Montag, 18. April 2016

Schöner langweilen im Grenzgebiet: "Polizeiruf 110: Der Preis der Freiheit"

©ARD
Ende 2016 hört TV- und Radio-Seelenklempner Jürgen Domian bekanntlich auf und beinahe hätte sich Maria Simons Kommissarin Olga Lenski als seine Nachfolgerin ins Spiel gebracht. Doch am Ende vom zweiten Brandenburg/Polen-Polizeiruf "Der Preis der Freiheit" misslingt ihr die Telefon-Seelsorge, es kommt dann doch noch zum großen Schlussakkord, dem großen Wumms und Shitty End (das Gegenteil von Happy End, habe ich mir gerade ausgedacht, wer's verzweifelt googlen möchte).

Vorher überwiegt leider in der von Stephan Rick inszenierten Episode der Schatten - in vielerlei Hinsicht. Denn dieses Grenzgänger-Polizeiruf-Projekt - Simon ermittelt gemeinsam mit Lucas Gregorowicz, der Lenskis polnischen Kollegen Adam Raczek mimt - spielt in der aktuellen Ausgabe mit seiner Landschaft. Wir sehen die deutsch-polnische Landschaft im Hellen, wir sehen sie im Dunklen, wir sehen Moor-Landschaften (?), wir sehen Nebelschwaden, wir sehen Grün, ja, wir sehen alles - nur Spannung, die wird hier eher in einem übersichtlichen Maß serviert. Wie auch schon im Premieren-Fall schleppt sich der Kriminalfilm durch einen Plot (Buch: Michael Vershinin), den man schon vierundzwanzigtausend Mal gesehen hat. Und zumeist besser.
Einen Kaffee hat er, der gute Adam Raczek. Ist auch unbedingt zu empfehlen bei der Sichtung seiner Mord-Ermittlungen...©RBB/Christoph Assmann

Wenn es nämlich mal nicht darum geht, die Landschaft nahe Frankfurt (Oder) ins rechte Licht zu rücken, da sehen wir Gangster, die fies aussehen und weiße Lieferwagen steuern. Wir merken schnell, wer hier böse ist - und wer eben nicht. Dazu gibt's dann die standesgemäße Leiche, eine Polizistin, die von einem schwarzen SUV zu Tode gecrasht wurde. Und wer jetzt eins plus eins zählen kann, der wird wissen, was dann kommt: Korruptistan. Oliver Bröcker spielt den Kollegen der Toten, der in Verdacht gerät, weil er eben zum Todeszeitpunkt nicht mit im Streifenwagen unterwegs war. Er ist aber eben nicht der geliebte Bulle von nebenan, sondern eher ein korruptes Schwein. Klaro.

Und die tote Polizistin ist, wie es der verdammte Zufall nun mal so will, auch verwandt mit dem Chef der deutsch-polnischen Ermittlungstruppe (Robert Gonera). Das darf aber niemand wissen, wäre ja blöd, wenn der Fall dann nicht mehr in den Händen Lenskis und Raczeks läge. Und dann schleppt sich's so durch 90 Minuten. Dazu gesellen sich noch krude Bürgerwehren, alte Frauen, die junge Ausländer im Stroh verstecken, und Jugendliche, die mit grünem Laser spielen. Wer noch nicht genug gegähnt haben sollte in seinem Leben, dem sei Ricks Streifen ans Herz gelegt. Hilft bestimmt.
Man beachte den schmucken Gartenzaun! Schönes Grün mit dezenten Brauntönen. Und im Hintergrund: Diese Landschaft. Superb! ©RBB/Christoph Assmann

Wohltuend könnte da aber vielleicht das Team wirken - tut es blöderweise auch nicht. Hatte man sich im ersten Fall noch etwas mehr gewünscht als eine bloße Fragenstellerin Lenski, so wird man zwar erhört - Lenski singt ihren Nachwuchs ins Bett! -, aber wirklich viel Neues erfährt man nicht vom Gespann Lenski/Raczek. Außer ein bisschen Landes-Aufklärung vielleicht. Auf die Frage, wer denn beim lieben Adam die Kinder zu Bett bringt, da antwortet dieser süffisant:"Ich bin Pole, das macht meine Frau." Ob das wohl nun eine Staatsaffäre auslöst?

Man wird sehen. Das war's allerdings auch wieder, wer dieser Raczek ist, mal abgesehen vom weiterhin überaus charmanten Motorrad-Brauser, das wird sich irgendwann mal zeigen. Möglicherweise. Der supersympathische Gerichtsmediziner der Premiere ist indes auch bereits wieder Geschichte, dafür plagt sich - und das ist wirklich bezeichnend, wenn sich so etwas als Highlight eines Kriminalfilms entpuppt - Büro-Polizist Wolfgang (Fritz Roth) immer noch mit Speedy herum, dem Revier-Hund. Ihn bezichtigt er des Käsestullen-Diebstahls - zu Unrecht, wie sich heraus stellt. Es gab sicherlich größere Lacher in der Sonntagskrimi-History, ein kurzes Grinsen kann man sich trotzdem nicht verkneifen bei der Causa "Wolfgang und der Pausenbrot-Räuber".

©ARD
Obendrein wird zwischendurch spannende Geschichts-Aufklärung betrieben: Drei-Viertel aller Handabdrücke in steinzeitlichen Höhlen stammten von Frauen. Weil die Männer jagen waren. Eine sagenhafte Erkenntnis. Oder?

BEWERTUNG: 3,0/10
Titel:Polizeiruf: Der Preis der Freiheit
Erstausstrahlung: 17.04.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Stephan Rick
Darsteller: u.a. Maria Simon, Lucas Gregorowicz, Fritz Roth, Oliver Bröcker, Enno Trebs




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