Dienstag, 5. Januar 2016

Indianer, Cowboys, Bären, Pferde - jeder will DiCaprios Skalp in "The Revenant"!


AB 6. JANUAR IM KINO! ©20th Century Fox











Leid. Das ist es, was Starregisseur Alejandro González Iñárritu („Birdman“) auf die Leinwand transportieren möchte. Das Leid seines Hauptdarstellers, seiner Filmfigur, ja, sogar seiner gesamten Filmcrew. Denn wenn „The Revenant“ eines ist, dann eine Tortur, die die körperlichen Schmerzen seiner Figuren auf den Zuschauer überträgt. Der Kampf Leonardo DiCaprios mit den Mächten der Natur, den Menschen und Tieren ist mitunter schwer zu ertragen, kommt einem Kraftakt sehr nahe.

In seinen besten Momenten ist „The Revenant“ dann auch treibendes Kino, das im Kopf des Publikums weiterlebt, ihn beeindruckt und verstört. Was Regisseur Iñárritu und Kameramann Emmanuel Lubezki zaubern, ist technisch hoch beeindruckend. Komplett mit natürlichem Licht gedreht, in der Wildnis unter härtesten Voraussetzungen. Schon allein das nötigt Respekt ab. Wenn Kameras aufgrund der Kälte nicht mehr funktionieren, Regen und Schnee die Arbeit beinahe unmöglich machen – all das zeigt sich in „The Revenant“.

Iñárritus Natur wird in all seinen Facetten zelebriert, wunderschön und erschreckend zugleich. Berauschende Panoramen untermalen das Leid DiCaprios, ganz im Kontrast steht dazu die Hässlichkeit der Darsteller. Jeder ist sich selbst der nächste, Liebe wird mit Schwäche gleichgesetzt. Die harten Gewalteruptionen lassen ungemütlich auf dem Sessel umherrutschen, doch sind sie in Inarritus Version eines Wilden Westen unabdingbar.

©20th Century Fox


Wenn sich „The Revenant“ darauf doch beschränken würde, er wäre ein Meisterwerk. Leider genügt die körperliche Grenzerfahrung Inarritu nicht. Er bauscht den Überlebenskampf künstlich auf, macht aus einem maximal Zweistünder ein Mammutwerk mit 150 Minuten. Das erste Drittel ist noch an Intensität kaum zu überbieten, danach wiederholt sich das Geschehen. Irgendwann hat sich der Zuschauer an DiCaprios Stolpern durch die Wildnis schlicht satt gesehen.

„The Revenant“ ist mitnichten das Meisterwerk, das jeder gerne sehen würde, noch ist er ein Reinfall. Technisch über alle Zweifel erhaben, mit Darstellern die sich sichtlich abmühen, wird er von seinem Drehbuch allein gelassen. Zu viel Leerlauf schleicht sich ein, die Rückblenden irritieren alsbald, der Erzählfluss kommt gehörig ins Stocken. Das lohnt sich – gerade im Kino – immer noch, doch ist man froh, wenn der Abspann endlich erscheint. Man stelle sich trotzdem einmal vor, wie „The Revenant“ ausgesehen hätte, wäre er im Studio entstanden. Ohne Mut zur Natürlichkeit, dafür mit CGI im Überfluss. Allein deshalb wünscht man „The Revenant“ allen Erfolg der Welt. Auf das sich mutiges, echtes Genre-Kino weiterhin Pixelfeuerwerken der Marke „Der Hobbit“ oder „The Avengers“ entgegen stellt.


©20th Cenutry Fox




BEWERTUNG: 06/10
Titel: The Revenant
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 151 Minuten
Genre: Survival, Drama, Action
Erscheinungsjahr: 2016
Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu
Autor: Mark L. Smith, Alejandro Gonzalez Inarritu
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Paul Anderson, Lukas Haas



1 Kommentar:

  1. Schöne Review. Meine ist sehr ähnlich ausgefallen.

    Ich finde auch, eines der Hauptprobleme des Films ist zum einen die Länge und zum anderen die sehr dünne, einfache Story. Wie du schon geschrieben hast, irgendwann hat man sich einfach "an DiCaprios Stolpern durch die Wildnis satt gesehen". Visuell ein Meisterwerk aber inhaltlich wäre sicher noch mehr drin gewesen...

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