Mittwoch, 2. März 2016

Die Coens nehmen Hollywood aufs Korn - "Hail Caesar"



©Universal Pictures

Die 50er Jahre – die goldene Ära Hollywoods, das Zeitalter der großen Epen, die bis heute nichts von ihrem Charme und ihrer Magie verloren haben. Aber auch die Zeit der allmächtigen Studios, die ihre Stars aufbauten, sie pflegten und sich in sämtliche Bereiche ihres Lebens einmischten. Sie machten die Stars, legten ihnen das gewünschte Image an, wie der Römer seine Tunika. Skandale wurden mit aller Macht unter den Tisch gekehrt, denn die Produzenten besaßen Macht über den jeweiligen Schauspieler. Gleichzeitig sind die Nachkriegsjahre die dunkelsten in der Geschichte Hollywoods. Die Jagd auf Kommunisten sorgte für Misstrauen in der Branche, ein jeder konnte auf der gefürchteten schwarzen Liste landen und seinen Job verlieren.

In dieser spannenden Zeit spielt „Hail Caesar“, der neueste Streich der Coen-Brüder. Sie sind die Tausendsassas der Filmbranche, springen von einem Genre zum nächsten als wäre es nichts. Vom Thriller über Western bis hin zum Musikfilm. Daraus resultiert meist ein wilder Genremix, der ihren Filmen einzigartiges Flair verleiht. Oftmals ist es eher das durch das Schauen ausgelöste Gefühl, das in Erinnerung bleibt, anstatt die Geschichte. Manchmal ist der rote Faden gar nicht ersichtlich, sondern in viele Einzelszenen gespalten. Ähnlich ist es in „Hail Caesar“. Die Hauptstory rund um einen entführten Filmstar (George Clooney) geht im Tohuwabohu der Coens fast unter.

©Universal Pictures
Ihre filmischen Welten sind gespickt mit interessanten Figuren, die dank ihrer leicht verschrobenen Art dem Leben entsprungen scheinen. Selbst Charaktere, die nur für einige Sekunden zu sehen sind, wirken echt. Es fällt schwer innerhalb des Konglomerats an Einzelszenen einen Favoriten zu bestimmen, denn sie alle sind in „Hail Caesar“ vor allem eines: Witzig! Der Humor tropft aus jeder Pore und vermengt sich mit der sprachlichen Eleganz seiner Dialoge. Die Coen-Brüder sind Perfektionisten, was der Zuschauer jede Sekunde spürt.

„Hail Caesar“ ist Vergnügen pur, wenn er sich durch die alltägliche Studioarbeit seiner Figuren wühlt. Doch fehlt angesichts der lockeren Atmosphäre des Films der Biss. Das Geschehen gleicht eher einer kurzweiligen Urlaubsfahrt anstatt einer ernsthaften Auseinandersetzung. Er verschweigt die Schattenseiten der damaligen Geschehnisse nicht, treibt sie aber auch nicht – wie es eine Satire sollte – übermäßig auf die Spitze. Der schwarze Humor blitzt hier und da auf, dabei bleibt es aber.


Wer in Erinnerungen schwelgen möchte, der ist mit „Hail Caesar“ gut beraten. Hervorragend ausgestattet, beschwört der Film das Hollywood der 50er gekonnt herauf. Sonderlich in die Tiefe geht der Film – bis auf wenige Ausnahmen – aber nicht. Das ist schade, denn die Coens können es eigentlich besser. Es zeugt von Talent, wenn ein schwächerer Coen immer noch so sehenswert ist wie „Hail Caesar“. 


©Universal Pictures

BEWERTUNG; 07/10
Titel: Hail Caesar
FSK: ab 0 freigegeben
Laufzeit: 106 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Regisseur/Autor: Joel & Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Scarlett Johansson, Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Alden Ehrenreich, Channing Tatum, Jonah Hill, Christopher Lambert, Frances McDormand




1 Kommentar:

  1. Ein gelungener Coen. Ich habe mich jedenfalls prächtig amüsiert. :)

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