte Problem sind Hitlers Dialoganteile. Abseits der aus der Vorlage übernommenen Monologe verblasst Hitler völlig. Zu passiv und unideologisch agiert er in den Mockumentary-Szenen. Zu häufig wirkt er wie der Sorgenonkel besorgter Bürger und lässt leider nur an einer einzigen Stelle den perversen Charakter seines Denkens durchscheinen. Die intelligente aber durchweg krankhafte Art seines Handelns und Agierens, die im Buch noch in jedem Moment erkennbar ist, wird hier gerade mal gestreift. Auch beweisen die Macher an essentiellen Stellen des Films ihre Unkenntnis über den Charakter, den sie satirisch darzustellen versuchen.

"Er ist wieder da" polarisiert allein aufgrund seiner Thematik. Der Film schafft es jedoch, derart sorglos mit ihr umzugehen, dass ihm jegliche Tiefe abhanden kommt. Der Versuch gegen Ende noch einmal per Holzhammer klar zu machen, dass Hitler böse war, ist grobschlächtig und entfaltet keinerlei Wirkung. Am Ende bleibt eine Hitler-Satire, die nicht mehr als 3-4 gute Szenen zu bieten hat. Zuschauer, die einmal über den rechten Unsinn lachen wollen und Menschen die sich eine moralische Lehre erhoffen, werden von "Er ist wieder da" enttäuscht werden. Ich verweise hier lieber auf das (Hör-)Buch, welches jeden Cent der ursprünglich 19,33€ wert ist.
  

© Constantin Film
BEWERTUNG: 2,0/10
Titel: Er ist wieder da
FSK: ab 12 Jahren freigegeben
Laufzeit: 116 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Autor: Mizzi Meyer, David Wnendt
Regisseur: David Wnendt
Darsteller: Oliver Masucci, Fabian Busch, Katja Riemann, Christoph Maria Herbst, Michael Kessler

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