Montag, 21. März 2016

Nur noch kurz die Welt retten: Thorsten mit H in „Tatort: Zorn Gottes“


©ARD
Die Thematik hätte kaum aktueller gewählt werden können: Ein gesuchter IS-Heimkehrer (Cem-Ali Gültekin) schleust sich an Polizei und Staatsgewalt vorbei ins Land. Der IS-Heimkehrer hört auf den Namen Enis Günday und gilt als brandgefährlich. Denn jener Enis ist Anführer – oder zumindest Mitglied - der fiktiven Braunschweiger Brigade, einer Dschihadisten-Truppe, die mehr auf Krieg als auf Frieden aus ist. Ein Szenario, das derzeit nicht ganz so weit hergeholt erscheint.

Abeeeeer: Wir brauchen keine Angst haben. Nein, wirklich nicht. Dschihadisten planen Anschläge mit Kreidezeichnungen auf dem kalten Fußboden, es benötigt bloß zwei Bundespolizisten, um Terroranschläge zu beenden und überhaupt: Auch Terroristen sind nur Menschen. Glaubste nicht? Glaubste doch, spätestens seit Sonntag. Da lief der neue Tatort mit Wotan Wilke Möhring. Und wer schon immer mal heimlich Tunnel graben wollte, der sollte sich in diesen Tatort noch einmal ganz genau anschauen.
Thorsten (mit H!) Falke rettet mal kurzerhand eben die Welt! ©NDR/Marion von der Mehden

Denn am Flughafen Hannover, wo es Möhrings Kommissar Falke (Vorname Thorsten - Thorsten mit H!) in „Zorn Gottes“ hin verschlägt, kann man ganz unbemerkt Tunnel bauen. Einfach so. Mitten in unbedeutenden Lüftungs-Räumen. Dazu muss man sich dort – jedenfalls im Tatort-Universum – bloß um eine Stelle als Ramp-Agent bewerben.

Rocky Kovac (Christoph Letkowski), vermutlich weder verwandt noch verschwägert mit den neuen Trainern der Frankfurter Eintracht, hat dies getan. Zusammen mit seinem ebenfalls im Flughafen arbeitenden Bruder Mike (Alexander Wüst) verdient er sich nebenbei eine Stange Geld als Schleuser. Mithilfe des Tunnels, Kenntnissen über Lücken im Kamera-Systemen und Anwälten, die ihnen im Hintergrund die Aufträge vermitteln. Doch Obacht: Wenn schon schleusen, dann bitte richtig. Und nicht so dilletantisch, wie es Rocky vormacht. Sonst kriegste es mit Terroristen, mit Thorsten „mit H!“ Falke und dessen neuer Kollegin Grosz (Franziska Weisz) zutun. Und die war schonmal in Afghanistan, hat da nur dummerweise Kollegen abgeknallt. Blöd gelaufen, jetzt ist sie nämlich in Hannover an der dortigen Flughafeninspektion (immerhin mit Betriebsrat!) gelandet.
Und weil sie so ein schönes Paar abgeben würden: Nochmal Thorsten (mit H!) Falke und seine Neue. ©NDR/Marion von der Mehden

Und so nimmt der Fall von Regisseur Özgür Yildirim und Autor Florian Oeller seinen Lauf. Weisz wird demnächst die neue Kollegin von Möhrings Milchtrinker Falke. Es ist ein Fall, der damit beginnt, dass der bemitleidenswerte Rocky erst den falschen Passagier rauszieht, ihn in einem Flugzeug-Getriebe entsorgt, von wo der Passagier einmal plitschplatsch in einen Pool runterkommt. Falke, der gerade deutsche Flughäfen aus Sicherheit testet (oder so?), muss also zwangsweise in Hannover ermitteln, mit der neuen Kollegin. Und dann werden wir Zeuge, wie die beiden sich annähern, also zumindest, wie sie sich irgendwie verstehen. Ist Falke verknallt? Man wird sehen.

Auf der anderen Seite erfahren wir, wie es eigentlich so ist, wenn der Bruder oder Sohn ein möglicher gesuchter IS-Verbrecher ist („Sie lächeln nicht? Sie weinen nicht?“) und dass dieser ebenfalls einer von uns ist – und klein fleischgewordener Unmensch. Muffensausen, Gewissensbisse inklusive. Die Muffe geht übrigens vorher auch unserem Freund Rocky, der Enis bei sich gefangen hält und dann bemerkt: Ups, ist ja keiner der üblichen Schleuser-Opfer, sondern mal einer, der bekannt ist. Der Terrorist sei mit dir. Gibt schönere Gesellschaft. Und gut geht das schon gar nicht aus.

Irgendwie will Oeller viel und die ganz großen Themen unserer Zeit anpacken. Schleuser, IS-Terroristen und gleichzeitig muss er noch verfluchterweise eine neue Kommissarin einführen. Ist nur mäßig gelungen. Yildirims Inszenierung ist dann aber immerhin recht rasant, er kann sich auf ein echt starkes Ensemble verlassen, findet zwischendurch die richtige Mischung aus knackigem Humor und prickelnder Unterhaltung. Und auch wenn der Showdown keinerlei Realitätstesten unterzogen werden dürfte, so ist er brutal und der zumindest spannungstechnisch gelungene Höhepunkt von letztlich durchschnittlichen 90 Minuten.

©ARD
Gibt's sonst noch was zu sagen? „Ja. Moin.“

BEWERTUNG: 6,0/10
Titel: Tatort: Zorn Gottes
Erstausstrahlung: 20.03.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Özgür Yildirim
Darsteller: u.a. Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz



Kommentare:

  1. Wenn sich einer mit H schreiben darf, dann ja wohl der Wotan! ;)

    AntwortenLöschen