Dienstag, 16. Februar 2016

Hüte dich vor seiner "Naughty List" - "Deadpool" legt sie alle flach!

IM KINO ©20th Century Fox


Superhelden sind in zwei Lager aufgeteilt. Entweder sie ersticken beinahe in Ernst und Pathos wie es DC seit Jahren propagiert, oder sie sind witzig, cool und haben stets einen flotten Spruch auf den Lippen. Marvel feiert mit letzterem Rezept unglaubliche Erfolge und tut wenig daran, irgendetwas zu ändern. Never change a winning team. Doch bei all den XYZ-Men, die die letzten Jahre über unsere Leinwände flogen, verliert sich eines aus den Augen: Originalität. Das besondere Etwas. Denn wenn die Superheldenwelle auf eines ausgerichtet ist, dann auf den Massengeschmack. Das ist nicht verwerflich, schließlich wollen (und müssen) die Produzenten Geld verdienen.

Mit „Deadpool“ kündigt sich jedoch eine Gegenwelle an, die dem, was zuvor unter Massengeschmack verstanden wurde, deutlich widerspricht. Der Merc with a mouth ist davon so weit weg, dass das Studio elf Jahre benötigte, bis es den Mut fand, in Produktion zu gehen. Hauptdarsteller Ryan Reynolds leakte das Testmaterial vor einiger Zeit im Internet – die Fans liebten es. „Deadpool“ ist blutig, selbstironisch und spricht direkt zum Zuschauer. Auf eine gewisse Art ist er die Antithese rund um „Iron Man“ und „Batman“, da er sich um den Ernst der Lage nicht schert und eine möglichst geile Show abliefern will. Da wird geflucht, gespottet, getanzt und gesplattert bis der Zuschauer nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist.

©20th Century Fox

Reynolds hat sichtlich Spaß an der Rolle, veräppelt sein eigenes Image mit Querverweisen zu „Green Lantern“ und „X-Men: Origin“. Man wird das Gefühl nicht los, Reynolds, Co-Star T. J. Miller und Regisseur Tim Miller würden ihre eigene 90-minütige Party feiern. Nicht jeder Gag trifft, die Geschichte ist eigentlich nicht der Rede wert und gegen Ende verschreibt sich „Deadpool“ dem Bombast, dem er zuvor noch die Fresse polieren wollte. Dieser Spagat zwischen Ich-bin-ja-so-anders-als-die-anderen und mehr-vom-selben gelingt nicht völlig. So erinnert das Finale vom Look her eher an gewisse Ostblock-Produktionen, was dem Budget geschuldet ist. In seinen besten Momenten ist „Deadpool“ allerdings tatsächlich das, was uns versprochen wurde: Ein diebisches Vergnügen mit einem Schlitzohr als Protagonisten, dessen kindliches Vergnügen am Abschlachten eigentlich für offene Münder sorgen sollte.

Das ist kindisch, durch und durch bescheuert, aber unterhaltsam. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die kleineren und abgefahreneren Comichelden eine Chance bekommen. Das könnte der Abgesang auf das Genre werden. Oder seine (künstlerische) Wiederbelebung. Bei dem durchschlagenden Erfolg ist ein Ende jedenfalls nicht absehbar. Mal sehen, an welche Stoffe sich die Produzenten noch wagen bis die Blase platzt.


©20th Century Fox
BEWERTUNG: 07/10
Titel: Deadpool
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Comicaction
Erscheinungsjahr: 2016
Autor: Rhett Reese, Paul Wernick
Regisseur: Tim Miller
Darsteller: Ryan Reynolds, T. J. Miller, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, Karan Soni, Stefan Kapicic, Brianna Hildebrand




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