Dienstag, 17. Mai 2016

Der Tod kommt aus dem Kran: Bremen ist dem Untergang geweiht - "Tatort: Der hundertste Affe"

©ARD
Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren: Der Planet ist seit dem Juni des vergangenen Jahres noch immer nicht gerettet. Damals bekamen es Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Kollege Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) bereits mit wildgewordenen Umwelt-Liebhabern und bösen Konzernen zu tun. Und weil es damals noch nicht reichte, dürfen sie das halt nochmal machen. Wäre ja auch zu kompliziert für eine kleine Sendeanstalt wie Radio Bremen in so einem kleinen Bundesland wie Bremen sich mal anderen Thematiken zu widmen. 


 

Herausgekommen ist daher, nun, ja, was eigentlich? Ein hektisch geschnittener Tatort namens "Der hundertste Affe", der ein respektables Tempo vorgibt und immer wieder: Zeitansagen in Schriftform. So wie bei "24", nur irgendwie halt nicht so gut. Nett gemeint ist das alles, auch der Erzählstil überrascht positiv zu Beginn, gleich mal mit einer Rückblende einzusteigen, doch das x-te "Eine Stadt hat Angst und eine Katastrophe muss verhindert werden"-Szenario will nicht so recht fesseln. Dazu erfahren wir zu wenig, was wir vorher noch nie erfahren hätten, dafür gibt's zu viele typische 0815-Figuren vom Reißbrett, und als dann in Bremen tatsächlich irgendwann das große Sterben beginnt, ja, da ist einem das irgendwie auch egal. Bremen in Gefahr - das soll so sein, wirkt aber nur vorgeheuchelt. Schade.


Bei diesem Tatort gucken immerhin auch die Schauspieler dumm aus der Wäsche...©Radio Bremen/ARD Degeto
Womöglich sollen wir gleich nach Mali fliegen, dort Videos drehen von illegalen Pestizid-Einsätzen, dann wieder nach Deutschland reisen und in einer Stadt das Grundwasser verunreinigen mit eben jenen Pestiziden. Womöglich sollen wir aber auch einfach irgendwas anderes tun. Uns fürchten vor der unterschätzten Gefahr namens Sprinkleranlage - tue ich sowieso schon - oder aber Frauen anhimmeln, die beim BKA arbeiten. Denn die schütteln keine Hände und sind dann die besten, wenn man sie in Ruhe lässt. Vielleicht sollten wir uns aber auch alle auf den Namen Barnaby Metschurat taufen lassen (ja, da war doch was), weil wir selbst dann verdammt cool dabei aussehen, wenn wir überzeichnete Polizeichefs mit Kaffee (Arabica!) im Koffer spielen.

Liebe Freunde, ich weiß es wirklich nicht, ob ich jetzt schreiend in den Keller rennen muss und dort alle Wasserkräne abstellen sollte. Kann ja kommen, die neue Terror-Gefahr namens Wasser. Ich weiß nur: Konzerne, die mit Saatgut handeln und irgendwas mit Pestiziden am Hut haben, das sind alles Mörder (gähn). Und ich weiß jetzt ebenfalls: Hütet euch vor Klapprädern, vor U-Booten und denkt, verdammt nochmal, an Laptop-Kameras in den Polizeipräsidien! Die kann man hacken, genauso wie man alles hacken kann in Polizeipräsidien (kann man bestimmt wirklich, geschenkt) dieses Planeten. Besonders in Bremen. So. Genug geschwafelt, bringen wir's hinter uns. 


Der Terrorist von heute manipuliert Wasserleitungen! ©Radio Bremen/ARD Degeto
Also dann: Im elften Florian Baxmeyer-Tatort aus Bremen (Buch: Christian Jeltsch, u.a. Hundstage) geht es wie im Vorgänger um die Rettung der Umwelt. Diesmal sehen wir dabei zu, wie sich die beiden Kommissare freuen. In 28 Stunden einen Fall gelöst, herrlich, dazu ein schöner Sommersonntag. Könnte es Schöneres geben? Zeit fürs Freibad, freut sich Stedefreund. Ha! Nichts da, Bulle. Denn im Freibad stirbt alsbald eine Frau an einem Schock - blutrote Lebensmittelfarbe kam aus der Dusche...ich sage es ja schon seit geraumer Zeit: Duschen ist lebensgefährlich -, die Polizei wird erpresst, ein inhaftierter Wissenschaftler namens Render (Manfred Zapatka) soll freigepresst werden, sonst drohe Unheil. Zeit für einen Krisenstab mit allerhand überzeichneter Figuren, die da wären: Werner Wölbern als KvD (Kommissar von Dienst, Tatort-Dauergast), ein schwitzender Staatsrat (Johannes Allmayer), dessen Frau ihm neue Klamotten rauslegen soll, und eben jener Metschurat als Polizei-Chef. Viel zu cool, viel zu besessen davon, Herr im Ring zu sein, und er spielt Jojo - fortwährend! Kein Wunder, dass es da schnell mal kracht im Präsidium.


"Jetzt red' doch endlich!" ©Radio Bremen/ARD Degeto
So, weiter im Text. Wisschenschaftler Render sitzt im Kittchen, weil er gegen den Konzern von Rolf Brosig (Knut Berger) aussagen soll. Aber er will nicht. Darf er nicht. Wird sonst teuer. 10 Millionen. Ach, da passiert nichts, sagt Lürsen. Render glaubt das nicht. (Ich übrigens auch nicht.) Render soll aussagen, auspacken, über dunkle Machenschaften, die in Mali geschahen. Mit dem Einsatz von giftigen Pestiziden hat Brosigs Biotech-Konzern wohl viele Menschen auf dem Gewissen. Hat eine Umwelt-Terror-Gruppe um Luisa (Friederike Brecht), Dabo (Jerry Hoffmann) und Sven (Frank Pätzold) jedenfalls herausgefunden. Und bevor Render nicht auspackt, bevor nicht alles auf den Tisch kommt, ja, vorher muss Bremen durch die wohl düstersten Stunden der Neuzeit durchleben. Denn: Auch die dreisten Drei haben giftige Pestizide. Tonnenweise. Und sie drohen, das Grundwasser zu verunreinigen. Na, wird's eng im Schritt? Hochspannende Thematik, oder? 

Und um nochmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Was nehmen wir mit aus diesen 90  Minuten? Die Umwelt zu verpesten, das ist nicht gut, besonders wenn irgendwo am Ende der Welt Menschen ihr Leben lassen? Stimmt. Aber: Gleich dafür eine ganze Stadt in Angst zu versetzen? Nein, das kann es ebenfalls nicht sein. Was denn dann? 


©ARD
Vielleicht sollten wir es einfach machen wie die vom BKA hinzugezogene Ermittlerin (Luise Wolfram), die überall alleine auftaucht - ist nicht das einzig völlig Unplausible dieses Tatorts - und überall alleine alles machen darf, ist ja schließlich vom BKA, die Gute. So kann sie nämlich die Welt irgendwie doch retten. Ohne dabei gestört zu werden. Darauf jetzt erstmal ein Glas Wasser - aus der Flasche. Sicher ist sicher.


BEWERTUNG: 2,0/10
Titel: Tatort: Der hunderste Affe
Erstausstrahlung: 16.05.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Florian Baxmeyer
Darsteller: u.a. Sabine Postel, Oliver Mommsen, Werner Wölbern, Barnaby Metschurat

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen