Mittwoch, 9. März 2016

Mutterliebe auf engstem Raum - "Raum" im Kino


AB 17. MÄRZ IM KINO! ©Universal
Wenn die Welt bloß 9 m² bedeutet, ist das Leben darin lebenswert? Als Zuschauer wissen wir: Die Erde ist riesig, voller Wunder, Berge, Flüsse, Felder, Wälder und Seen. Wir können jeden Tag etwas Neues sehen und erleben, wenn wir es möchten. Oder wir bleiben zuhause in unseren vier Wänden und geben uns Netflix hin. Das Besondere daran: Wir haben die Wahl. Unser Horizont ist genauso breit, wie wir es zulassen – anders als der von Ma und Jack, die seit Jahren im titelgebenden „Raum“ leben. Ihrer Wahl beraubt.

Jack ist fünf und er kennt diese Welt nicht. Keine Berge, Flüsse, Wälder und Seen. Sein Horizont sind 9 m², seine Vorstellungskraft speist sich aus TV-Sendungen und Büchern. Wunder entstehen bloß in seinem Kopf. Eine Eierschale wird zu einem Objekt der Fantasie, die Küchenspüle ebenso. Für das Publikum fühlt sich dieser Raum tatsächlich riesig an. Zusammen mit Jack entdeckt es jeden Tag ein neues Detail, füllt es mit Bedeutung. Regisseur Lenny Abrahamson macht aus „Raum“ kein Rührstück über Entführungsopfer, sondern legt den Fokus ganz auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn.

Zwei Menschen, die nur einander haben und nichts sonst. Eine fragile und doch kraftvolle Verbindung ist das, die zu Herzen geht. Etwa wenn die Mutter Momente der Schwäche hat, da sie weiß, wie die Welt sich außerhalb der vier Wände weiterdreht. Etwa wenn der Sohn sich in den Schlaf wiegt, während der Entführer jede Nacht wiederkehrt. Das sind Eindrücke, die sich dem Zuschauer einprägen. Dank seiner beiden Hauptdarsteller, die Abrahamson zu führen versteht.

Für Brie Larson („Short Term 12“) dürfte die Rolle der Mutter den Durchbruch darstellen. Die unbändige Liebe zu ihrem Sohn spiegelt sich in ihren Augen wieder, ihren Tränen, die sie um ihn bzw. ihr gemeinsames Schicksal vergießt. Der inzwischen 9-jährige Jacob Trembley, aus dessen Sicht der Film erzählt ist, ist die eigentliche Überraschung. Er spielt Jack authentisch, lässt die Erlebnisse durch Kindesaugen begreifbar werden.


Angesiedelt zwischen Drama, Thriller und einem Hauch Medienschelte kommt der Film nie aus dem Tritt. Abrahamsons Regie ist zurückhaltend, nicht auf Sensationsgeilheit bedacht. „Raum“ ist kein Film der sich aufplustern muss, die Geschichte spricht für sich selbst. Seinen eigentlichen Gewinn zieht der Film aus dem Aufrechterhalten einer Illusion. Für Jack als auch uns ist der Raum – solange die Bilder noch auf die Leinwand projiziert werden – riesig, bedeutet die Welt. Verlassen wir aber das Kino, blicken hoch in den Sternenhimmel und fühlen den Wind auf unseren Wangen - dann merken wir erst, was die Figuren durchlitten haben. 9m²….wie verdammt wenig das doch ist. 


©Universal
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Raum
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
Autor: Emma Donoghue
Regisseur: Lenny Abrahamson
Darsteller: Brie Larson, Jacob Trembley, William H. Macy, Joan Allen, Sean Bridgers, Matt Gordon







Kommentare:

  1. Auf den Film bin ich echt gespannt. Aber eigentlich kann Brie LArson ja nicht enttäuschen, sie war ja bei Short Term 12 schon richtig gut.

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  2. Und hier ist sie sogar noch besser. ;)

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