Dienstag, 29. März 2016

Die Party is' verschobe': Makatsch-Tatort "Fünf Minuten Himmel"

©ARD
Es grassiert ein seltsames Syndrom im Tatort-Land. Eine Krankheit, die wild um sich fuchtelt, die sich wie ein Wurm schleichend durch jegliche Poren bis an die Oberfläche bewegt und dort dann ausbricht, letztlich jedoch irgendwo im – für Tatort-Verhältnisse – Quoten-Desaster endet. Event-Tatort nennt sich dieses Syndrom, und zumindest das aktuelle Event hat wenig Event, wenig Zuschauer trotz eines großen Namens an vorderster Front und neue Formen des Rausches. Leider gilt für „Fünf Minuten Himmel“ mit Heike Makatsch aus Freiburg eher eine andere Form des Rausches. „Kennen Sie das, müd' sein?“ Ohja...

Bei uns auffem platten Land, so wird uns Dorfkindern nachgesagt, gibt’s ja nichts und deswegen flüchten wir uns in Parallelwelten, konsumieren so oft es geht und zu jedem Anlass Bier und Schnaps. Es ist gut zu wissen, dass es auch in der großen weiten Welt, auch im Breisgau, in der eigentlich (bestimmt) ganz schönen City namens Freiburg Konsumenten jeglicher Rausch-Herbeirufungs-Mittel gibt. Bio-Kiffen steht dort hoch im Kus. Biowas? Ja, kennt ihr nicht? Kennt doch jeder. Solange Luft anhalten oder würgen lassen, bis der Atem stockt. Ein Rausch, der wirklich umhaut!

Auch Melinda, Ruth, Harriett, Niina und Titus stehen da drauf. Also eigentlich nur die ersten drei, machen sie ständig, unter der nächstgelegenen Schultreppe. Aber Obacht, liebe Freunde und Nachahmer, wenn ihr das dort macht, landet ihr direkt im Netz und der Stichwort gebende Kriminalkommissar im Rollstuhl (Max Thommes) findet euch prompt. Denn, Freunde, auch Freiburg ist ein Dorf.
"Hört mal Kinder, habt ihr schon gehört?" "Nein, was?" ©SWR/Ziegler Film

Ninas Mutter zum Beispiel heißt Ellen Berlinger (hat echt große Augen: Makatsch), sie ließ ihr Kind in Freiburg, verzog sich nach London. Doch jetzt ist sie wieder schwanger und kommt 16 (!) Jahre später plötzlich zurück in die Metropole Baden-Württembergs. Und gleich in ihrem ersten Fall muss sie sich um den Mord an Titus' Vater kümmern, der im Jobcenter arbeitete und – ich sag' ja: Kuhkaff! - sich dort gleichermaßen um Melindas und Ruths Family kümmern musste. Mit allem, was Mann so hat. Und Niina? Ja, jetzt ratet mal! Riiiischtisch! (war das der richtige Dialekt?) Sie ist Ellens Tochter. Klein ist die Welt.

Regisseurin dieses eigentlich recht klassischen Whodunit-Geflechtes, aber vom Autoren Thomas Wendrich doch recht mühsam zusammen gebastelten Kriminalfilms ist Katrin Gebbe. Und Gebbe entschied sich dafür, diese kleine Welt von verzweifelten Familien entsprechend zu bebildern – und zwar mit Elend. Viel von den schönen Seiten Freiburgs sieht man nicht, stattdessen spielen sich die meisten Szenen in vom Abriss bedrohten Bruchbuden, im kalten und ausladenden Polizeipräsidium oder irgendwo in alten und gottverlassenen Fabrikgeländen ab. Weil: Jobcenter = Elend = sozialer Abgrund. Klingelt's?
"Ja, die Heike Makatsch ist in der Stadt!" ©SWR/Ziegler Film

Der (vorerst) einmalige Ausflug von Makatsch ins Tatort-Universum lässt einem aber auch insofern ratlos zurück, dass man nicht so recht weiß, warum diese Geschichte nun jetzt in Freiburg mit Makatsch stattfinden muss? Dem oft für Krimis verwendeten Thema „Jobcenter“ können Wendrich und Gebbe jedenfalls mit ihrem Mix aus Affären, Erpressungen und Gefälligkeiten nicht viel Neues hinzufügen. Das macht den besonders auf die Lage der Kinder gelenkten Fokus von „Fünf Minuten Himmel“ zwar nicht minder aufregend, aber für die x-te Charakterisierung von Immobilienhaien als unsympathischen Lackaffen („Ich bin Bauherr, kein Arzt!“), die sowohl Tiere als auch Menschen (ver)jagen gehen, hätte es keine Makatsch-Event-Ausgabe benötigt.

©ARD
Vor allem fehlt es diesem Krimireihen-Special eindeutig an der Unverwechselbarkeit. Makatsch dackelt herum, wie sie es immer tut. Weder gibt’s hier den gewissen Witz noch irgendwas anderes, was es nicht auch in Köln, Bremen oder Berlin gibt. Die Party jedenfalls, die is' verschobe' worden.

4,0/10
Titel: Tatort: Fünf Minuten Himmel
Erstausstrahlung: 28.03.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Katrin Gebbe
Darsteller: u.a. Heike Makatsch, Emilia Bernsdorf

1 Kommentar:

  1. Oh ja, der war wahrlich ziemlich schlecht. Da wurde die werte Frau Makatsch (die definitiv besseres verdient hat) aber mal so richtig verheizt. Leider.

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