Donnerstag, 23. Juni 2016

Ein Partyrausch, der ewig währt - "Cafe Belgica"


AB 23. JUNI IM KINO! ©Pandora Filmverleih

Das Medium Film ermöglicht ein Verschmelzen von Musik und (Bewegt-)Bild wie kaum ein anderes. Regisseure nutzen Filmmusik um die Wirkung ihrer Geschichte zu intensivieren, Stimmungen zu erzeugen oder Gefühle zu instrumentalisieren. Kaum jemand hat dieses Prinzip so verinnerlicht wie Felix Van Groeningen. Schon im gefeierten „Broken Circle“ koppelte er das Schicksal seiner Protagonisten an ihre Musik. Er setzte sie nicht nur ins Zentrum eben jener sondern ließ sie diese selbst spielen und singen. Mit „Cafe Belgica“ wählt Van Groeningen einen etwas anderen Weg. Der Film folgt dem Schicksal eines Bruderpaares, das vom eigenen Club in der Stadt träumt. Sie sind also nicht selbst die Musikerzeuger, bieten allerdings die Bühne dafür.


Und wie schon in „Broken Circle“ verbindet sich diese mit dem Storyverlauf, bis das eine ohne das andere nicht mehr sein kann. Wer den Schlüssel zu den Figuren bloß in ihren Dialogen und Handlungen sucht, wird ihn nicht finden. Viel eher geben die kongenial eingesetzten Musikstücke Aufschluss über deren Innenleben. Die Lyrics verweisen auf die Konflikte, ein stummer Blick der Brüder wird durch einen Song bedeutungsschwer. Das ist in seinen besten Momenten derart elektrisierend und einnehmend, dass sich der Leerlauf an manchen Stellen im Dunstkreis des Schweißes fast auflöst.

©Pandora Filmverleih
Es macht Spaß im Belgica zu verweilen, die schwitzenden Leiber tanzen, den Alkohol in Strömen fließen zu sehen. Das Belgica steht für Freiheit, ein Ort fernab gesellschaftlicher Zwänge, wo Regeln auf dem Bürgersteig zurückbleiben und drinnen, in schummrigen Ecken und glitzernden Tanzflächen, neu interpretiert werden.  „Cafe Belgica“ ist gleichsam ein Familiendrama wie es auch die Chronik einer Szenekultur ist, in der alles möglich ist. Eine Kultur, deren Bestandteil man gewesen sein muss um sie zu verstehen, in der das Erlebnis selbst den Gedanken an den Kater am Morgen vertreibt.

Die Band Soulwax erschafft mit der Filmmusik zu „Cafe Belgica“ ihr Meisterstück. Von Techno über Rap bis hin zu Punkrock und Live-Kunstperformances. Im Belgica läuft jede Art von Musik und diese werden durch die Fake-Bands – denn jeder Song stammt aus der Feder von Soulwax – hervorragend verkörpert. Der Sound vermischt mit der flirrenden Kamera zu einem Rausch, der genügend Zuschauer vor den Kopf stoßen, aber auch genauso viele ins Geschehen hineinziehen wird. „Cafe Belgica“ ist wie ein Abend in deinem Lieblingsclub – laut, auslaugend und gleichzeitig erfüllend und belebend. Zum Teufel mit den Miesepetern, die auf den nächsten Morgen verweisen. Man will schließlich gelebt haben. 

©Pandora Filmverleih
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Cafe Belgica
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 127 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Felix Van Groeningen, Arne Sierens
Regisseur: Felix Van Groeningen
Darsteller: Stef Aerts, Arne Sierens, Tom Vermeir, Dominique Van Malder, Sara De Bosschere







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