Dienstag, 7. Juni 2016

Coole Kommissare, uncooler Fall: "Tatort: Wir - Ihr - Sie" aus Berlin

©ARD
Louisa Müller (Cosima Henman) ist zum Heulen zumute. Ihr Vater Thorwald (schweigt diesmal viel, macht das trotzdem einmal mehr sehr gut: Thomas Heinze) klaut ihr das mobile Endgerät, scheitert anschließend aber am Versuch, den Sicherheits-Pin zu entschlüsseln. Doof, er ist schließlich Jurist und wollte nur mal schauen, ob seine Tochter unschuldig ist. Vorher hatten die Müllers nämlich Besuch von Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Und die sind von Beruf: Kommissare.


In der Hauptstadt gingen sie nun zum dritten Mal auf Mörderjagd. Der Fall wurde von Autorin Dagmar Gabler auf den Namen "Wir - Ihr - Sie" getauft. Gestorben ist die Mutter von Ben Werner (Béla Lenz), kaltblütig im Parkhaus der Arkaden am Potsdamer Platz überfahren. Mit dem Jeep von der Geliebten von Bens Vater (Steffen Münster), die heißt Birgit Hahne (Valerie Koch), ist irgendwann mal vom rechten Lebensweg abgekommen und scheidet sofort aus dem Kreis der Verdächtigen aus. Die simpelste Lösung ist eben nie die richtige. Stattdessen rücken Louisa und ihre beiden Freundinnen Charlotte (Netter Nachname: Valeria Eisenbart) und Paula (Emma Drogunova) ins Visier der beiden Ermittler...
Heinze (l.), Henman (2. v.l.), Becker und Waschke ©RBB/Frédéric Batier

Der unter der Regie von Torsten C. Fischer (zuletzt Narben) entstandene Film ist eine rasante, rabiate Angelegenheit. Was aber eher weniger am wenig eindrucksvollen Kriminalfall liegt, sondern vielmehr an den beiden Ermittlern. Karows Vergangenheit begleitet uns ja schon durch alle bisherigen Fälle, horizontal erzählt wird die Story über seine mögliche Täterschaft im Mordfall an seinem ehemaligen Partner seit der Premiere "Das Muli".  Schon letztes Mal standen uns die Macher eine Rückblende zu, um kurz klar zu machen, was vor einigen Monaten nochmal los war. Und auch diesmal starten die 90 Minuten mit einer Rückblende in die Vergangenheit. Hilft jedoch nur bedingt.

Nach dem kurzen Zwischenschnitt auf den Mord der Woche im Parkhaus, wird Karow also aus der U-Haft entlassen. Ein Video, das ihn im eindeutiger Pose mit einem Freier zeigt - Schwulensex im Tatort, nach nur wenigen Minuten? Ja, gibt's denn sowas... -, entlastet und entlarvt ihn gleichermaßen. Diesmal wird das für ein paar blöde Sprüche im Präsidium genutzt, in der die Kollegen beim gemeinsamen "Sexvideo Public Viewing" um die Wette gackern und lästern. Karow kommt rein, stellt den Haupt-Gackerheini Steinke (Tim Kalkhof) direkt in feinster Karowschen Manier cool kalt. Schöner Beginn.

Die erste coole Sau: Karow ©RBB/Frédéric Batier
So bleibt's auch. Karow geht seinem eigenen Fall auf die Spur, kidnapped kurzerhand Leute, um seine eigene Unschuld herauszustreichen. Mitten in Berlin oder auch mitten im Präsidium "bucht" er vermeintliche Sex-Dates, nachts vertreibt er sich die Zeit in Schwulen-Etablissements (rein beruflich!). Zeit für coole Sprüche á la "Primaten mit Penetrationsangst" (in Richtung der Kollegen) oder furztrockene Sprüche zu den verdächtigen Mädels ("Habt ihr Gas- und Bremspedal verwechselt?") hat er dazu auch noch. Waschke macht aus Karow weiter zwar eine Figur mit vielen Fragezeichen und Geheimnissen, man kommt auch nicht so recht hinterher mit all den Figuren, mit denen er sich so trifft in Berliner Nächten, aber er macht aus dem Kommissar eine coole Sau.

Und die andere: Rubin ©RBB/Frédéric Batier
Das gilt im Übrigen auch für seine Kollegin. Sie hat Probleme mit dem Sohn, dessen Bar Mizwa ansteht. Ihr Ex steht definitiv höher in der Gunst des Jungen, der nachts lieber vor Ballerspielen hängt, als sich mit der Mutter zu unterhalten. Sie sei ja eh nie da. Also beginnt Rubin folglich wieder nachts zu trinken und sich selbst zu feiern in der eigenen Bude. Auch sie ist - zumindest auf eigentümlicher Art und Weise - eine coole Sau. Da haben sich zwei gefunden, die sich sogar jetzt duzen. "Wir sollten uns duzen: Ich bin Robert!" Ob Nina wohl erwidern wird?

Leider ist aber auch der Fall noch da. Schnell ist klar, dass einer der drei jungen Girls die Täterin ist. Der Film prangert (mal wieder) den Internet- und Handykonsum an, auf dessen Kosten auch die Beziehungen zu den eigenen Erzeugern zu leiden hat. Die Eltern sind sich derweil sicher, dass die Mädchen nicht kriminell seien. Entfremdung findet auf allen Ebenen statt. Die Eltern verstehen die Kinder und die Welt nicht mehr, die Kinder finden sich bloß in ihrer eigenen Welt wieder.

©ARD
Wirklich neu oder spektakulär ist das aber irgendwie nicht. Daher gilt für den letzten Fall vor der Sommerpause folgendes Credo: Ermittler cool, Fall eher nicht so.

BEWERTUNG: 07/10
Titel: Tatort: Wir - Ihr - Sie
Erstausstrahlung: 05.06.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Torsten C. Fischer
Darsteller: Mark Waschke, Meret Becker, Carolyn Grenzkow, Emma Drogunova, Cosima Henman, Valeria Eisenbart u.v.m.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen