Dienstag, 2. Februar 2016

Ein unbekannter Held: "Kill The Messenger"

Jetzt auf DVD & BluRay zu kaufen! ©Universal Pictures
„Gary Webb?“ Wer kennt ihn? Hände hoch, irgendjemand? Na, irgendwer? Nein? Ich auch nicht. Jetzt aber. Er war ein guter Mann mit Idealen, jemand, der für seinen Job lebte, einer, der mit einer Geschichte über einen Hund begann – und mit Pferdescheiße aufhörte. Dazwischen war viel los im Leben des Gary Webb. Zum Beispiel im Sommer 1996, da war besonders viel los.

Die CIA bekam kalte Füße. Hatte dieser Gary Webb, Journalist im Dienste des recht unbekannten Käseblatts „San José Mercury News“ etwa ein großes Geheimnis gelüftet, das nie hätte gelüftet werden sollen? Hat die CIA durch dubiose Drogengeschäfte die große „Crack-Krise“ in amerikanischen Elendsvierteln mit verursacht, um mit dem Drogengeld die Contraarmee in Nicaragua zu unterstützen?

Gary Webb hatte Beweise. Nen Pullitzerpreis hatte er sowieso schon, den brauchte er nicht mehr, aber jetzt, mit dieser Riesen-Story – Arbeitstitel „Die dunkle Allianz“ -, die Aufstände in der Bevölkerung heraufbeschwor, bis in die höchsten politischen Kreise des gelobten Landes für Aufruhr sorgte, hatte er endlich Ruhm. Er hatte es geschafft, der LA Times, der New York Times oder auch der Washington Post eines auszuwischen.
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Er, Gary Webb, Investigativ-Reporter von den „San José Mercury News“, sorgt mal ebenso für die Geschichte des Jahrzehnts. Er sprach in der Recherche mit Drogendealern, jetzt wollten die großen Fernsehsender mit ihm sprechen. Nur die CIA hatte Wut in sich, sein Familienleben zerbrach, die großen Konkurrenz-Zeitungen suchten nach der Nadel im Heuhaufen von Webbs Leben, um ihn endgültig fertig zu machen – und plötzlich wird aus dem Mann mit der Riesengeschichte der Mann mit den tausend Problemen.

Dieser Mann hat echt gelebt, 1997, just nach der Auszeichnung als bester Journalist des Landes, kündigte er seinen Job bei der Zeitung, 2004 nahm sich Webb das Leben. Zumindest lautet so die offizielle Version. Regisseur Michael Cuesta verfilmte die Lebzeiten Webbs, konzentriert sich in „Kill The Messenger“ auf Webbs Riesen-Recherche, auf all das Dilemma, in das er unaufhaltsam hereinstolperte – unaufgeregt, mit dem strikten Fokus auf die Geschichte, faktenorientiert, gemixt mit echten Aufnahmen.

Die gut 110 Minuten sind eine Mischung aus Porträt, Medienkritik und Politdrama. Da ist der Mann, der seinen Job liebt, immer auf der Suche nach der großen Story. Auch wenn die CIA ihm offensichtlich droht („Ihre Kinder haben wir noch nicht bedroht“), bleibt er voll fokussiert. „Ich schreibe die Geschichte trotzdem.“ Wenn ranghohe Sicherheitsrats-Mitglieder ihm bescheinigen, dass manche Geschichten zu wahr seien, um sie zu verbreiten – dann lässt ihn das kalt. Dieser Gary Webb, der war noch einer, der seinen Job machte, um die Welt zu verändern.
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Cuesta lässt diesen Mann aber nicht bloß im positiven Licht erstrahlen, zeichnet ihn und sein Leben als gebrochen, manchmal ist dieser Mann einfach zu besessen. Mit dem Kopf durch die Wand – das war sein Ziel. Und den großen Medienhäusern gibt Cuesta auch gleich mal eine ordentliche Tracht Prügel mit. Der CIA kriecht man halt lieber mal in den Hintern, wenn eine andere Zeitung meint, King of Kotelett spielen zu müssen. Cuesta unterstellt den im Film vorkommenden Häusern gewissermaßen eine gewisse Mutlosigkeit. Durchaus zurecht.

Dazu gesellt sich dann noch eine kleine Prise Familiendrama, ein bisschen „Die CIA in ihren schwarzen Autos schüchtert ein“ aus der Mottenkiste und teilweise auch kleinere Längen. Recht gehetzt wirkt der Streifen aber auch, manchmal hätte man sich ein paar Hintergründe weniger, manchmal ein paar Hintergründe mehr zum Gesehenen gewünscht. Da passt ab und an nicht alles so zu hundert Prozent in der Ausgewogenheit und in der Dramaturgie.


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Aber auch weil der Cast um Jeremy Renner als Webb und Rosemarie DeWitt als seine Gattin einfach eine Spitzen-Leistung abgibt, ist „Kill The Messenger“ trotzdem kurzweilige und vor allem intelligente Unterhaltung. Gary Webb hätte bestimmt auch Gefallen daran gefunden, an diesem posthumen Ruhm. Denn diese Geschichte ist definitiv gut genug, um verbreitet zu werden.

BEWERTUNG: 7,0/10
Titel: Kill The Messenger
VÖ-Datum: seit 21.01.2016 auf DVD & BluRay erhältlicich
Genre: Politdrama
Regisseur: Michael Cuesta
Darsteller: u.a. Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt

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