Donnerstag, 3. März 2016

Journalisten als stille Helden - "Spotlight"

IM KINO! ©Paramount

Genau davon handelt „Spotlight“. Er zeigt eine Truppe von Reportern bei der Arbeit, die sich von mächtigen Organisationen nicht abschrecken lassen. Die unermüdlich interviewen, recherchieren, schreiben. Sie opfern ihre Freizeit, weil sie an das glauben, was sie tun. Weil sie einen Unterschied machen wollen. Sie waren die ersten, die mit ihren Artikeln über landesweiten Kindesmissbrauch des Klerus ein Tabu brachen. Ein totgeschwiegenes Thema, ein verstörendes noch dazu. Die Kirche schützte die Priester über Jahrzehnte hinweg, ließ sie gewähren, ihren Fantasien bot sie kaum Einhalt. Diese Ungerechtigkeit mitansehen zu müssen, das ist es, was „Spotlight“ so gelungen macht.

Er vertraut völlig auf das aufsehenerregende Thema und verzichtet auf Effekthascherei. Filmmusik findet nur spärlich ihren  Weg in den Film, die Kameraarbeit ist schlicht. Selbst die Schauspieler – große Namen wie Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams und Liev Schreiber – ordnen sich der Story unter. Hier sticht keiner völlig heraus, denn es ist eine Teamleistung, genau wie die Recherchen der Redaktion. Der Zuschauer mag gar nicht glauben, was die Opfer erzählen, ihr Unglaube spiegelt sich in den Augen der Darsteller wieder. Wie kann eine Institution, die die Schwachen schützen sollte, sich an ihnen derart vergreifen?

©Paramount
Journalisten-Filme haben eine Hürde zu überwinden: Die alltägliche journalistische Arbeit. Menschen, die den Großteil des Tages vor Computer sitzen, Wörter tippen und in Bücher starren, sind nicht sexy. Visuell ist dort wenig zu holen, weshalb die Geschichte bzw. das Drehbuch umso wichtiger ist. Hier schlägt „Spotlight“ voll ein. Das Grauen wird von Minute zu Minute greifbarer, das wahre Ausmaß erst zum Ende hin ersichtlich.
                                                                                                               
„Spotlight“ hätte jederzeit in Pathos abrutschen können. Dank seiner unaufgeregten Inszenierung legt er das Augenmerk auf die Schicksale der Betroffenen, auf das Unaussprechliche, das sie den Reportern verständlich machen mussten. Filmisch mag „Spotlight“ mit den Oscarfavoriten „Mad Max“ und „The Revenant“ nicht mithalten können – doch seine Stärke liegt woanders. In seiner schlichten Eleganz und der Erinnerung daran, was Redaktionen leisten können.

©Paramount

BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Spotlight
FSK: ab 0 freigegeben
Laufzeit: 129 Minuten
Genre. Drama, Journalismus
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Tom McCarthy, Josh Singer
Regisseur: Tom McCarthy
Darsteller: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, Stanley Tucci, John Slattery, Bryan d'Arcy James











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