Freitag, 3. Juni 2016

Der Konkurrenz voraus - "X-Men: Apocalypse"



IM KINO! ©20th Century Fox
Der Superheldenboom schreitet voran. Unaufhaltsam wie eine Dampfwalze begräbt er die Konkurrenz unter sich und erstickt alles unter einem Mantel aus Konformität und Gleichförmigkeit. Während Marvel mit den Helden des MCU Rekordgewinne einfährt, steckt in den „X-Men“-Verfilmungen von Bryan Singer noch der Wille, sich dem Massengeschmack nicht unterzuordnen. Das Universum der X-Men ist im besten Sinne bunt, traut sich jedoch gleichzeitig wuchtige Dramatik zu. So war es im letzten Teil „Days From Future Past“ und so ist es auch in „Apocalypse“. 

Regisseur Singer, der mit „X-Men 1“ und „X-Men 2“ vor 16 Jahren den Boom einläutete, beschließt die neue Trilogie mit einem Knall. In „Apocalypse“ geht es um nichts weiter als das Ende der Welt durch einen Antagonisten, der sich gewaschen hat. Oscar Isaac gibt den Ursprung aller Mutanten als jähzorniger Reservist der Blue Man Group. Zwar versteckt sich das Gesicht des Talents unter Tonnen blauer Schminke, doch tut das seiner Wirkung auf den Zuschauer keinen Abbruch. Die modifizierte Stimme in Verbindung mit seinen Kräften sorgt für Freude, sobald er seinen Auftritt hat. 

Auf Seiten der „normalen“ Mutanten schlägt „Apocalypse“ seine Brücken zu dem 13 Jahre älteren „X-Men 2“ erstaunlich gut. Die vielen Querverweise machen Spaß und fügen sich nahtlos in das Geschehen ein. Zu den jungen Versionen rund um Charles Xavier (James McAvoy), Magneto (Michael Fassbender) und Mystique (Jennifer Lawrence) gesellen sich weitere alte Bekannte des „X-Men“-Universums. Hier vertraut Singer ganz der Gruppendynamik, die völlig funktioniert. Die Gags sind an den richtigen Stellen platziert und wechseln sich ab mit Dramatik und Spannung. 
©20th Century Fox

Besonders gelungen sind die vielen charakterbezogenen Momente, die „Apocalypse“ weit über die kürzlich gestartete Konkurrenz hebt. Die Konflikte der Figuren sind greifbar, deren Entscheidungen fordern ernste Konsequenzen. Erstaunlicherweise beißt sich das nur selten mit den comichaften Kostümen, die insbesondere Psylocke zum bloßen Eye Candy verkommen lassen. Erst zum Finale hin erliegt „Apocalypse“ dem Mantra des heutigen Blockbusters. Höher, schneller, weiter im Getümmel des CGI-Gewitters –  die Opfer in der Zivilbevölkerung völlig aussparend und sich eher auf Schauwerten ausruhend. Dieser kleine Ausrutscher sei einem ansonsten unterhaltsamen und ausgeglichenen Film gegönnt. 

Wer also vom Gleichschritts-MCU angeödet ist und die Hoffnung auf Superheldenfilme nicht aufgegeben hat, könnte hier fündig werden. Singer weiß etwas mit seinen Darstellern und Figuren anzufangen, gibt ihnen genügend Raum für Charakterentwicklung und Konflikte. Allerdings ist nicht gesichert, ob der ewige Konflikt zwischen Xavier und Magneto noch weitere drei Filme tragen wird. Erzählerisch müssen die X-Men aufpassen, nicht auf der Stelle zu treten. Doch das gilt alles für die Zukunft – solange lässt es sich prima mit der neuen Trilogie leben. 

©20th Century Fox
 BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: X-Men: Apocalypse
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 145 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Simon Kinberg
Regisseur: Bryan Singer
Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Sophie Turner, Nicholas Hoult, Oscar Isaac, Rose Byrne, Evan Peters, Kodi Smit-McPhee, Olivia Munn, Hugh Jackman





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