Dienstag, 16. Februar 2016

Gut auf schlechtem Niveau: "Tatort: Du gehörst mir" aus Ludwigshafen

©ARD
„Was muss ich tun, damit Sie mich wieder lieb haben?“ So ziemlich alles. Bis der Ludwigshafener Tatort wieder in der Gunst der Tatort-Zuschauer empor steigt, wird wohl noch eine sehr, sehr lange Zeit vergehen. Es ist nichtmal ein Geheimnis, dass Lena, Kopper und Oberzicke Stern seit geraumer Zeit keinen Elefanten mehr aus der Savanne hervor holen. Der aktuelle Fall mit dem verheißungsvollen Titel „Du gehörst mir“ gehört bloß einem: Und zwar mal wieder der Abfalltonne. Er ist immerhin durchaus besser als viele der desaströsen Ausgaben der jüngeren Vergangenheit – womit nicht unbedingt zu rechnen war -, jedoch ist er bloß gut auf einem schlechtem Niveau.

Keine Ahnung. Ich erinnere nochmal an die Ausgangssituation: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist ausgezogen bei Kopper. Ja, das war irgendwann mal vor gefühlten zweiundzwanzig Folgen (in Wahrheit waren es vielleicht vier). Und das gefällt ihm nicht. Und ihr gefällt das auch nicht. Sie mögen sich nicht mehr, auch diesmal nicht. Jetzt gibt’s sogar richtig Beef zwischen Italo Kopper (Andreas Hoppe) und ihrer burschikosen Kollegin. Mitten auf dem Revier, zwischen allen anderen. Sekretärin Keller (Annalena Schmidt) guckt ebenso verdutzt wie genervt aus der Wäsche wie Tatort-Experte Becker (Peter Espeloer). Auch Kollegin Stern (Lisa Bitter) mag gar nicht mehr hinschauen. Wir Zuschauer möchten uns ebenfalls so langsam in die Geschlossene einweisen: Die in Ludwigshafen, in dieser Stadt am Rhein, die haben doch alle einen oder zwei oder noch viel mehr an der Murmel.

Erlebt selbst Lena nicht alle Tage: Eine Leiche im Verhörraum.©SWR/Alexander Kluge
Stern findet, Kopper würde sich betrinken. Der hat die Augen schließlich so rot. Und der Odenthal kommt sie nachher auch in die Quere. Lena findet, sie hätte kein Mitgefühl, als Stern mit einem Durchsuchungsbeschluss in die Wohnung einer Verdächtigen (die gerade dabei ist, ihre im Koma liegende Tochter zu verlieren) hereinspaziert. Stern findet, Lena hat keinen Verstand mehr. Und so geht es den ganzen Abend. Gezeter hier, Gezeter da. Als dann auch noch ein weiterer Hauptverdächtiger mitten im Verhör zusammen bricht, auf der Stelle mit Schaum vorm Mund krepiert, ja, selbst da haben die in Ludwigshafen nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig fertig zu machen. Und während Lena am meisten am Rad dreht, lädt Stern Kopper auf ein Glas Wein ein. Lieb haben und so. „Um auf die Leiche aus dem Vernehmungsraum anzustoßen?“ Tun die beiden trotzdem.

Die erste Leiche des 90-Minüters ist übrigens ein Bodybuilder, dessen DNS verrät: Er ist der Vergewaltiger der todkranken Koma-Patientin gewesen. Da gibt’s noch einen Rapper, der die Koma-Patientin ganz doll lieb hatte. Wenn dem erfahrenen Roland Suso Richter nichts mehr einfällt, dann schneidet er wahllos ein paar Szenen aus dessen brutal schlechtem Musikvideo dazwischen. Bodybuilder und der Tote aus dem Verhörraum – auch ein der Vergewaltigung bezichtigter – schwangen zu Lebzeiten in einem Fitnessstudio die Hanteln, hatten da Sex mit der Thresen-Tussi, die während des Geschlechtsaktes das Handy auf die Geschehnisse hielt. Ist klar. Unlautere Anabolika fanden sie übrigens auch töfte. Aber das nur am Rande.
"Wo muss ich drücken?" Am besten auf den Abschalter der Fernbedienung...©SWR/Alexander Kluge

Nein, das Buch vom eigentlich guten Jürgen Werner macht den Eindruck, als habe er es wegen der ganzen Konflikte auf dem Präsidium für einen Dortmund-Tatort verfasst und beim Schreiben ist ihm irgendwie eingefallen: Das wird nicht geil, reichen wir das halt in Ludwigshafen ein, da reicht sowas. Der eigentlich ebenso gute Suso Richter (zuletzt Preis des Lebens aus Stuttgart) verzichtet bei der schlimmen Geschichte auf Spannung, setzt stattdessen auf wenig Farbtiefe und mehr Kontraste. Zum Wohle des Ausdrucks der traurigen und depressiven Grundspannung. Sagen wir mal so: Der gute Wille war immerhin erkennbar.

Ein Klos im Hals bleibt selbst dem hartgesottensten Tatort-Fetischisten und Ludwigshafen-Hassern dann aber in den letzten Minuten dieses Filmes stecken. Dort geht es um einen Stecker, der gezogen über Leben und Tod entscheiden würde. Nicht nur sprichwörtlich „Wo soll ich drücken?“, fragt da Odenthal.

©ARD
Auf der Fernbedienung wäre die Lösung definitiv einfacher ausgefallen: Auf den Abschaltknopf. Denn in Ludwigshafen ist eigentlich nur Kopper noch bei Trost, in dem er während dieses Dauer-Zanks das einzig Vernünftige beim Italiener-Besuch mit der Stern macht: Er betrinkt sich. 

BEWERTUNG: 4,0/10
Titel: Tatort: Du gehörst mir
Erstausstrahlung: 14.02.2016
Genre: Krimi
Regisseur: Roland Suso Richter
Darsteller: u.a. Ulrike Folkerts, Lisa Bitter, Andreas Hoppe

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