Freitag, 15. Januar 2016

Eine Ära endet, eine andere beginnt - "Creed - Rocky's Legacy"

Sylvester Stallone und Michael B. Jordan
AB 14. JANUAR IM KINO! ©MGM



Ikonen der 70er und 80er wieder auferstehen zu lassen, ist in Mode. „Star Wars Episode VII“ machte es vor einigen Wochen vor, nun nimmt sich „Creed“ dem Rocky-Universum an. Zeitlich ist das Spin Off nach „Rocky Balboa“ angesiedelt und rückt einen neuen Protagonisten in den Vordergrund. Adonis Creed, der Nachkomme des legendären Apollo Creed – Rockys Endgegner im ersten Film – will es wissen. Er möchte seinem Vater nacheifern, aus seinem Schatten treten. Zusammen mit Rocky als Trainer macht er sich auf, die Boxwelt ins Wanken zu bringen.

Der typische Sportfilm folgt einem unabänderlichen Werdegang: Zuerst wird der junge Sportler vorgestellt, mit all seinen Problemen und Träumen. Er schöpft Hoffnung, das Training läuft gut. Dann plötzlich passiert etwas – ein unerwarteter Schicksalsschlag – und der Held kehrt auf den Boden der Tatsachen zurück. Natürlich nur kurz, denn der Endkampf wartet schon, das Über-sich-hinaus-wachsen folgt dem Niederschlag auf dem Fuße. Wolle man „Creed“ Böses, man könnte sagen: Nichts anderes stellt er dar. Ein Aufguss bereits bekannter Zutaten, nicht mehr.

Sylvester Stallone und Michael B. Jordan trainieren.
©MGM
Doch so ganz stimmt das nicht. Regisseur und Autor Ryan Coogler schafft es, Altes und Neues zu verbinden, ohne zu übertreiben oder zu sehr auf Rockys Vermächtnis zu vertrauen. Klar, die Narration reiht sich ein in das Gros der Sportfilme, doch die Figuren lassen darüber hinweg sehen. Die „Rocky“-Reihe war immer ein Ausdruck seiner Zeit, ein Stempel, der die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten offenbarte. „Creed“ ist mit Michael B. Jordan in der Hauptrolle politisch korrekt, weiß aber damit umzugehen. Coogler – der schon mit seinem Erstlingswerk „Fruitvale Station“ das Amerika der 2000er beleuchtete – gibt sich mit dem bloßen Sportdrama nicht zufrieden.

Sein Philly (kurz für Philadelphia) ist lebendig, urban und immer in Bewegung. Kids fahren mit Motorbikes über die Straßen, Boxställe verstecken sich in abgeschiedenen Hinterhöfen. Doch hinter Graffiti und abplatzendem Mörtel schwitzen die Sportler, schlagen auf Sandsäcke ein, trainieren, arbeiten. Coogler leuchtet all das perfekt aus, die Bilder der Boxställe besitzen verschrobenen Charme. Besonders hervorzuheben sind die Kämpfe, die von der Jugendlichkeit und Ausdauer seines Hauptdarstellers profitieren. Fällt Sylvester Stallones Durchhalten in „Rocky Balboa“ schwer zu glauben und versinkt in Schnittgewitter, hält Michael B. Jordan einen Kampf ohne einzigen Schnitt durch. Die Kamera umkreist die zwei Kämpfer fortwährend, der Zuschauer wähnt sich mittendrin. Schlag auf Schlag, Schweißtropfen um Schweißtropfen. In diesen Momenten ist „Creed“ nah dran, an der Essenz eines Sportfilms.


Sylvester Stallone – auf ewig mit der Figur des Rocky verbunden -  fungiert als Anker, als Vaterfigur für den orientierungslosen Adonis. Als Aushängeschild des amerikanischen Traumes ist es nur folgerichtig, dass er seine Weisheit auf die nächste Generation überträgt. Trotz Stallones Beteiligung ergeht sich „Creed“ nicht in Referenzen, sondern setzt sie schonend und wohlüberlegt ein. Wo „Star Wars Episode VII“ an seiner Referenzialität beinahe erstickte, ist „Creed“ fast schon subtil. Der Gewinn des Golden Globe und die Oscarnominierung für Stallone dürfte aber eher Ausdruck einer Anerkennung für sein Lebenswerk sein. Denn genau das ist „Rocky“. Es ist Stallones Vermächtnis, dessen man sich erinnern wird. „Creed“ fungiert als Staffelübergabe demnach hervorragend und lässt auf weitere, gelungene Einträge des Franchise hoffen. 

Filmplakat von Creed - Rocky's Legacy
©MGM
BEWERTUNG: 07/10
Titel: Creed
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 133 Minuten
Genre: Sportdrama
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Ryan Coogler
Autoren: Ryan Coogler, Aaron Covington
Darsteller: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Graham McTavish, Tony Bellew, Phylicia Rashad







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